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Ohne Krankenversicherung geht gar nichts

Jeder Deutsche muss krankenversichert sein. Im Gegenzug kann er auf eine gute Versorgung zurückgreifen. Foto: dpa
Jeder Deutsche muss krankenversichert sein. Im Gegenzug kann er auf eine gute Versorgung zurückgreifen. Foto: dpa FOTO: dpa
Zu allen Aspekten der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung gaben Frank Schultze vom Verband der privaten Krankenversicherung sowie Kurt Simon von der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland unserer Zeitung Auskunft. Hier die Antworten auf wichtige Fragen. red



Ich werde in wenigen Jahren in Rente gehen. Werde ich dann bei meiner Krankenkasse pflicht- oder freiwillig krankenversichert?

Sie werden als künftiger Rentner nur dann pflichtversichert sein, wenn Sie neunzig Prozent der zweiten Hälfte Ihres Erwerbslebens gesetzlich krankenversichert waren. Bei dieser so genannten Neun-Zehntel-Regelung spielt es keine Rolle, ob Sie diese neun Zehntel pflicht-, familien- oder freiwillig versichert waren - Hauptsache: gesetzlich krankenversichert, also nicht privat. Sollten Sie unterhalb der neun Zehntel bleiben, können Sie das rückwirkend kaum ändern. Sie könnten allerdings bei Ihrem Versicherer nachfragen, ob Versicherungslücken existieren. Eventuell können Sie den Nachweis erbringen, dass Sie in der betreffenden Zeit gesetzlich krankenversichert waren.

Bin ich als freiwillig versicherter Rentner nicht gegenüber den pflichtversicherten Rentnern in der gesetzlichen Krankenversicherung im Nachteil?

Bei einer freiwilligen Versicherung wird Ihnen automatisch ein Einkommen von derzeit 968,33 Euro monatlich unterstellt. Sie wären im Nachteil, wenn Ihre Rente geringer ausfiele als diese rund 970 Euro. Fällt Ihre Rente höher aus, zahlen Sie einkommensabhängig Ihren Beitrag wie Pflichtversicherte auch. Aber: Haben Sie Nebeneinkommen, etwa aus einer Versicherung, aus Zins- oder Mieteinnahmen, müssen Sie darauf Beitrag zahlen - anders als pflichtversicherte Rentner.

Ich bin seit vielen Jahren privat krankenversichert. Jetzt hat mir meine Gesellschaft zum Frühjahr eine deutliche Steigerung des Beitrages um rund 25 Prozent angekündigt. Wo kann ich mich beschweren?

Sie haben die Möglichkeit, sich an einen neutralen Schlichter für die Versicherungswirtschaft in Berlin, den so genannten Ombudsmann, zu wenden und können dort Ihre Beitragserhöhung überprüfen lassen. Wir gehen allerdings davon aus, dass das wenig Sinn hat, weil Beitragskalkulationen bei der privaten Krankenversicherung in Deutschland stark reguliert sind und sicher einer Überprüfung standhalten. Wir empfehlen Ihnen daher, sich mit Ihrem Versicherer in Verbindung zu setzen und nach Alternativen zu suchen. Der Versicherer ist verpflichtet, Ihnen Varianten aufzuzeigen. Eventuell ist ein Wechsel in einen anderen Tarif mit geringerem Leistungsumfang möglich.

Mein Mann war Beamter mit Beihilfeanspruch , ist jetzt verstorben. Ich selber bin gesetzlich krankenversichert, zahle aber Beiträge für eine Anwartschaft auf Beihilfe-Restkostenversicherung. Soll ich weiterzahlen?

Sprechen Sie mit dem Versicherer. Vielleicht werden Ihnen Ihre Beitragszahlungen angerechnet, wenn Sie eine Zusatzversicherung - etwa für einen stationären Krankenhausaufenthalt - abschließen. Ansonsten macht eine Weiterzahlung für die Anwartschaft wenig Sinn.

Meine Tochter war Beamtin, ist jetzt dienstunfähig geschrieben worden und erhält nunmehr Ruhestandsbezüge. Wie geht es jetzt mit Ihrer Krankenversicherung weiter? Kann sie in die gesetzliche Kasse zurück?

Sofern Ihre Tochter noch nicht 55 Jahre alt ist, kommt Sie in dem Moment in die gesetzliche Krankenversicherung zurück, in dem sie wieder eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit aufnimmt. Allerdings könnten Einnahmen aus einer solchen Tätigkeit auf die Ruhestandsbezüge angerechnet werden. Durch die Versetzung in den Ruhestand ist der Beihilfeanspruch Ihrer Tochter von 50 auf 70 Prozent gestiegen. Das heißt: Bei Arztrechnungen übernimmt ihr Dienstherr 70 Prozent der Kosten, die restlichen 30 Prozent werden über die Beihilfe-Restkostenversicherung getragen, für die Ihre Tochter Beiträge zahlt.

Unsere Tochter beendet im März mit dem Auslaufen des Wintersemesters ihr Studium. Bisher war sie bei unserer Krankenkasse in der studentischen Krankenversicherung . Wie geht es mit der Krankenversicherung weiter?

Seit August 2013 besteht deutschlandweit eine Pflicht zur Krankenversicherung . Ihre Tochter wird nach der Exmatrikulation bei der Krankenkasse, bei der sie bisher studentisch versichert war, nunmehr freiwillig krankenversichert. Dabei wird ihr ein Monatseinkommen von rund 970 Euro unterstellt. Das bedeutet dann einen monatlichen Beitrag von rund 170 Euro.