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Beliebtes Pkw-Modell in der Kritik
Am SUV scheiden sich immer mehr die Geister

Berlin. SUV – das war einmal ein neuartiges Auto-Segment, das Kürzel klang irgendwie amerikanisch, nach Freiheit und Abenteuer. Heute ist SUV (Sport Utility Vehicle) ein Kampfbegriff, für manche ein Feindbild. Alexandra Stober Burkhard Fraune (dpa)

Nicht erst seit dem verheerenden Unfall in Berlin, der vier Menschen das Leben kostete. Doch jetzt, wenige Tage vor der Automesse IAA, spitzt sich die Debatte zu, wird schriller. „Profit“, „Panzer“, „Protzerei“, tönt es, „Klimasünder“ sowieso. Gefordert werden Verbote, Obergrenzen, Strafsteuern. Was man dazu wissen sollte:

Was ist eigentlich ein SUV?



SUV werden oft Sportgeländewagen genannt, sind aber keine Geländewagen im eigentlichen Sinne – auch wenn sie äußerlich daran erinnern. Pkw-Modelle mit Offroad-Charakter definiert das Kraftfahrt-Bundesamt als SUV, wenn sie kein Allrad und keine Differentialsperre haben, die das Durchdrehen der Räder im Gelände verhindert, und eine bestimmte Bodenfreiheit unterschritten wird.

Gibt es in Deutschland besonders viele SUV?

Es werden jedenfalls immer mehr. Im August kauften die Deutschen laut Kraftfahrt-Bundesamt erstmals mehr SUV als jede andere Fahrzeugkategorie: 22 Prozent aller Neuzulassungen fielen in dieses Segment, weitere zehn Prozent waren Geländewagen. Auch in den anderen Fahrzeugkategorien wachsen Leistung und Gewicht seit Jahren. Das Familienauto Opel Zafira oder eine Mercedes-E-Klasse etwa sind schwerer als ein Renault Kadjar, der aber als SUV gilt. Ein Neuwagen hat nach Studien heute im Schnitt gut 150 PS unter der Haube – ein Kritikpunkt von Umweltschützern. Denn so sinkt der Schadstoffausstoß nicht, obwohl die Motoren immer effizienter werden.

Warum werden solche Autos gebaut?

Weil die Kunden es wollten, sagen die Hersteller. „Wenn wir es nicht tun, tun es andere“, sagte Daimlers Vertriebschefin Britta Seeger erst am Vorabend des Unfall bei einer Diskussion in Berlin. Umweltschützer und Vertreter von Radfahrer und Fußgängern vermuten aber auch, dass die Konzerne die Wünsche erst weckten. Nach einer Studie für Greenpeace stecken die Hersteller jeden zweiten Werbe-Euro in Reklame für SUV und Geländewagen. Die Rendite in dem boomenden Segment gilt als hoch.

Wie dreckig sind diese Fahrzeuge?

Im Durchschnitt sind SUV etwas schwerer, verbrauchen also auch mehr und stoßen mehr Schadstoffe aus. Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer hat es untersucht. Im ersten halben Jahr haben neu zugelassene SUV im Durchschnitt 144,1 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausgestoßen – nach Herstellerangaben. Das entspricht einem Verbrauch von 6,2 Litern Sprit auf 100 Kilometer. Das war etwas mehr als der Durchschnitt aller Pkw-Neuwagen: Er lag bei 133,4 Gramm und 5,6 Liter. Große Geländewagen liegen oft deutlicher darüber als SUV.

Sind SUV gefährlicher als andere Autos?

Gefahr geht zunächst einmal vom Fahrer aus. Kommt es zum Unfall spielen Tempo, Beschleunigung und Gewicht eines Fahrzeugs eine Rolle. Der Unfallforscher der deutschen Versicherer, Siegfried Brockmann, nimmt als Beispiel einen Zusammenstoß mit einem Kleinwagen. „Da darf man davon ausgehen, dass der SUV-Fahrer im Zweifel die besseren Karten hat.“ Bedeutender als das Gewicht sei aber die Geschwindigkeit. Ein Polo mit Tempo 70 sei für Fußgänger und Radfahrer gefährlicher als das schwerere SUV mit 40 Kilometern pro Stunde.