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Lufthansa baut Billigangebot aus

Frankfurt. Die Lufthansa geht einen radikalen Konzernumbau an. Chef Carsten Spohr stärkt gegen den Widerstand der Piloten das Billigangebot, das unter der Marke Eurowings gebündelt wird. Agentur

Zwischen zwei Pilotenstreiks hat die Lufthansa einen massiven Ausbau ihres Billigangebots auf den Weg gebracht. Damit will der Konzern im harten Preiskampf anderen europäischen Billigfliegern wie Ryanair oder Easyjet die Stirn bieten. Der Aufsichtsrat billigte gestern ein Konzept von Lufthansa-Chef Carsten Spohr.

Dabei setzt der Konzern komplett auf die Marke Eurowings . Die bereits bestehende Tochtergesellschaft erhält größere Flugzeuge und soll künftig kostengünstige Direktflüge sowohl innerhalb Europas als auch auf der Langstrecke anbieten. Die erst 2013 neu aufgestellte Billigmarke Germanwings wird im kommenden Jahr weitgehend verschwinden. "Wir wollen in ganz Europa erfolgreich sein. Da bietet sich der Markenname Eurowings besser an als Germanwings , wenn die Maschine künftig von Österreich nach Spanien fliegt", sagte Spohr.

Die günstigere Kostenstruktur soll durch geringere Personalkosten bei Piloten und Kabinen-Crew sowie für Wartung und Flugbetrieb erreicht werden. Die Piloten bei Eurowings verdienen deutlich weniger als ihre Kollegen bei der Lufthansa, die unter den Konzerntarifvertrag fallen. In den Flugzeugen des Lufthansa-Konzerns arbeiten derzeit insgesamt knapp 9100 Piloten, von denen aber nur rund 5400 nach Konzerntarifvertrag bezahlt werden.

Im aktuellen Tarifkonflikt geht es um die Übergangsrenten dieser 5400 Piloten - und zumindest im Hintergrund auch um den künftigen Kurs des Konzerns mit dem Ausbau des Billigangebots. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) äußerte zwar scharfe Kritik am Billig-Konzept, will es aber nach den Worten ihres Sprechers Jörg Handwerg "nicht wegstreiken."

Zur Frage der Übergangsversorgung für die Piloten bot die Lufthansa der Gewerkschaft gestern eine Schlichtung an. Die Vereinigung Cockpit will dieses Angebot in der kommenden Woche prüfen, wie ein Sprecher sagte. An dem für heute angekündigten Streik hält die Gewerkschaft aber fest. Der Ausstand soll von 3 Uhr früh bis Mitternacht dauern. Die Lufthansa strich wegen der erneuten Arbeitsniederlegungen mehr als die Hälfte ihres Langstreckenangebots. Das Unternehmen reagierte mit "vollkommenem Unverständnis" auf die neuen Streiks. Erst am Dienstag war die neunte Streikrunde zu Ende gegangen. Von rund 1400 Flugausfällen waren laut Lufthansa 150 000 Passagiere betroffen. Die Vereinigung Cockpit kündigte an, dass nach den heutigen Streiks weitere Arbeitsniederlegungen möglich seien. Nur an den Weihnachtsfeiertagen soll nicht gestreikt werden.

Meinung:

Es geht ums Ganze

Von Merkur-MitarbeiterVolker Meyer zu Tittingdorf

Heute trifft die Lufthansa-Passagiere die zehnte Streikrunde. Solch einen harten Arbeitskampf hat der Konzern noch nie zuvor erlebt. Es steht mehr auf dem Spiel als in der Vergangenheit. Die Piloten fürchten um all ihre Besitzstände, die Unternehmensspitze sieht die Zukunft der Lufthansa in Gefahr. In der Tat - es geht ums Ganze. Will sich die Fluggesellschaft gegen die Billigkonkurrenten und arabische Staats-Airlines behaupten, müssen die Personalkosten sinken. Das wird Lufthansa-Chef Carsten Spohr über die Billigtochter Eurowings durchsetzen. Denn je mehr die Lufthansa-Piloten jetzt erstreiken, desto stärker wird Eurowings ausgebaut.