| 23:25 Uhr

Kurs-Kracher schockt Börsianer

Washington. Das gespenstische Schauspiel an der Wall Street war nach 20 Minuten vorbei. Zurück bleibt quälendes Unbehagen. Binnen Minuten wurden an der New Yorker Wall Street vorübergehend Milliarden von Dollar an Börsenwert vernichtet, ohne dass der Grund dafür klar ist. Der wichtigste Börsenindex der Welt stürzt um neun Prozent ab - und niemand weiß genau warum Von afp-Mitarbeiter Peter Wütherich und von dpa

Washington. Das gespenstische Schauspiel an der Wall Street war nach 20 Minuten vorbei. Zurück bleibt quälendes Unbehagen. Binnen Minuten wurden an der New Yorker Wall Street vorübergehend Milliarden von Dollar an Börsenwert vernichtet, ohne dass der Grund dafür klar ist. Der wichtigste Börsenindex der Welt stürzt um neun Prozent ab - und niemand weiß genau warum. Die politische Debatte um eine Zähmung der Finanzmärkte dürfte nun jedenfalls um ein schlagkräftiges Argument reicher sein. Die Spekulationen nach dem Börsenschock am "schwarzen Donnerstag" überschlagen sich. Was war der Auslöser? Händler sprechen über die Schuldenkrise in Griechenland, wild gewordene Trading-Computer, die anhaltende Debatte über die Finanzmarktreform in Washington. Sie klingen dabei ratlos. Ein Gerücht macht an der Wall Street die Runde: Ein Händler der Citibank habe sich bei einer Verkaufsorder vertippt und 16 Milliarden statt 16 Millionen Aktien abgestoßen und damit eine Kettenreaktion ausgelöst. Die Börsenaufsicht SEC findet dafür zunächst jedoch keine Bestätigung. "Das ist eine Börsenpanik", sagt der Analyst Gregori Volokhine vom Finanzdienstleister Meeschaert. Die Aktie des Beratungsunternehmens Accenture etwa fällt binnen Minuten von 41,78 Dollar auf gerade mal 0,01 Dollar, ehe ihr Kurs zurück auf über 41 Dollar schnellt. Der Leitindex Dow Jones fällt von knapp 10 900 Punkten zum Handelsbeginn auf 9870 Punkte, ehe er bei 10 510 Zählern schließt. Die Börsenaufsicht leitete Ermittlungen ein, um den Auslöser für die "ungewöhnlichen Handelsbewegungen" zu ermitteln. Die Technologiebörse Nasdaq unternahm den ungewöhnlichen Schritt, die meisten Transaktionen in der Panikzeit zu annullieren. Auch wenn die Auslöser des Börsenbebens zunächst im Dunkeln lagen, wurde klar: Es gibt Schwachstellen im Sicherheitsregime. Eigentlich hat die New Yorker Börse (NYSE) ein Sicherheitssystem, um die Verkäufe im Fall einer Börsenpanik zu verlangsamen oder ganz zu stoppen. Börsianer an der Wall Street sprechen von "Wellenbrechern". Sie versagten. Und so verlor der Deutsche Aktienindex (Dax) auf Wochensicht knapp sieben Prozent. Auch die Börsen in Europa verbuchten herbe Abschläge: Der europäische Leitindex Euro-Stoxx 50 ging mit einem Minus von 4,26 Prozent aus dem Handel. In Paris und London schlossen die Börsen ebenfalls tiefer.