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Insolvenzstreit
Letztes Ringen um Neunkircher Firma

 Der Investor will die insolvente STK Stanztechnik in Neunkirchen auch nach Stilllegung durch die Insolvenzverwaltung weiterführen.
Der Investor will die insolvente STK Stanztechnik in Neunkirchen auch nach Stilllegung durch die Insolvenzverwaltung weiterführen. FOTO: Andreas Engel
Neunkirchen. Investor und Insolvenzverwaltung liegen im Streit um STK Stanztechnik. Bislang wurde der Kaufpreis nicht gezahlt. Von Joachim Wollschläger

  Die 54 Mitarbeiter der insolventen Neunkircher Firma STK Stanztechnik sind Spielball einer Auseinandersetzung zwischen dem Investor Martin Vandersyppe und der Insolvenzverwaltung geworden. Am 21. Dezember war das Unternehmen durch die Insolvenzverwaltung wegen fehlender Vermögenswerte, sogenannter Masseunzulänglichkeit, geschlossen worden. Der Investor hat nun am Freitag die Mitarbeiter darüber informiert, dass er das Unternehmen weiterhin erwerben und fortführen möchte. Er betrachte sie als seine Mitarbeiter und sage ihnen auch die weitere Lohnzahlung zu, erklärte er im Gasthaus Krone in Bexbach.

Die gestrige Versammlung hat eine einjährige Vorgeschichte: Im Januar 2018 hatte die STK Stanztechnik Insolvenz angemeldet. Zum Insolvenzverwalter war der Saarbrücker Rechtsanwalt Volker Müller bestellt worden. STK Stanztechnik ist auf unterschiedlichste Methoden der Metallbearbeitung, von der Lasertechnik, über Stanzen bis zum Roboterschweißen, spezialisiert.

Im März war der Investor Martin Vandersyppe von der Schweizer Revan Group auf den Plan getreten. Er habe sich schnell mit Insolvenzverwalter Müller auf einen Kaufpreis von 2,2 Millionen Euro geeinigt, sagt Vandersyppe. Ein Preis, der später auf 1,6 Millionen Euro reduziert worden sei. Im Gegenzug habe er sich bereiterklärt, die Leasingverträge für den Maschinenpark zu übernehmen. Ferner war demnach noch eine Zahlung von 250 000 Euro für das Umlaufvermögen vereinbart.



Ende September kam es denn auch zum Abschluss eines notariellen Vertrags, der die Zahlung des Kaufpreises am 1. Oktober vorsah. Und hier entstand nun der Streit. Vandersyppe gibt an, es habe Bedingungen im Kaufvertrag gegeben, die er nicht akzeptieren wollte oder die nicht erfüllt gewesen seien. Einerseits sei er verpflichtet gewesen, sämtliche Mitarbeiter zu übernehmen, obwohl er mit weniger Mitarbeiter weitermachen wollte, andererseits sei zugesichert gewesen, dass Gebäude und Maschinen lastenfrei übergeben werden. Die Bank habe aber noch ein Pfandrecht gehabt. Also habe er nicht gezahlt.

Christine Frosch, die als Insolvenzanwältin involviert ist, sieht hier ein grobes Missverständnis auf Seiten Vandersyppes: „Er hat einen Vertrag unterschrieben und sich verpflichtet, zu einem bestimmten Termin zu zahlen. Der Insolvenzverwalter wiederum bestätigt, wenn er einen Vertrag notariell beurkunden lässt, mit seiner Unterschrift, dass er die Bedingungen einhält.“ Eine Übernahme der Mitarbeiter sei im Rahmen eines Betriebsübergangs nach Paragraf 613a verpflichtend. „Das kann gar nicht anders vereinbart werden.“

Vandersyppe hat zwar nicht gezahlt, aber den Betrieb ab Oktober auf Rechnung seiner neuen Firma Revan Material Prozessing (RMP) weitergeführt und auch die Gehälter der Mitarbeiter bezahlt. Erhebliche Forderungen für Steuer, Sozialversicherung und Strom seien aber weiter bei der Insolvenzverwaltung aufgelaufen, sagt Frosch. Weil diese aus dem Massevermögen bezahlt werden mussten und der Kaufpreis weiterhin nicht auf dem Treuhandkonto des Notars eingegangen war, sei der Insolvenzverwaltung nichts übrig geblieben, als den Geschäftsbetrieb im Dezember einzustellen, um die Ansprüche der Gläubiger nicht zu gefährden, sagt Frosch.

„Ich kämpfe dafür, die Firma weiterzuführen“, sagte Vandersyppe nun gestern vor den SKT-Mitarbeitern. Noch in der kommenden Woche werde er beim Insolvenzgericht einen entsprechenden Antrag stellen. „Außerdem liegt das Geld nun auf einem Treuhandkonto in Deutschland.“ Frosch entgegnet darauf, dass bei einer umgehenden Zahlung einem Abschluss des Kaufs weiterhin nichts im Wege stehe. Allerdings müsse das Geld eben auf dem richtigen Treuhandkonto liegen – dem des zuständigen Notars.

Vandersyppes Ziel ist es, mit der STK Schweißtechnik nicht nur bestehende Kunden zu bedienen, sondern auch andere geplante Firmen der Revan Group zu beliefern. Unter anderem plant die Gruppe demnach, in Gewächshäusern in Brandenburg Mikroalgen zu züchten und aus Altreifen und Altplastik Strom zu gewinnen.