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Tarifstreit Metall
Metall-Verhandler nähern sich kaum an

Vertreter der IG Metall (l.) und der Metall- und Elektroindustrie saßen sich gestern in der Saarlandhalle bei den Verhandlungen gegenüber.
Vertreter der IG Metall (l.) und der Metall- und Elektroindustrie saßen sich gestern in der Saarlandhalle bei den Verhandlungen gegenüber. FOTO: Oliver Dietze
Saarbrücken/Zweibrücken. Zwei Stunden saßen IG-Metall und Arbeitgeber gestern in Saarbrücken zusammen. Noch sind die Fronten verhärtet. Von Joachim Wollschläger

Die dritte Verhandlungsrunde zwischen IG Metall und Arbeitgebern im Bezirk Mitte blieb gestern ohne greifbares Ergebnis. Rund zwei Stunden hatten die Vertreter beider Seiten in der Saarbrücker Saarlandhalle verhandelt. Den Fortschritt bezeichneten sie als gering: „Sie haben heute erkennen lassen, dass auch sie an einer baldigen Lösung interessiert sind“, sagte IG-Metall-Verhandlungsführer Jörg Köhlinger nach den Gesprächen. Zumindest habe erstmals das Klima einer gewissen Gesprächsbereitschaft geherrscht, bilanzierte sein Sprecher Michael Ebenau. Die zeigt sich auch in der Reaktion der Arbeitnehmer: „Wir erwarten jetzt, dass sich die IG Metall endlich beim Entgelt und der Erhöhung flexibler Arbeitszeitvolumen bewegt“, sagte deren Verhandlungsführer Thomas Brunn. „Dann können wir auch über Rahmenbedingungen für Beschäftigte reden, die ihre Arbeitszeit vorübergehend reduzieren wollen.“

Forderungen und Angebote beider Seiten liegen noch deutlich auseinander. Die IG Metall fordert neben einer Entgelterhöhung von sechs Prozent das Recht auf die Möglichkeit zu befristeter Teilzeit von 28 Stunden für zwei Jahre. In besonderen Fällen sollen die Arbeitgeber dafür noch einen Teillohnausgleich von 200 Euro pro Monat zahlen. Außerdem fordern die Metaller das Recht auf Freischichten bei einer Kompensation von 750 Euro bei mehr als zehn Freischichten.

Die Arbeitgeber wiederum bieten eine Ausgleichszahlung für die Monate Januar bis März von 200 Euro und anschließend eine Lohnsteigerung von zwei Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.



Die größten Differenzen sehen die Parteien nicht bei den Entgeltsteigerungen. Dort habe man sich bisher immer getroffen, hieß es von beiden Seiten. Die Arbeitgeber hadern vielmehr mit der Forderung nach Teilzeit bei gleichzeitigem Lohnausgleich. Hier haben sie rechtliche Bedenken, wenn sie einzelnen Beschäftigten Vorteile einräumen. „Da sehe ich auch wenig Möglichkeiten auf ein Entgegenkommen“, sagte Joachim Malter vom Arbeitgeberverband ME Saar. „Eine Lösung, die ein bisschen rechtswidrig ist, ist halt immer noch rechtswidrig.“ Die Arbeitgeber hatten angeboten, über Teilzeit-Regelungen ohne Lohnausgleich zu reden, wenn die IG Metall im Gegenzug auch längere Arbeitszeiten bei entsprechend höherer Vergütung ermöglicht.

Die IG Metall gibt sich weiter kampfbereit: „Mit ihrer bisherigen Haltung gießen die Arbeitgeber Öl ins Feuer“, sagte Köhlinger. Ende nächster Woche werde Bilanz gezogen. Dann könne es 24-Stunden-Warnstreiks geben. Die gestrigen Gespräche waren von Ausständen begleitet. Laut Gewerkschaft nahmen rund 9000 Metaller an Warnstreiks im Bezirk teil. Die meisten versammelten sich zu einer Kundgebung in Saarbrücken. Darunter waren unter anderem Angestellte von John Deere, Terex Cranes, Pallmann (Zweibrücken), Bosch, Thyssen-Krupp, Schaeffler (Homburg), Hager (Blieskastel) und Casar (Kirkel-Limbach). Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 30. Januar angesetzt.