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Karlsberg ist wieder Herr im Haus

Homburg/München. Die Karlsberg-Brauerei ist wieder komplett in Familienbesitz. Dies bestätigte gestern der Geschäftsführende Gesellschafter der Karlsberg Brauerei KG Weber, Richard Weber, gegenüber unserer Zeitung Von Thomas Sponticcia und Lothar Warscheid (Merkur)

Homburg/München. Die Karlsberg-Brauerei ist wieder komplett in Familienbesitz. Dies bestätigte gestern der Geschäftsführende Gesellschafter der Karlsberg Brauerei KG Weber, Richard Weber, gegenüber unserer Zeitung. Demnach hat nach zuvor einstimmigem Gesellschafterbeschluss der Familie die Karlsberg Brauerei KG Weber beschlossen, die bisher von der Brau Holding International (BHI) gehaltenen Anteile von 45 Prozent komplett zurückzuerwerben. 55 Prozent der Anteile an der bisherigen Karlsberg International Brand (KIB) waren ohnehin im Familienbesitz. Über die Details des Vertrags haben beide Parteien Stillschweigen vereinbart. Das Bundeskartellamt muss noch zustimmen. Die deutschen Vertriebsrechte an dem Tequila-Bier "Desperados" (125 000 Hektoliter) gibt Karlsberg allerdings an Heineken zurück, erläuterte Weber. Von den Holländern hat das Unternehmen im Gegenzug die deutschen Vertriebsrechte für die 6er-Packungen Heineken erworben. Die jetzt zurückgekauften Anteile wurden seit dem Jahr 2003 von der BHI gehalten, an der die Münchner Unternehmensgruppe Schörghuber 50,1 Prozent hält, der niederländische Brauereiriese Heineken 49,9 Prozent. Die BHI ist die drittgrößte Brauereigruppe Deutschlands. Unter ihrem Dach sind im Bereich Getränke die Beteiligungen der Schörghuber Unternehmensgruppe und von Heineken gebündelt. Dazu gehören die Marken Paulaner, Kulmbacher, Fürstenberg, Hoepfner und bis jetzt auch Karlsberg. Die bisherige KIB verschwindet. Dachgesellschaft des Karlsberg-Biergeschäfts in Deutschland ist künftig die Karlsberg Brauerei GmbH. Sie lenkt die Ausrichtung der Karlsberg Brauerei, der Königsbacher Brauerei und der Unternehmen im Vertriebs- und Dienstleistungsbereich - wie zum Beispiel die Vertriebstochter Vendis. Die einzelnen Firmen bleiben in ihrer operativen Ausrichtung allerdings eigenständig und "sollen auch Impulse für das Gesamtunternehmen geben".Belegschaft erleichtertMit dem Komplett-Rückerwerb der Karlsberg Brauerei stelle sich die Familie Weber "als Familiengesellschaft der Verantwortung, die Brauerei nun erneut komplett aus eigener Kraft und aus regionalen Wurzeln heraus auf die zunehmenden internationalen Herausforderungen im Bier- und Geschäft mit alkoholfreien Getränken vorzubereiten", so Weber. Dafür sieht er in der neuen Organisationsform heute eine bessere Voraussetzung als in der 2003 begonnenen Zusammenarbeit mit der Brauholding International (BHI). Diese habe sich zwar zunächst erfolgreich, später aber zunehmend problematisch entwickelt. Grund hierfür waren offensichtlich unterschiedliche Vorstellungen über die weitere Zusammenarbeit sowie Strategie. Mit dem seit März 2009 neuen Management der Schörghuber-Gruppe unter Leitung von Alexandra Schörghuber als Vorsitzender des Stiftungsrates, der die Leitlinien des Unternehmens bestimmt, und des neuen Vorstandschefs der Unternehmensgruppe Klaus. N. Naeve, ließ sich laut Richard Weber eine Verhandlungsbasis schaffen, "die die jetzt erfolgte Rückführung der Karlsberg Brauerei in saarländische Hände ermöglichte". Man wolle die neuen Freiheiten nutzen, um in der Großregion um das Saarland "die Vermarktung erfolgreicher Produkte nach vorne zu bringen". Das Marktgebiet umfasse fünf Millionen Menschen. In der Karlsberg-Belegschaft, die gestern in einer Betriebsversammlung über den Rückkauf der Brauerei informiert wurde, wird dieser Schritt offensichtlich positiv gewertet. Betriebsratschefin Rita Selinger-Omlor freut sich darüber, dass "wir endlich wieder daheim sind". Die Belegschaft sei erleichtert. Das lange schwebende Verfahren "hat uns doch blockiert". "Jetzt können wir durchatmen und nach vorne schauen", zumal die Gruppe über gute Produkte verfüge. Meinung

Ende einer unglücklichen Ehe



Von SZ-RedakteurThomas Sponticcia Karlsberg gehört zur Identität des Saarlandes wie Lyoner, Hoorische, ein blühendes Vereinsengagement und viele Aktivitäten, die von der Brauerei unterstützt werden. Daher ist es aus regionaler Sicht erfreulich, dass die Brauerei wieder komplett zurückkommt in saarländische Hände. In diesem Fall hat sich erwiesen, dass die Zusammenarbeit mit deutlich größeren Partnern wie Schörghuber und Heineken nicht immer erfolgversprechend ist. Angenommene Vertriebsvorteile haben sich am Ende nicht so ausgezahlt, wie es sich die Karlsberg-Führung erhofft hatte. Die geht nun wieder eigene Wege in der Positionierung und Vermarktung - vor allem in der Region. Das wird schwer werden. Teure Investitionen sind nötig. Der Erfolg aller Karlsberg-Marken wird zu prüfen sein. Und nicht jeder Arbeitsplatz wird erhalten bleiben. Doch all das dürfte am Ende der erfolgreichere Weg für Karlsberg sein als die Fortsetzung einer Kooperation, die am Ende einer unglücklichen Ehe glich. HintergrundKarlsberg beschäftigt im Inland 1100 Mitarbeiter inklusive der Beschäftigten von Königsbacher und der Vertriebstochter Vendis. Am Stammsitz Homburg sind rund 700 Mitarbeiter beschäftigt. Der Karlsberg-Umsatz betrug 2008 rund 296 Millionen Euro. Der Bierausstoß der Karlsberg-Brauerei lag bei 3,5 Millionen Hektolitern, der von Mixery bei 450 000 Hektolitern. Die wichtigsten Märkte von Karlsberg im traditionellen Biersegment sind Saarland und Rheinland-Pfalz, bei Mixery unter anderem Ostdeutschland. ts