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Trotzdem pausiert die Inflation
Iran-Konflikt lässt Heizöl teurer werden

Den Heizkessel jetzt noch einmal füllen oder lieber abwarten? Experten halten sich mit Prognosen zur weiteren Entwicklung zurück.
Den Heizkessel jetzt noch einmal füllen oder lieber abwarten? Experten halten sich mit Prognosen zur weiteren Entwicklung zurück. FOTO: picture alliance / dpa / Patrick Pleul
Wiesbaden. Derzeit müssen die Deutschen bei einer Bestellung von 3000 Litern pro 100 Liter mehr als 71 Euro hinblättern.

Der Heizölpreis ist seit Mitte des vergangenen Jahres gestiegen. Im Mai 2017 zahlten die Deutschen bei einer Bestellung von 3000 Litern noch 55 Euro pro 100 Liter, nun mehr als 71 Euro.

Der Preis folgt dem internationalen Börsenpreis für Mineralöl. Der wiederum hängt von zahlreichen Einflüssen ab, die sich auf Angebot und Nachfrage im Ölmarkt und damit auf den Ölpreis auswirken: Die europäische Wirtschaft wächst, dadurch steigt die Nachfrage nach Öl. Um den Preis nach oben zu treiben, fördert die Organisation der erdölexportierenden Staaten (OPEC) seit Anfang 2017 weniger Öl. Die USA stellen zusätzliche Fördermengen durch die umstrittene Fracking-Technologie bereit, die unter US-Präsident Trump boomt. Der „aktuell bestimmende Preis­impuls“, wie Funke sagt, kommt ebenfalls aus den USA: Diese sind aus dem Atomabkommen mit dem Iran ausgestiegen und haben Sanktionen gegenüber dem Land verhängt. Aktuell steuert der Iran fünf Prozent der weltweiten Mineralölhandelsmengen bei. Die Befürchtung, dass diese Reserven wegfallen könnten, lässt den Ölpreis steigen. Nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) könnten große Förderländer wie Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate, Kuwait oder Russland Exportausfälle des Irans jedoch ausgleichen.

Auf dem EU-Gipfel in Sofia sprachen sich die EU-Mitgliedsstaaten am vergangenen Mittwoch dafür aus, an dem Atomabkommen mit dem Iran festzuhalten. EU-Ratschef Donald Tusk forderte eine „geschlossene europäische Front“ gegen das Vorgehen Trumps. Beim Heizöl-Experten Tecson befürchtet man dennoch, dass dies nichts am Aufwärtstrend für das laufende Jahr ändert. „Höchstens das OPEC-Meeting Ende Juni könnte generell gegensteuern.“



Trotz gestiegener Energie- und Nahrungsmittelpreise legte die Inflation in Deutschland im April eine Pause ein. Die Jahresteuerungsrate lag wie schon im März bei 1,6 Prozent, wie das Statistische Bundesamt jetzt mitteilte. Die Wiesbadener Behörde bestätigte damit vorläufige Angaben. Im Februar hatte die Inflation bei 1,4 Prozent gelegen. Von März auf April des laufenden Jahres blieben die Verbraucherpreise den Angaben zufolge unverändert.

Vor allem Nahrungsmittel waren im April mit einem Plus von 3,4 Prozentteurer als vor einem Jahr. Besonders tief ins Portemonnaie mussten Verbraucher für Butter greifen, die binnen Jahresfrist 30,2 Prozent mehr kostete. Ohne die Preise für Nahrungsmittel hätte die Inflationsrate bei 1,4 Prozent gelegen.

Für Energieprodukte mussten die Verbraucher in Deutschland 1,3 Prozent mehr zahlen als im April 2017. Der Anstieg lag damit zwar unterhalb der Gesamtteuerung, hat sich angesichts steigender Rohölpreise aber beschleunigt (März: plus 0,5 Prozent; Februar: plus 0,1 Prozent). Vor allem leichtes Heizöl wurde binnen Jahresfrist kräftig teurer (plus 8,0 Prozent).

18PM-Heizöl
18PM-Heizöl FOTO: SZ / Steffen, Michael