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Industrie- und Handelskammer ist besorgt
Coronavirus bedroht die Saar-Wirtschaft

 Leere Restaurants drohen der Saar-Gastronomie, wenn Geschäftsreisende und Touristen fernbleiben.
Leere Restaurants drohen der Saar-Gastronomie, wenn Geschäftsreisende und Touristen fernbleiben. FOTO: Getty Images/ iStockphoto / Pekic
Saarbrücken. Die Hotellerie beklagt zahlreiche Stornierungen, die Industrie- und Handelskammer rechnet mit gravierenden Auswirkungen. Von Thomas Sponticcia

Das Coronavirus greift immer weiter um sich und trifft auch schon massiv die deutsche Wirtschaft als bisheriger Garant für Wachstum und Arbeitsplätze. Die weltgrößte Industriemesse in Hannover ist verlegt, die Leipziger Buchmesse gar ganz abgesagt, zahlreiche Veranstaltungen bundesweit sowie im Saarland ebenfalls. Zugleich geht es an der Börse immer turbulenter zu, fallen Kurse renommierter Unternehmen, besonders solcher, die intensive Handelsbeziehungen ins Ausland pflegen. Zumal nicht sichergestellt ist, wie lange produzierende Unternehmen wie etwa Ford, die Dillinger Hütte, Saarstahl, Bosch oder auch ZF verlässlich Nachschub an Material bekommen.

„Wir erwarten gravierende Auswirkungen auf die saarländische Wirtschaft“, prognostiziert Heino Klingen, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Saarland. Es müsse im schlimmsten Fall „grundsdätzlich auch damit gerechnet werden, dass die Produktion in Unternehmen vorübergehend zum Erliegen kommt“, etwa in der Auto- und Stahlindstrie. Sollte es so weit kommen und Leute nach Hause geschickt werden müssen, fordert Klingen staatliche Finanzhilfe in Form von Kurzarbeitergeld. „Generell am wichtigsten ist jetzt, dass man Unternehmen nicht in die Pleite rutschen lässt. Das ist gerade für diejenigen wichtig, die finanzielle Schwierigkeiten haben.“

Die Regionaldirektion Saarland-Rheinland-Pfalz der Bundesagentur für Arbeit (BA) bestätigt auf Anfrage, dass Kurzarbeitergeld grundsätzlich gewährt werden kann bei „unabwendbaren Ereignissen oder aus wirtschaftlichen Gründen“. Ein solches Beispiel sei etwa, wenn eine staatliche Behörde den Betrieb schließt oder es zu Lieferengpässen kommt. Grundsätzlich müsse der Betrieb die Kurzarbeit der Arbeitsagentur anzeigen, die den Vorgang dann prüft. Bisher habe es im Saarland noch keine solche Anzeige gegeben, aber schon Anfragen zu Abläufen im Fall von Kurzarbeit.



Die Vereinigung Saarländischer Unternehmensverbände (VSU) bemerkt bereits massive Einschnitte. Durch die gestörten Lieferketten sei zunehmend der Einsatz von Luftfracht nötig, um die Produktion am Laufen zu halten. Die Absage oder Verschiebung wichtiger Leitmessen wie des Autosalons in Genf oder der Hannover Messe führten zu Umsatzeinbrüchen. Unternehmen planten hier Monate im Voraus und tätigten vor Ort auch einen Großteil ihres Auftragsvolumens.

Heftig getroffen ist bereits die saarländische Hotellerie und Gastronomie. Gudrun Pink, Präsidentin des saarländischen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), sagt offen: „Wir haben Angst davor, was da noch auf uns zukommt. Es liegen schon viele Stornierungen vor, auch kurzfristig. Und wir wissen nicht, was noch alles abgesagt wird. Große Firmen haben Meetings abgesagt. Dienstreisen sind eingeschränkt. Betroffen sind alle Hotelbetriebe, besonders die Privaten“, betont Pink. „Wenn das anhält, wird das eine sehr schwierige Geschäftslage. Einbußen von 50 bis 60 Prozent kann man nicht einfach auffangen.“ Auch Privatreisen würden derzeit eher nicht angetreten. Wegen der Lage fordert auch Pink vom Staat Kurzarbeitergeld für die Tourismuswirtschaft.

Auch die Termine der Messeplaner und Projektleiter geraten durcheinander. Nach Auskunft von Nicole Boissier, die bei der Saar-IHK die Messeaktivitäten koordiniert, werden alle Aussteller aus dem Saarland sowie der Region Grand-Est am Saar-Gemeinschaftsstand auch im Juli präsent sein. Das gelte ebenfalls für die meisten Einzelaussteller.

Andere, für die die Messe in Hannover seit langen Jahren ein Pflichttermin im Terminkalender ist, haben schon definitiv abgesagt, so etwa die Saarbrücker Scheer Gruppe. Geschäftsführerin Rosemarie Klarner begründet diesen Schritt „mit der Sorgfaltspflicht gegenüber unseren rund 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern“. Zudem gibt es interne Anweisungen, nicht mehr an großen Kongressen und Veranstaltungen teilzunehmen. Diestreisen sind reduziert und finden nur noch zu Kunden statt, die selbst große Sicherheitsmaßnahmen getroffen haben. Die Scheer Gruppe habe eigene internationale Kundenveranstaltungen abgesagt sowie Verhaltensregeln für Hygiene herausgegeben. Das berichten auch Ford, die Dillinger Hütte und Saarstahl. Versichert wird ebenfalls, dass derzeit nicht mit Beeinträchtigungen der Produktion zu rechnen sei.