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Plus von knapp 0,1 Prozent
Karlsberg konzentriert sich auf Homburg

 Karlsberg hat seinen Stammsitz in Homburg. Dort soll dieses Jahr eine neue Fass-Abfüllanlage installiert werden.
Karlsberg hat seinen Stammsitz in Homburg. Dort soll dieses Jahr eine neue Fass-Abfüllanlage installiert werden. FOTO: Karlsberg / Thomas Seeber
Homburg. Erst kürzlich hat das Unternehmen verkündet, sich von der französischen Tochter Licorne zu trennen. Die Umsatzerlöse der Brauerei gingen zurück. Von Thomas Sponticcia

Karlsberg-Inhaber Christian Weber hat große Pläne für die Brauerei in Homburg. Alle künftigen Überlegungen für neue Produkte und Innovationen sollen in Homburg konzentriert und damit der Standort Saarland als Stammsitz des Unternehmens noch deutlich gestärkt werden. Auch die Trennung von der erst kürzlich verkauften Brauerei Licorne in Frankreich, die zuletzt nach Unternehmensangaben noch rund 100 Millionen Euro Umsatz beisteuerte, stehe damit im Zusammenhang. Der Schritt sei schwergefallen, sagt Weber, zumal seine Vorfahren das Biergeschäft in Frankreich aufgebaut hätten. Doch man könne eben nicht alles machen und müsse sich strategisch auf regionale Stärken und die Entwicklung weiterer Produkte konzentrieren. Ziel ist laut Weber eine „dauerhafte, disziplinierte Erneuerung des Unternehmens“.

Derzeit sind unter dem Dach der Homburger Brauerei rund 200 verschiedene Produkte vereint. Im April folgen nach Angaben von Karlsberg-Geschäftsführer Markus Meyer weitere Innovationen am Markt. Dazu gehören die Einführung eines neuen optischen Markenauftrittes sowie der Start eines neuen alkoholfreien Produktes. So bekommt nach Auskunft von Meyer das am Markt „sehr erfolgreiche Gründels Fresh ein Schwesterchen: GründelsFresh Grapefruit“. Nach Angaben von Meyer hat der Markt an alkoholfreien Getränken in Deutschland mittlerweile sogar die Bedeutung des Weizenbiers überholt. Optisch führt das Unternehmen den Karlsberg-Stern (intern Fassrollstern genannt) wieder auf allen Produkten in der Farbe weiß ein, das habe sich aus einer Kundenumfrage ergeben.

Neu in das Sortiment kommen auch zwei Brauer-Limonaden unter dem Namen Karlsberg. Sehr gute Erfahrungen habe das Unternehmen mit den bisher zwei Braunächten vor Ort in Homburg und St. Wendel gesammelt, in denen Brauer, Mitarbeiter und die Bevölkerung vor Ort ins Gespräch kommen. Das sei mit die beste Marktforschung und auch eine Innovationsschmiede für neue Produkte, sagt Karlsberg-Chef Weber. Alleine in Homburg seien rund 4000 Besucher gekommen. In diesem Jahr soll erstmals eine Braunacht in Saarlouis hinzukommen.



 Christian Weber führt die Karlsberg-Brauerei in fünfter Generation.
Christian Weber führt die Karlsberg-Brauerei in fünfter Generation. FOTO: Karlsberg / Alexander Basile

Im Rahmen der Neuausrichtung und Stärkung der Homburger Zentrale werden auch hohe Millioneninvestitionen getätigt. So wurde 2019 das Sudhaus dem Unternehmen zufolge auf eine effizientere Energieversorgung umgestellt, die zugleich den CO2-Ausstoß verringern soll. Im laufenden Jahr wird in der Brauerei eine neue Fass-Abfüllanlage installiert sowie in neue Gebäude investiert. Insgesamt beschäftigt die Brauerei in Homburg derzeit 508 Mitarbeiter. Auch im Digitalzeitalter, das Arbeitsabläufe zum Teil stark verändert, werde an manchen Stellen im Unternehmen neues Personal benötigt, zum Beispiel Ingenieure und Produktentwickler.

Insgesamt zeigte sich Christian Weber mit dem Geschäftsjahr 2019 und speziell den Bilanzzahlen „sehr zufrieden“. Es sei gelungen, das Markenwachstum im In- und Ausland voranzutreiben. Der Umsatz im Markengeschäft sei erneut gestiegen. So konnte der Umsatz im inländischen Markengeschäft mit den Marken Karlsberg und Mixery von 73,2 Millionen Euro auf 73,3 Millionen Euro leicht gesteigert werden. Mixery habe sich als nationaler Marktführer im Bereich der Biermischgetränke mit einem Umsatzanstieg von 1,3 Prozent behauptet. Die Marke Karlsberg habe ihren Umsatz um 1,1 Prozent gesteigert und mit Karlsberg Urpils die Marktposition im regionalen Markt erfolgreich behauptet. Auch das Auslandsgeschäft war erfolgreich mit einer Umsatzsteigerung von 18,3 Millionen Euro auf 19,4 Millionen Euro (plus sechs Prozent).

Die Umsatzerlöse der gesamten Brauerei sanken von 130,9 Millionen Euro auf 125,8 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) lag bei 19,7 Millionen Euro (Vorjahr 19,6 Millionen Euro). Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) erreichte 10,2 Millionen Euro nach 9,5 Millionen Euro im Vorjahr. Die Eigenkapitalquote liegt bei 28 Prozent.