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Luftverkehr
Iren fliegen mit maltesischer Flagge

  Die irische Fluggesellschaft Ryanair betreibt auf dem Hahn eine Basis. An anderen Standorten der Airline hat die Tochtergesellschaft Malta Air diese übernommen.
Die irische Fluggesellschaft Ryanair betreibt auf dem Hahn eine Basis. An anderen Standorten der Airline hat die Tochtergesellschaft Malta Air diese übernommen. FOTO: dpa / Andreas Arnold
Hahn. Nicht jeder Ryanair-Flug, der auf dem Hahn landet, ist auch tatsächlich von Ryanair. Die Airline hat eine Tochtergesellschaft gegründet, die auch Standorte in Deutschland übernommen hat. Von Bernd Wientjes

Wer einen Flug bei Ryanair bucht, der fliegt nicht automatisch auch in einem Flugzeug der irischen Gesellschaft. Seit diese im vergangenen Juni die Tochtergesellschaft Malta Air gegründet hat, landen immer öfter auch auf dem Flughafen Hahn die rot-weiß lackierten Maschinen der jungen Airline. Derzeit sind es vor allem Flüge aus Italien, von Rom und Pescara, die Ryanair mit Malta Air abwickeln lässt.

Doch es könnten möglicherweise mehr werden. Denn der maltesische Ableger der Iren hat bereits die Ryanair-Flieger auf den beiden Basen in Köln und Karlsruhe übernommen. Auch Ryanair-Standorte in Frankreich und Italien gehören rechtlich zu der Tochterfirma. 50 Ryanair-Flugzeuge fliegen mittlerweile nicht mehr unter der irischen sondern unter der maltesischen Flagge. Branchenkenner halten es für nicht ausgeschlossen, dass auch weitere Basen in Deutschland künftig von Malta Air betrieben werden.

Hinter der Gesellschaft steckt neben Ryanair auch der maltesische Staat. Über das Tourismusministerium ist er symbolisch mit einem Euro daran beteiligt. Man freue sich, dass Ryanair damit das Land und seinen Tourismus unterstütze, sagte der maltesische Tourismusminister Konrad Mizzi im vergangenen Jahr.



„Malta Air wird mit Stolz den maltesischen Namen und die maltesische Flagge tragen und zu über 60 Zielen in Europa und Nordafrika fliegen, während wir versuchen, unsere maltesische Flotte, unsere Routen, unseren Verkehr und unsere Arbeitsplätze in den nächsten drei Jahren auszubauen“, sagte Ryanair-Chef Michael O’Leary bei der Unterzeichnung des Kaufvertrags am 11. Juni vergangenen Jahres. Dabei machte er auch keinen Hehl daraus, dass die Übernahme von Malta Air auch steuerliche Gründe gehabt hat. Zwar stellte der gewiefte Ryanair-Boss die Umschreibung der Arbeitsverträge von 200 Mitarbeitern auf die Tochterfirma als deren Vorteil dar (dadurch werde diesen ermöglicht, ihre Einkommenssteuern vor Ort in Frankreich, Italien und Deutschland, anstatt wie bis dahin in Irland zu zahlen). Tatsächlich jedoch reagiert O’Leary damit auf die Auseinandersetzung mit den Gewerkschaften. Diese hatten in Deutschland durchgesetzt, dass es für die Kabinenmitarbeiter von Ryanair erstmals einen Tarifvertrag gibt und sie mehr Geld bekommen. Die Gewerkschaft Verdi sprach nach dem Tarifabschluss im März vergangenen Jahres von einem großen Erfolg, „dass bei Ryanair erstmals deutsches Arbeits- und Sozialrecht für alle in Deutschland Beschäftigten“ angewendet werde. Als Beschäftigte der maltesischen Tochterfirma können sie ihre Steuern und Sozialabgaben an ihrem jeweiligen Standort zahlen. Dadurch zahlen sie deutlich weniger Einkommenssteuer als sie bisher in Irland zahlen mussten.

Die deutsche Pilotengewerkschaft bezweifelt jedoch, dass die betroffenen Rynair-Mitarbeiter ihre Abgaben und Steuern tatsächlich lokal bezahlen können.