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Kohleausstieg in Frankreich
Kohlekraftwerk in St. Avold schließt 2022

 Das Kohlekraftwerk in Carling steht vor dem Aus. Hier ein Archivbild aus dem Jahr 2009.
Das Kohlekraftwerk in Carling steht vor dem Aus. Hier ein Archivbild aus dem Jahr 2009. FOTO: BeckerBredel
St. Avold. Ähnlich wie Deutschland plant auch Frankreich den Kohleausstieg. Davon betroffen ist auch die Anlage in Lothringen. Von Hélène Maillasson

Rund 150 Menschen arbeiten zurzeit im lothringischen Kohlekraftwerk Emile Huchet auf der Chemieplattform Carling bei St. Avold. 80 Stellen sind überdies bei Dienstleistern der Anlage indirekt von deren Betrieb abhängig. Doch die Tage von Emile Huchet sind gezählt. Spätestens 2022 will Frankreich es vom Netz nehmen. Vier Kraftwerke produzieren zurzeit in Frankreich noch Strom aus Kohle. In dem Land, wo fast 80 Prozent der Stroms durch Atomkraftwerke erzeugt wird, setzt man dennoch vor allem zu Spitzenzeiten in den Wintermonaten gerne auf diese Energiequelle, denn die Blöcke lassen sich im Gegensatz zu denen der AKWs schnell hochfahren. Nichtsdestotrotz versprach Präsident Emmanuel Macron bereits im Wahlkampf den Kohleausstieg. Schon im kommenden Jahr soll das erste Kohlekraftwerk in Le Havre schließen. 2022 folgen St. Avold und Gardanne. Die letzte Anlage in Cordemais soll spätestens 2026 abgeschaltet werden.

Nicht alle Beschäftigte werden in Emile Huchet aber ihren Job verlieren, denn noch im Laufe dieses Jahres sollen dort zwei Gaskraftblöcke in Betrieb genommen werden. Dennoch sind die meisten Mitarbeiter im Kohlebereich tätig. Kürzlich besuchte die Staatssekretärin für die Energiewende, Emmanuelle Wargon, St. Avold. Rund 250 Millionen Euro wolle der französische Staat investieren, um in der Region die Wirtschaft und neue Arbeitsstellen zu fördern, kündigte sie an. Doch an welchen Projekten sich Paris mit dieser Summe beteiligen wird, wurde nicht verraten. Nur so viel: Der Staat selbst könne keine privaten Jobs schaffen, doch man werde versuchen, Investoren mit günstigen Konditionen anzulocken.

Von einer Wasserstoff-Zentrale über eine Biomasse-Anlage bis zur Ansiedlung eines Lebensmittelkonzerns kursieren mehrere Ideen, doch beim Besuch der Staatssekretärin war noch nichts spruchreif. Währenddessen wachsen bei den Angestellten die Unruhe und die Angst, dass sie am Ende komplett leer ausgehen. Bereits im Oktober waren sie wegen der Schließungspläne in Streik getreten. Sollten nicht bald konkrete Vorschläge für eine Anschlussbeschäftigung für die Zeit nach 2022 auf dem Tisch liegen, wollen sie gewerkschaftsübergreifend erneut die Arbeit niederlegen.