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Eine Ära geht zu Ende
Karlsberg zieht sich aus Frankreich zurück

 Karlsberg will sich nach eigenen Angaben verstärkt auf ihre deutschen Marken konzentrieren.
Karlsberg will sich nach eigenen Angaben verstärkt auf ihre deutschen Marken konzentrieren. FOTO: dpa / Sven Hoppe
Homburg. Die Bauerei plant den Verkauf der Licorne Gruppe, die seit über 30 Jahren zum Unternehmen gehört. Damit trennt sich Karlsberg dieses Jahr bereits vom zweiten Tochterunternehmen. Von David Seel

Der Karlsberg Verbund will sich von der Licorne Gruppe trennen, zu der die Brasserie Licorne, Karlsbräu und Saverne Transport gehören. Es gebe „konkrete Verkaufsgespräche“ mit dem französischen Investor UI Gestion, teilt die Brauerei mit. Vorverträge seien bereits geschlossen, derzeit liefen noch „Prüfungsprozesse“, etwa vonseiten der französischen Behörden, präzisiert Karlsberg-Chef Christian Weber auf SZ-Anfrage. Auch die Licorne-Belegschaft müsse noch zustimmen. „Wir gehen davon aus, dass der Verkauf wahrscheinlich Ende Mai abgeschlossen sein wird“, erklärt Weber.

„Nach mehr als 30 Jahren haben wir uns entschieden, unser Engagement im französischen Markt an einen neuen Eigentümer zu übergeben, um uns auf unser Markengeschäft in Deutschland zu konzentrieren“, sagt der Karlsberg-Chef. Mit UI Gestion sei ein Investor gefunden worden, der die „sehr positive Entwicklung der Licorne Gruppe, unter Beteiligung des Management-Teams fortführen will und mit dem wir enge partnerschaftliche Geschäftsbeziehungen pflegen wollen“.

Karlsberg will sich künftig auf die deutschen Marken der Brauerei, also Karlsberg und Mixery, und den Mineralbrunnen Überkingen-Teinach (Teinacher, Krumbach, Niehoffs Vaihinger und Afri Cola) konzentrieren. „Es ist aber definitiv kein Notverkauf“, stellt Weber klar. Licorne sei „ein starkes Unternehmen mit starken Wachstumszahlen“, sagt der Karlsberg-Chef. „Aber manchmal muss man sich auch von Dingen trennen, die gut laufen. Man sollte nicht mit zu vielen Bällen gleichzeitig jonglieren.“



Vor allem für das Export-Geschäft nach Frankreich ist allerdings weiterhin eine Kooperation mit Licorne geplant. „Karlsberg bleibt in Deutschland Partner der Licorne Gruppe und plant auch im Bereich Export weltweit eng mit Licorne zu kooperieren“, so die Brauerei. „Auch in den kommenden Jahren wollen wir in relevanten Bereichen weiter zusammenarbeiten“, bestätigt Dominique Baudendistel, Geschäftsführer der Licorne Gruppe.

Er sei erfreut, „die Licorne Gruppe in ein neues Kapitel führen zu dürfen“, sagt Michel Deprez, Vorsitzender der Geschäftsführung von UI Gestion. Im vergangenen Jahr habe das Unternehmen zweistellige Wachstumsraten erzielt. Das sei „deutlich mehr als der französische Biermarkt“, erklärt Deprez. UI Gestion ist nach eigenen Angaben seit 1967 als Investor auf dem französischen Markt aktiv.

Die 1845 gegründete Brasserie Licorne (früher: Brasserie de Saverne) ist seit dem Jahr 1989 Teil des Karlsberg Verbundes. Sie bildet den Kern der Licorne Gruppe und zeichnet unter anderem für den Vertrieb der Marken Licorne, Slash, Spirit, El Grande, Karlsbräu, Amos sowie Unik verantwortlich. Die Brasserie Licorne beschäftigt in Saverne 160 Mitarbeiter, dazu kommen 27 bei Karlsbräu CHR.

Der Verkauf von Licorne ist für Karlsberg bereits die zweite Entschlackungskur in diesem Jahr. Vergangenen Monat trennte sich die Brauerei von ihrem Tochterunternehmen Gesundbrunnen Bad Rilchingen (wir berichteten). Laut Karlsberg-Chef Weber soll es auf absehbare Zeit dabei bleiben: „Rilchinger und Licorne waren die beiden großen Projekte, damit haben wir jetzt erst einmal einen Abschluss gefunden.“ Mit dem Bierabsatz 2019 sei man aber insgesamt zufrieden. Hier sei der Marktanteil in den vergangenen Jahren stetig gewachsen, sagt Weber. „Wir werden jetzt weiter an unseren deutschen Marken arbeiten.“ Am 11. März wird Karlsberg seine Jahresbilanz vorstellen.