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Energiewende
Ökostrom-Umlage sinkt, Strompreis steigt

Die Umlage für Erneuerbare-Energien sinkt von 6,79 Cent auf 6,405 Cent. Günstiger wird der Strom für Verbraucher aber wohl nicht.
Die Umlage für Erneuerbare-Energien sinkt von 6,79 Cent auf 6,405 Cent. Günstiger wird der Strom für Verbraucher aber wohl nicht. FOTO: dpa / Patrick Pleul
Berlin. Eigentlich ist es eine gute Nachricht für die Verbraucher: Die Ökostrom-Umlage sinkt, und das zum zweiten Mal in Folge. Die Sache hat aber einen Haken.

Stromkunden in Deutschland müssen trotz eines Rückgangs der Ökostrom-Umlage mit leicht steigenden Strompreisen rechnen. Zwar fallen für die Förderung der erneuerbaren Energien im kommenden Jahr weniger Kosten an, dafür legen andere Bestandteile der Stromrechnung zu. Branchenexperten gehen davon aus, dass sich für viele Privathaushalte die Strompreise unterm Strich etwas erhöhen.

Die EEG-Umlage zur Förderung von Ökostrom in Deutschland sinkt zum zweiten Mal in Folge. Die Abgabe beträgt im kommenden Jahr 6,405 Cent pro Kilowattstunde, im Vorjahr waren es noch 6,79 Cent. Die Umlage ist ein wichtiger Bestandteil des Strompreises. Sie macht ungefähr ein Viertel aus und finanziert die festen Vergütungen, die Ökostrom-Produzenten für die Einspeisung ihres Stroms bislang unabhängig vom Marktpreis bekommen. Deswegen sinkt die Umlage oft, wenn die Strompreise im Großhandel steigen. Bestandteile des Strompreises für Privatkunden sind aber daneben Steuern, weitere Abgaben und Umlagen sowie Produktionskosten und die Netzentgelte. Letztere machen ebenfalls rund ein Viertel des Strompreises aus – und sie werden voraussichtlich ansteigen, da der Ausbau des Stromnetzes nicht vorankommt und daher häufig teure Notmaßnahmen zur Netzstabilisierung nötig sind.

„Es ist zwar erfreulich, dass die EEG-Umlage zum zweiten Mal in Folge für private Verbraucherinnen und Verbraucher sinkt“, sagte der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Klaus Müller. Er kritisiert jedoch, dass sich das letztlich kaum im Geldbeutel bemerkbar macht, vor allem, da die Börsenstrompreise parallel angestiegen sind.“ Es bleibe dabei, dass Privathaushalte einen Großteil der Kosten schulterten. Müller forderte, die Stromsteuer solle „nahezu“ abgeschafft, Privilegien der Industrie sollten reduziert und die Umlage müsste teils aus Steuern bezahlt werden.



Auch die Wirtschaft kann sich nur bedingt über die niedrigere EEG-Umlage freuen, da parallel dazu andere Preisbestandteile gestiegen sind. Carsten Meier, Geschäftsführer der saarländischen Industrie- und Handelskammer (IHK) nennt unter anderem die deutlich gestiegene Offshore-Netzumlage. Die Wirtschaft erwarte von der Politik „rasch eine wirksame Begrenzung der Energiewendekosten“, sagt Meier.

Die Bundesregierung hob dagegen Fortschritte bei der Energiewende hervor. Neu installierte Kapazitäten für erneuerbare Energien brauchten immer weniger Förderung, dadurch könne die EEG-Umlage zum zweiten Mal hintereinander sinken, sagte Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). „Das ist für die Energiewende eine gute Nachricht, weil wir zeigen, dass Ökologie und Ökonomie Hand in Hand gehen können.“ Künftig erhalten die Betreiber von Ökostrom-Anlagen keine feste Förderung mehr, sondern müssen am Wettbewerb teilnehmen. Den Zuschlag erhält in der Regel, wer am wenigsten staatliche Zuschüsse verlangt. Infolge entsprechender Ausschreibungen soll die Förderung insgesamt günstiger werden und zum Rückgang der EEG-Umlage beitragen.

Die Ökostrom-Umlage war in den vergangenen Jahren meistens gestiegen. Sie steht oft im Mittelpunkt der Kritik an der deutschen Energiewende.

(dpa)