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Metall-Tarifkonflikt spitzt sich weiter zu

Sindelfingen/Berlin. Im Tarifkonflikt in der Metall- und Elektroindustrie gibt es nur noch geringe Chancen auf eine friedliche Einigung. Im traditionellen Pilotbezirk Baden-Württemberg ging die zweite Verhandlungsrunde gestern nach wenigen Stunden ohne Annäherung zu Ende. Ein Angebot legten die Arbeitgeber nicht vor Von ddp-Mitarbeiterin Tanja Wolter

Sindelfingen/Berlin. Im Tarifkonflikt in der Metall- und Elektroindustrie gibt es nur noch geringe Chancen auf eine friedliche Einigung. Im traditionellen Pilotbezirk Baden-Württemberg ging die zweite Verhandlungsrunde gestern nach wenigen Stunden ohne Annäherung zu Ende. Ein Angebot legten die Arbeitgeber nicht vor. Sie forderten einen "Metallgipfel" auf Bundesebene, was die IG Metall aber ablehnte. Damit werden Warnstreiks wahrscheinlicher.Ende Oktober läuft die Friedenspflicht in der Branche mit ihren bundesweit 3,6 Millionen Beschäftigten ab.Die dritte Verhandlungsrunde für die 800000 baden-württembergischen Metaller wird am 30. Oktober in Fellbach stattfinden. IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann schloss zwar nicht aus, dass es dann noch zu einer friedlichen Lösung kommt, zeigte sich aber skeptisch. "Wir können nur über Lösungen reden, wenn die Gegenseite einen Vorschlag vorlegt", sagte Hofmann. Dass stattdessen ein Spitzengespräch gefordert werde, wertete er als "Versuch der zeitlichen Verzögerung". Er habe dafür "größtes Unverständnis".Schon zu Beginn der zweiten Verhandlungsrunde war bekannt geworden, dass Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser den IG-Metall-Vorsitzenden Berthold Huber zu einem Spitzengespräch auf Bundesebene aufgefordert hat. Südwestmetall-Chef Jan Stefan Roell schlug dieses Vorgehen dann in den Gesprächen im Südwesten ebenfalls vor. "In der Krise muss man außergewöhnliche Maßnahmen ergreifen", sagte er anschließend. Der Verhandlungsprozess müsse vor dem Hintergrund der Auswirkungen der Finanzmarktkrise "radikal reformiert werden".Vorwurf: VerzögerungWie Hofmann lehnte aber auch Huber den Vorstoß umgehend ab. Er sprach von einem "taktischen Verzögerungsmanöver" der Arbeitgeber. Es liege an dem fehlenden Angebot, dass man nicht weiterkomme. Die IG Metall verlangt acht Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Es ist die höchste Forderung seit 16 Jahren. Die Gewerkschaft begründet dies vor allem mit den gestiegenen Lebenshaltungskosten, hohen Unternehmensgewinnen und dem Produktivitätszuwachs.Roell betonte, die hohe Forderung der IG Metall einerseits und die wirtschaftliche Situation andererseits führe zu einer Differenz, "die wir so noch nie hatten". Er zeigte sich "sehr enttäuscht", dass die IG Metall "die ausgestreckte Hand" nicht annehmen wolle. Dieses Verhalten sei "übereilt". Der Südwestmetall-Chef hatte in der ersten Runde Anfang Oktober noch erklärt, er wolle der IG Metall entweder in der zweiten Runde oder beim dritten Treffen am 30. Oktober einen "Lösungsvorschlag" unterbreiten. Am Dienstag hatte der tarifpolitische Vorstand von Gesamtmetall in Berlin darüber beraten. Offenbar konnten sich die regionalen Arbeitgeberverbände nicht auf ein gemeinsames Angebot verständigen. ddp