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IT-Industrie sucht Fachkräfte

Der mittelständischen IT-Industrie in Deutschland fehlen die Software-Entwickler. Foto: dpa
Der mittelständischen IT-Industrie in Deutschland fehlen die Software-Entwickler. Foto: dpa FOTO: dpa
München. Bislang ist der Mittelstand Jobmotor der Digitalwirtschaft. Er findet aber kaum noch Fachkräfte. 51 000 offene Jobs stehen 18 000 Neueinstellungen pro Jahr gegenüber, teilt der Branchenverband Bitkom mit. Thomas Magenheim-Hörmann

Der Mittelstand als Beschäftigungsmotor der deutschen Digitalwirtschaft kommt immer schwerer an Fachpersonal . Dirk Röhrborn, Präsidiumsmitglied des Branchenverbands Bitkom warnt deshalb, dass zunehmend Unternehmen beginnen, ihre Software-Entwicklung ins Ausland zu verlagern, wo es solche Spezialisten noch gibt. Es drohe eine neue Verlagerungswelle, warnt der Digitalverband.

Gerade im Mittelstand sei der Personalbedarf besonders groß, weil Mittelständler deutlich schneller wachsen als IT-Konzerne , aber schwerer an Fachpersonal kommen. Die 9500 IT-Mittelständler in Deutschlands haben 2014 gut 18 000 Jobs geschaffen, damit einen fünf prozentigen Aufbau geschafft und ihre Umsätze parallel dazu um acht Prozent auf 62 Milliarden Euro gesteigert. IT-Großkonzerne mussten dagegen im Vergleich zwei Prozent Umsatzrückgang hinnehmen. Neuere Zahlen hat das Statistische Bundesamt noch nicht veröffentlicht. Bitkom geht aber davon aus, dass sich der Trend noch verschärft hat.

Angesichts der Bedeutung des heimischen IT-Mittelstands - er steht für ein Drittel aller Branchenumsätze und für mehr als die Hälfte aller dortigen Arbeitsplätze - wirbt der Bitkom für Maßnahmen zur Fachkräftesicherung. So fordert der Verband ein Zuwanderungsgesetz, das Kompetenzen statt formaler Qualifikation in den Mittelpunkt rückt. Zugleich müsse das Digitale verstärkt in deutsche Schulen gebracht werden, betonte Röhrborn. Darunter versteht er Englisch als Sprache der Digitalwirtschaft ab der ersten Klasse und Informatik ab dem fünften Schuljahr. Vor allem gelte es, Mädchen für die Branche zu begeistern. Denn der Frauenanteil liegt hierzulande nur bei gut einem Viertel. Die eigene Branche rief der Manager dazu auf, Flüchtlingen eine Chance zu geben.



Bis zum kommenden IT-Gipfel, der dieses Jahr erstmals als Digitalgipfel über die Bühne geht, baut der Bitkom zudem darauf, bundesweit zwölf digitale Wachstumszentren präsentieren zu können. Davon gibt es mit Berlin, Frankfurt, München , Dortmund und Hamburg erst fünf. Dort sollen digitale Leitindustrien mit internationaler Strahlkraft entstehen. Als weitere Kandidaten drängen sich Dresden, Karlsruhe oder Stuttgart auf. Allerdings werde der Aufbau solcher Wachstumszentren den Mangel an Fachkräften noch verschärfen, räumt der Bitkom ein. Der zunehmende Fachkräftemangel sei auch eine Folge der allgemeinen Digitalisierung der Wirtschaft unter dem Schlagwort Industrie 4.0. Die Zahl von 51 000 offenen Stellen in der Digitalwirtschaft wird deshalb unweigerlich weiter steigen, falls nicht alternativ ganze Abteilungen ins Ausland verlagert werden. Insgesamt sind in der Digitalwirtschaft hierzulande rund 700 000 Menschen beschäftigt, die für bundesweit 140 Milliarden Euro Branchenumsatz sorgen. Ohne Fachkräftemangel wären die Beschäftigten- und Umsatzzahlen höher, betont der Bitkom.