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Luxemburger Flughafen bietet 83 Flugziele an
„Die Erreichbarkeit des Flughafens zählt“

 Der Flughafen Luxemburg kann mittlerweile auf vier Millionen Passagiere jährlich verweisen. Zugleich entsteht im unmittelbaren Umfeld des Airports derzeit eine neue kleine Stadt als Airport-City.
Der Flughafen Luxemburg kann mittlerweile auf vier Millionen Passagiere jährlich verweisen. Zugleich entsteht im unmittelbaren Umfeld des Airports derzeit eine neue kleine Stadt als Airport-City. FOTO: Flughafen Luxemburg
Luxemburg. Der Chef des Luxemburger Airports verweist auf  ein weiter steigendes Interesse von Fluggesellschaften. Von Thomas Sponticcia

Kurze Wege, ein attraktives Angebot mit vielen Flugverbindungen und keine Staus bei Kontrollen sind Trumpfkarten im Kampf um Fluggäste, sagt der Chef des Luxemburger Airports, René Steinhaus, im Interview mit unserer Zeitung. 83 Flugziele sind von dort schon erreichbar. Immer mehr Fluggesellschaften melden Interesse an.

Herr Steinhaus, was macht aus Ihrer Sicht die Vorteile des Luxemburger Flughafens aus?

STEINHAUS Die Erreichbarkeit, die Qualität und das Angebot. Der Flughafen ist zugleich für die Bürger im Großherzogtum Luxemburg als auch in der Grossregion eine ideale Adresse. Wir sind international und haben sowohl zahlreiche Reisende als auch Mitarbeiter aus der Grossregion am Flughafen. Unser großes Flugangebot mit derzeit 83 Flugzielen entsteht direkt aus der großen Nachfrage vor Ort aus der Industrie, aus der Politik und von den Bürgern. Luxemburger reisen generell sehr gerne. Für die vier Millionen Reisenden jährlich sorgt natürlich auch unser Homecarrier, die Luxair, sowie eine steigende Zahl weiterer Fluggesellschaften.



 René Steinhaus, Chef des Flughafens in Luxemburg.
René Steinhaus, Chef des Flughafens in Luxemburg. FOTO: Flughafen Luxemburg

Was ist der Grund für den Erfolg des Luxemburger Flughafens?

STEINHAUS Passagiere treffen ihre Entscheidung auf Basis des Angebots der Airlines sowie der Erreichbarkeit des Flughafens. Unser Ziel ist es nicht, dem Flughafen Saarbrücken Passagiere wegzunehmen. Auch der Flughafen Saarbrücken hat seine Berechtigung.

Wie erklärt sich aber, dass nach Ihren Worten immer mehr Airlines ab Luxemburg fliegen wollen?

STEINHAUS Ein Grund ist, dass sich das Geschäftsmodell von Billiganbietern ändert. Die zieht es heute mehr zu Flughäfen mit Privat- und Geschäftsreisenden, zu denen auch Luxemburg gehört. Um die gibt es einen immer härteren Wettbewerb. Das erklärt zum Beispiel, warum es die Ryanair jetzt an Flughäfen in Frankfurt, Köln und Luxemburg zieht. Diese Strategie-Änderungen der Airlines führen zu regionalen Verschiebungen. Luxemburg wächst jedoch in allen Bereichen und hat auch mehr Nachfrage von Airlines wie Luxair, Lufthansa, KLM, Swiss und British Airways. Sie können heute von Luxemburg aus direkt oder mit einem Zwischenstopp in die ganze Welt fliegen. Der große Vorteil von Luxemburg ist, dass wir diese große Angebotsbreite haben, das Ganze aber in einer überschaubaren Größe bleibt. Wir haben kurze Wege und keine Staus, auch nicht in der Abfertigung oder bei Kontrollen. Ihnen bleibt viel Stress erspart, wenn Sie von den Regionalflughäfen in der Großregion abfliegen.

Sie sagten, es gibt viele Fluggesellschaften, die gerne ab Luxemburg fliegen. Bekommt eine Fluggesellschaft in der Anfangsphase Subventionen vom Großherzogtum?

STEINHAUS Nein, überhaupt nicht. Ein Standortvorteil für die Attraktivität des Luxemburger Flughafens ist aber, dass der Staat für die Sicherheitskosten aufkommt. In Deutschland muss dies der Passagier in Form von Steuern und Gebühren über sein Flugticket bezahlen.

Wie erklärt sich, dass von Luxemburg aus zum Beispiel mehrere Fluggesellschaften nach Berlin fliegen: traditionelle Airlines genauso wie Billigflieger.

STEINHAUS Das hängt mit den unterschiedlichen Ansprüchen der Reisenden zusammen. Business-Reisende wollen meist frühmorgens fliegen und abends zurück sein. Dieses Bedürfnis befriedigen die traditionellen Airlines, während die Low Cost Airlines meist einmal am Tag mit größeren Flugzeugen und kostengünstiger fliegen. Die Nachfrage ist für beides da.

Wie beurteilen Sie im Angebot der Regionalflughäfen die Überlebenschancen von Saarbrücken?

STEINHAUS Was heißt Überlebenschancen? Ich sagte schon: Was zählt für die Region, ist die Erreichbarkeit. Es gibt für viele Saarländer auch ganz klar einen Bedarf an Flugverbindungen ab Saarbrücken, alleine schon, weil viele keine Lust dazu haben, morgens den Anfahrtweg von rund eineinhalb Stunden nach Luxemburg zu fahren. Ich stelle zum Beispiel den Bedarf an Verbindungen ab Saarbrücken nach Berlin oder zu einem Umsteigeflughafen (Hub) zu anderen Zielen überhaupt nicht in Frage. Ich stelle zugleich aber auch fest, dass Saarbrücken bestimmte Verbindungen nicht anbieten kann, die wir im Programm haben, weil wir in Luxembourg die direkte Nachfrage aus der Nähe des Flughafens haben.

Zugleich wächst auch das unmittelbare Umfeld des Flughafens Luxemburg gewaltig. Was ist geplant?

STEINHAUS Im direkten Umfeld des Flughafens entsteht derzeit eine kleine Airport City mit Büros, Hotels, Restaurants, Shops, Kindergärten und Fitness-Angeboten. Zugleich nehmen wir damit als Flughafen die Chance wahr, in solchen Bereichen stärker zu wachsen, die nicht direkt mit dem Flugverkehr zu tun haben. Dadurch entstehen auch für uns als Flughafen neue Geschäftsmodelle. Es gibt mittlerweile eine große Nachfrage nach Flächen und nach Infrastruktur, die zugleich direkt verbunden ist mit unserem Terminal. Große Flughäfen wie Frankfurt und Singapur praktizieren das schon seit Jahren. Wir haben als Regionalflughafen das Glück, diese Nachfrage auch in Luxemburg zu haben. Zugleich wird auch die neue Tram an den Flughafen angebunden.