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Transformationsatlas
IG Metall fordert mehr Weiterbildung für digitalen Wandel

Frankfurt. Die IG Metall hat den Unternehmen in der Mitte Deutschlands vorgeworfen, sich nicht ausreichend auf den Wandel durch Digitalisierung und Elektromobilität vorzubereiten. Die Gewerkschaft verwies auf Daten und Betriebsrats-Einschätzungen aus mehr als 300 Unternehmen in den Ländern Hessen, Thüringen, Rheinland-Pfalz und Saarland. dpa/SZ

Die Informationen wurden in einem sogenannten Transformationsatlas zusammengefasst.

Der Leiter des IG-Metall-Bezirks Mitte, Jörg Köhlinger, sieht die Region besonders vom Strukturwandel bedroht. Es gebe eine hohe Abhängigkeit von der Automobilindustrie und Entscheidungen würden meist in weit entfernten Konzernzentralen gefällt. Sechs von zehn Beschäftigten arbeiteten zudem in Bereichen, in denen durch Digitalisierung erhebliche Einsparungen möglich seien. Sie liefen daher Gefahr, ihre Jobs zu verlieren. Köhlinger forderte die Unternehmen auf, mehr zu investieren und die Weiterbildung der Mitarbeiter zu fördern. Auch Jörg Caspar, Vorstandschef der Arbeitskammer, fordert in diesem Zusammenhang eine Weiterbildungsoffensive von Land und Unternehmen. „Das ist ein wesentlicher Baustein zur Sicherung der Arbeitsplätze in der saarländischen Industrie.“

Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) sieht den Transformationsatlas als wertvolles Instrument, „um die Herausforderungen des digitalen Wandels sichtbar zu machen“. Die Studie zeige, dass viele Betriebe noch nicht ausreichend auf die Transformation der Beschäftigung eingestellt seien, dass das Saarland mit „seiner strukturpolitischen Rahmensetzung“ aber auf dem richtigen Weg sei.



Martin Schlechter, Hauptgeschäftsführer der saarländischen Metall und Elektroindustrie (ME Saar) betont, dass die Saar-Unternehmen die Herausforderungen, die die Transformation mit sich bringt, sehr ernst nehmen. „Digitalisierung, aber auch die Veränderungen durch alternative Antriebstechnologien im Automobilbereich bringen große Veränderungen für unsere Branche mit sich, auf die sich Unternehmen intensiv vorbereiten“, betont Schlechter. „Sicher gehört zur Antwort darauf auch eine zielgerichtete Qualifizierung der Mitarbeiter, passend zu den zukünftigen Bedarfen und Strukturen der Unternehmen.“

Der Verband begrüße, dass Betriebsräte und die Gewerkschaft ebenso für die Probleme sensibilisiert seien und „eine ehrliche Debatte über die Folgen und Kosten einer Energiewende und ehrgeiziger Klimaschutzvorgaben“ fordern. „Wir halten es für ein wichtiges Zeichen, wenn die IG Metall gemeinsam mit den Arbeitgebern die Interessen ihrer Branche stärker als bisher gemeinsam gegenüber Politik und Gesellschaft vertreten würde. Dazu gehört dann aber auch die Frage, wie wir als Tarifpartner den Unternehmen die notwendige Luft für Investitionen verschaffen“, sagt Schlechter.