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Wende nach 18 Verlustjahren
Opel fährt wieder in die Gewinnzone

 Carlos Tavares, Vorstandschef der Opel-Mutter PSA Peugeot-Citroën, greift die IG Metall an.
Carlos Tavares, Vorstandschef der Opel-Mutter PSA Peugeot-Citroën, greift die IG Metall an. FOTO: dpa / Thibault Camus
Rüsselsheim/Rueil-Malmaison. Trotz des ersten operativen Gewinns von Opel in diesem Jahrtausend schwelen die Konflikte in den deutschen Standorten weiter. Von Christian Böhmer und Christian Ebner

Nach 18 verlustreichen Jahren hat der Autobauer Opel erstmals wieder einen Gewinn eingefahren. Das erste volle Geschäftsjahr unter Führung der neuen Konzernmutter PSA aus Frankreich endete mit einem operativen Gewinn von 859 Millionen Euro, wie PSA-Chef Carlos Tavares gestern in Rueil-Malmaison bei Paris berichtete. Aus der 2018er-Kennzahl sind aber Zinsen, Steuern und einmalige Sanierungskosten herausgerechnet. Ungeachtet der positiven Zahlen geht der Streit um die Zukunft der deutschen Standorte weiter. Die frühere General-Motors-Tochter Opel hatte mit ihrer britischen Schwestermarke Vauxhall 1999 letztmals einen Jahresgewinn ausgewiesen und in der „dunklen Periode“ rund 19 Milliarden Euro Verlust angehäuft, wie Tavares sagte.

PSA mit den Stamm-Marken Citroën, Peugeot und DS führt Opel seit August 2017. Opel habe mit seinem Sanierungsplan die Grundlage für eine nachhaltige Zukunft gelegt und werde „weiteres Potenzial freisetzen“, sagte der Konzernchef. Der Umsatz der Gruppe stieg um 18,9 Prozent auf 74 Milliarden Euro. Auf Opel entfiel ein Umsatz von 18,3 Milliarden Euro. Der Nettogewinn der PSA-Gruppe wuchs um 40,4 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro.

Die IG Metall forderte Opel nach den Gewinnmeldungen auf, nun Klarheit über die Auslastung der deutschen Werke zu schaffen. „Der ausgewiesene operative Gewinn von 859 Millionen Euro muss jetzt Ausgangspunkt dafür sein, endlich mit den Betriebsräten über die dringend notwendigen Investitionen für Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach zu verhandeln“, verlangte der Chef des Gewerkschaftsbezirks Mitte, Jörg Köhlinger. Betriebsräte und die Beschäftigten wüssten weiterhin nicht, wie die mittelfristige Planung für die Werke aussehe und mit welchen Modellen und Teilen die Standorte ausgelastet werden sollen.



„Der Opel-Blitz strahlt wieder kräftig. Opel ist wieder eine Gewinnermarke“, jubelte der deutsche Opel-Chef Michael Lohscheller in Rüsselsheim. Nach Abzug der Restrukturierungskosten bleibe ein operativer Gewinn von rund 280 Millionen Euro, relativierte Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer die Zahlen. Der Direktor des Car-Instituts an der Universität Duisburg-Essen lobte die bereits erreichten Kostenreduzierungen, die allerdings erst die Hälfte des Weges bedeuteten. „Opel hat weiterhin ein Absatzproblem, das sieht man am unverändert hohen Anteil der Eigenzulassungen.“ Privatleute entschieden sich immer seltener für einen fabrikneuen Opel. Auch müssten die im Vergleich zu Peugeot nach wie vor höheren Personalkosten weiter sinken. „Das Ende der Kostenschraube ist bei Opel noch lange nicht erreicht“, meinte Dudenhöffer.

Tavares griff wegen der Probleme beim geplanten Teilverkauf des Rüsselsheimer Entwicklungszentrums die IG Metall an. Er warf der Gewerkschaft vor, den Plan für einen Übergang von 2000 Leuten zum Ingenieurdienstleister Segula zu blockieren und damit letztlich die Jobs zu gefährden. „In einer 38-jährigen Karriere in der Autoindustrie in der ganzen Welt habe ich nie eine Lage erlebt, in der ein Gewerkschaftspartner nicht dafür kämpft, 2000 Jobs zu sichern“, sagte Tavares.

Es fehle an Absicherungen für die Arbeitnehmer, erklärte dazu ein Sprecher der IG Metall in Frankfurt. So müssten die Wechsler zu Segula wie die rund 5000 verbleibenden Opel-Ingenieure vor Entlassungen bis zum 30. Juni 2023 geschützt werden. Dazu gehöre auch eine Regelung für den Fall eines wirtschaftlichen Misserfolges der Segula GmbH. Dieses Risiko dürfe nicht auf die Arbeitnehmer abgewälzt werden.