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Neuer Warenhaus-Riese
Karstadt und Kaufhof dürfen fusionieren

Filialen von Karstadt und Kaufhof liegen zum Beispiel in Düsseldorf nah beieinander. Offen ist, ob in solchen Fällen ein Haus schließen muss.
Filialen von Karstadt und Kaufhof liegen zum Beispiel in Düsseldorf nah beieinander. Offen ist, ob in solchen Fällen ein Haus schließen muss. FOTO: dpa / Marius Becker
Bonn. Wettbewerbshüter haben keine Bedenken gegen den Zusammenschluss der Warenhausriesen. Denn die Konkurrenz ist groß. dpa

Deutschland bekommt einen neuen Warenhausriesen: Das Bundeskartellamt hat grünes Licht für die Fusion von Karstadt und Kaufhof gegeben. Kartellamtspräsident Andreas Mundt sagte am Freitag: „Wir haben das Vorhaben intensiv geprüft. Weder aus der Perspektive der Verbraucher noch aus Sicht der Hersteller und Lieferanten gab es durchschlagende wettbewerbliche Bedenken.“ Karstadt und Kaufhof hätten nicht nur viele Konkurrenten im stationären Geschäft. Auch der Online-Handel sorge für zusätzlichen Wettbewerbsdruck.

Der neue Einzelhandelsriese wird europaweit 243 Standorte haben und rund 32 000 Mitarbeiter beschäftigen. Unter dem Dach der neuen Holding werden nicht nur die deutschen Kaufhof- und Karstadt-Filialen vereint, sondern auch die Karstadt-Sporthäuser, die europäischen Filialen der Outlet-Kette Saks Off 5th, die Galeria-Inno-Kaufhäuser in Belgien, die erst kürzlich gegründeten Hudson‘s-Bay-Warenhäuser in den Niederlanden sowie eine Reihe von Internet-Anbietern.

Offiziell ist von einer „Fusion unter Gleichen“ die Rede. Doch wird die Signa-Holding von Karstadt-Eigentümer René Benko die Mehrheit am neuen Unternehmen halten: Signa erhält 50,01 Prozent der Anteile, der kanadische Kaufhof-Eigentümer HBC 49,99 Prozent. Von dem Zusammenschluss erhoffen sich die beiden Kaufhausketten eine Verbesserung ihrer Wettbewerbsposition. Die Bündelung von Einkaufsmacht dürfte es Kaufhof und Karstadt ermöglichen, bessere Konditionen von den Lieferanten zu bekommen. Außerdem könnten nach Einschätzung von Branchenkennern in der Verwaltung, Datenverarbeitung und Logistik beträchtliche Summen gespart werden.



Bei Beschäftigten wurde die Entscheidung nicht ohne Sorge aufgenommen. Der Karstadt-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Jürgen Ettl forderte Eigentümer und Management auf, nun alles Mögliche für den Erhalt der Arbeitsplätze aller Beschäftigten zu tun. Gerade in Städten, wo es Kaufhäuser beider Marken in enger Nachbarschaft gebe, seien nun kluge Lösungen gefragt.

Auch Kommunen beobachten die Entwicklung mit gemischten Gefühlen. Die Städte seien daran interessiert, „dass nach der Fusion möglichst alle Kaufhausstandorte bestehen bleiben“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Städtetages, Helmut Dedy. Denn die großen Warenhäuser seien wichtig für die Attraktivität der Innenstädte. Auch Norbert Portz vom Städte- und Gemeindebund appellierte an die Konzerne, einen „Kahlschlag“ in den Innenstädten zu verhindern.

Was die Fusion für Beschäftigte und Kommunen bringen wird, darüber besteht im Moment noch große Ungewissheit. Weder gibt es Zahlen zum erwarteten Stellenabbau, noch Angaben über mögliche Schließungen. Karstadt-Eigentümer René Benko bemühte sich zuletzt jedoch, Ängste vor drastischen Einschnitten zu dämpfen: „Natürlich müssen wir sanieren, aber wir werden wie bisher um jede Filiale kämpfen und versuchen, sie in die schwarzen Zahlen zu bringen“, sagte er.

Der Zusammenschluss ist aus der Not geboren. Kaufhof und Karstadt macht seit Jahren der Siegeszug von Billiganbietern wie Primark und Online-Händlern wie Amazon oder Zalando zu schaffen, aber auch die Konkurrenz der großen Einkaufszentren. Besonders kritisch ist die Situation zurzeit bei Kaufhof. Die Kölner kämpfen seit der Übernahme durch HBC Ende 2015 mit Umsatzrückgängen und roten Zahlen. Karstadt hat nach einer harten Sanierung unter Führung Stephan Fanderls gerade erst die Rückkehr in die schwarzen Zahlen geschafft.