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3000 Besucher
Junge Leute entdecken Pflegeberufe

3000 Besucher kamen zur zweitägigen Gesundheitsmesse „Salut plus“ mit 50 Ausstellern in die Saarbrücker Congresshalle. Vor der Halle zeigte der DRK Landesverband Saarland, wie man im Notfall hilft.
3000 Besucher kamen zur zweitägigen Gesundheitsmesse „Salut plus“ mit 50 Ausstellern in die Saarbrücker Congresshalle. Vor der Halle zeigte der DRK Landesverband Saarland, wie man im Notfall hilft. FOTO: Iris Maria Maurer
Saarbrücken. Die Gesundheitsmesse „Salut plus“ bot zwei Tage einen Überblick über Arbeitsplätze und viele Beratungsangebote. Von Thomas Sponticcia

Für Madeleine Scheffler aus Breitenbach und Lenni Wagner aus Dirmingen ist völlig klar, in welchem Beruf sie arbeiten wollen: in der Pflege. Beide haben diese Entscheidung ganz bewusst getroffen und besuchen derzeit das Schulzentrum der Universitätsklinik des Saarlandes. Gestern sind sie zur Gesundheitsmesse „Salut Plus“ in der Saarbrücker Congresshalle gekommen, um am Stand des Uniklinikums jungen Messebesuchern  die Vorzüge eines Pflegeberufs näherzubringen. Die sehen beide: „Ich arbeite gerne mit Menschen und finde es faszinierend, wenn man ihnen helfen kann. Es kommt auch viel an Dankbarkeit zurück“, sagt die junge Frau. Sie macht die Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpfegerin, die drei Jahre dauert.

Auch Lenni Wagner ist hoch motiviert. Er hat schon zu Hause die Pflege seiner Großmutter mit organisiert  und dann für sich entschieden: „Das soll es auch beruflich werden.“ Erich Wirth, Leiter des Schulzentrums, berichtet, dass sich inzwischen immer mehr junge Leute vorstellen können, in Gesundheits- und Pflegeberufen zu arbeiten: von Hauptschülern mit Abschluss über Absolventen der mittleren Reife bis hin zu Gymnasiasten. Ein Argument sei die sichere berufliche Perspektive auch auf längere Sicht. Insgesamt 50 Aussteller gaben am Samstag und gestern einen umfangreichen Überblick über zahlreiche Angebote im Gesundheitswesen: von Arbeitsplätzen bis hin zu gezielter Beratung. Etwa, was man tun kann, wenn man in der Familie einen Demenzkranken oder pflegebedürftigen Menschen hat. Die Messe stieß mit 3000 Besuchern auf regen Zuspruch. Armin Lang, Organisator des vorgeschalteten Gesundheitskongresses und der Gesundheitsmesse, kündigte bereits die Fortsetziung im kommenden Jahr an.

Alleine in den Saar-Krankenhäusern fehlen nach Auskunft von Andreas Dörr, Referent für Pflege bei der Arbeitskammer, mittlerweile rund 3000 Pflegekräfte. Rund 70 Prozent der Beschäftigten arbeiteten in Teilzeit, darunter besonders viele Frauen. Gleichzeitig würden die Anforderungen in den Gesundheits- und Pflegeberufen immer größer. Das gehöre auch zum realen Bild. Dennoch rät Dörr jungen Menschen gezielt dazu, sich einen Arbeitgeber in einem Gesundheits- und Pflegeberuf zu suchen. „Dann hat man auch eine gesicherte Perspektive für die Zukunft. In den nächsten 20 bis 30 Jahren mit Sicherheit“, sagte der Arbeitskammer-Referent.



Das Schulzentrum der Uniklinik hat inzwischen sogar Patenschaften mit Schulen, um vor Ort jungen Leuten ein realistisches Bild von den Anforderungen und Chancen zu geben. Umgekehrt können sich die Schüler im Rahmen der Patenschaft zum Beispiel die Radiologie im Uniklinikum ansehen und so das Arbeiten in der Gesundheitsbranche in der Praxis erleben. Sogar in Feriencamps sind die Mitarbeiter des Schulzentrums schon vertreten, um ins Gespräch zu kommen.

Auf der Messe stellten sich auch Krankenhäuser wie die SHG Kliniken, die Marienhaus GmbH sowie weitere Einrichtungen auf der Messe als potenzieller Arbeitgeber vor. Darüber hinaus gab es viele Beratungsangebote von Krankenkassen, Ministerien, Pflegestützpunkten sowie der Kassenärztlichen Vereinigung. Thomas Stolz weist darauf hin, dass händeringend niedergelassene Ärzte gesucht werden, insbesondere auf dem Land. Im Saarland suchten immerhin 30 bis 50 Prozent der Hausarztpraxen einen Nachfolger.

David Weller vom Pfegestützpunkt im Regionalverband Saarbrücken sieht einen immer weiter steigenden Beratungsbedarf bei vielen Menschen. So vermittelt der Pflegestützpunkt Kontakte, wenn etwa ein Schlaganfall auftritt, der Patient halbseitig gelähmt ist und sich vor der Entlassung die Frage stellt, was alles zu Hause benötigt wird. „Wir übernehmen Lotsenfunktionen und vermitteln Netzwerke“, so Weller. Auch Angebote wie „Pflegeherzen“ vermitteln seriös in Zusammenarbeit mit einer polnischen Agentur Betreuungskräfte, die an die Saar kommen. Sie benötigten als Voraussetzung ein eigenes Zimmer , etwas Privatsphäre und Internet, damit sie mit der Heimat in Verbindung bleiben. Bestimmte Leistungen werden, je nach Pflegestufe, bezuschusst.