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Findige Idee
Diese Automaten bieten mehr als Dosenwurst

 Findige Idee: Volker Griebel, Winzer aus Bockenheim bietet seine Weine – und andere Produkte – auch in einem Automaten zum Verkauf an. 
Findige Idee: Volker Griebel, Winzer aus Bockenheim bietet seine Weine – und andere Produkte – auch in einem Automaten zum Verkauf an.  FOTO: dpa / Andreas Arnold
Bockenheim. Die Bedienung ist einfach und nicht an Geschäftszeiten gebunden: Nahrungsmittel oder Getränk aussuchen, bezahlen – und mit nach Hause nehmen. Landwirte setzen häufiger auf solche Automaten – und befüllen sie mitunter auch mit originellen Produkten.

In manchen stecken Erdbeeren oder Dosenwurst, in anderen Eier, Salat oder Kartoffeln: Fachleute sehen einen Trend zu landwirtschaftlichen Automaten in Rheinland-Pfalz. Die Verkaufsstellen bieten Flexibilität – für den Landwirt und für den Kunden. Im pfälzischen Bockenheim ist das Angebot originell. Die Kunden können nicht nur Wein, Saft und Wasser, sondern auch Schnäpse, Trinkbecher – und Gartenzwerge bekommen. „Das wird schon gelegentlich genutzt“, berichtet Betreiber Volker Griebel. Vor allem wenn Kinder dabei seien, würden die Figuren gelegentlich gezogen.

Als Winzer habe er sich vor etwa zwei Jahren für den Automaten entschieden, sagt Griebel. „In vielen Fällen ist es einfach so, dass die Leute nur einzelne Flaschen kaufen und sich bei so kleinen Mengen nicht trauen, zum Winzer zu gehen.“ Mit dem Automaten kauften die Kunden den regionalen Wein direkt beim Erzeuger und nicht im Supermarkt. Touristen nutzten das Angebot ebenso, oft würden auch einzelne Falschen als Geschenke gezogen. Der Absatz schwanke jedoch stark. „Im Winter tendenziell eher etwas weniger, weil draußen nicht so viel gefeiert wird.“

Fachleute gehen davon aus, dass künftig landesweit noch mehr landwirtschaftliche Automaten stehen. „Das ist sicherlich ein Trend“, sagt der Sprecher des Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd, Andreas Köhr. Über die Geräte könne inzwischen „die fast komplette Bandbreite“ landwirtschaftlicher Erzeugnisse angeboten werden.



Elisabeth Seemer von der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz spricht auch von einem Trend. „Es gab schon immer von einigen Betrieben Ansätze, Automaten oder kleine Verkaufskisten ihren Kunden anzubieten“, sagt die Beraterin in Bad Kreuznach. Das sei zwar schon seit Jahren so, aber im Zuge der sinkenden Milchpreise sei das Automatengeschäft deutlich angezogen und professioneller geworden. Das sei auch in Rheinland-Pfalz spürbar, auch wenn hier oft andere Produkte wie etwa Eier eine Rolle in der Direktvermarktung spielten.

„Der entscheidende Vorteil ist, dass ich dem Kunden das Produkt anbieten kann, ohne dass ich permanent vor Ort in einem Hofladen stehen muss“, sagt Seemer. Der Nachteil: „Man muss schon trotzdem irgendwie verfügbar sein.“ Der Kunde brauche einen Ansprechpartner, wenn beispielsweise eine Klappe am Automaten klemme oder das Geld stecken bleibe. Außerdem müssten die Geräte regelmäßig bestückt und sauber gehalten werden. „Das machen sich manche Anbieter nicht so ganz klar.“

Die Anschaffungskosten dürften auch nicht unterschätzt werden, betont Seemer. Die Automaten seien keine Massenware. „Die einfachsten fangen so bei 7000, 8000 Euro an.“ Je nach Modell könne der Preis auch schnell doppelt so hoch ausfallen.

Damit sich ein Automat für einen Landwirt lohne, sei die Kombination aus Produktauswahl und Standort ausschlaggebend. Im Falle von Milch bekomme sie oft keine gute Rückmeldung von den Landwirten, sagt die Fachfrau. Denn Milch müsse ständig frisch geholt werden und nur wenige Kunden führen diese Automaten regelmäßig an. Bei Produkten wie Erdbeeren erzählten ihr die Anbieter von guten Erfahrungen.

Sie könne sich vorstellen, dass noch einige Automaten dazu kommen, sagt Seemer. Aber: „Das wird jetzt nicht so sein, dass das in nächster Zeit explodieren wird.“ Köhr sieht das ähnlich: Die Automaten blieben sicherlich eine Nischenerscheinung.