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Umsatzverlust für Hunsrück-Flughafen
Hunsrück-Flughafen Hahn gerät in neue Turbulenzen

 Ryanair verlegt vier Strecken von Hahn nach Frankfurt.
Ryanair verlegt vier Strecken von Hahn nach Frankfurt. FOTO: dpa / Thomas Frey
Hahn. Die irische Fluggesellschaft Ryanair streicht fünf Strecken. Die Chinesen, die im Hunsrück das Sagen haben, kämpfen wohl mit Finanzproblemen.

Der defizitäre Flughafen Hahn gerät in neue Turbulenzen: Europas größter Billigflieger Ryanair zieht im Hunsrück ein Flugzeug ab, streicht fünf Strecken und verlagert einige nach Frankfurt (wir berichteten). Der Frachtumschlag am Hahn wächst, doch das Passagiergeschäft ist somit im Abschwung. Branchenkenner halten beide Standbeine für das Überleben des abgelegenen Airports für wichtig. Christoph Goetzmann, Mitglied der Hahn-Geschäftsführung, teilte am Freitag der Deutschen Presse-Agentur mit: „Wir bedauern, aber akzeptieren die Entscheidung unseres Kunden.“

Die irische Ryanair verkleinert die Zahl ihrer im Hunsrück stationierten Flugzeuge von fünf auf vier. Die Entscheidung sei „auf die schwache wirtschaftliche Leistung zurückzuführen, da die Nachfrage nach Ryanair-Flugzeugen an anderen Flughäfen in ganz Europa zur gleichen Zeit steigt“, teilte Marketingchef David O‘Brien am Donnerstagabend mit. Vier Strecken – Porto, Treviso/Venedig, Valencia und Zadar (Kroatien) – würden ab 25. März zum Frankfurter Flughafen verlegt, der Flug nach Plovdiv (Bulgarien) werde ab 23. März eingestellt. Die betroffenen Kunden würden per E-Mail und SMS benachrichtigt und hätten die Möglichkeit vollständiger Rückerstattung oder kostenloser Umbuchung.

Die vier verbleibenden Flugzeuge sollen noch 40 Strecken vom und zum Flughafen Hahn bedienen, darunter Ziele in Spanien, Italien, Griechenland, Portugal und Marokko. Der Sommerflugplan 2017 bot noch 53 Ziele. Ryanair fordert ein Ende der Luftverkehrsteuer, die kleinere Flughäfen benachteilige.



Die Bürgerinitiative gegen den Nachtflughafen Hahn rechnete vor, dass mit der Streichung der fünf Ryanair-Strecken rund 2200 Flüge und 270 000 Passagiere pro Jahr verloren gingen. Das bedeute ein jährliches Umsatzminus von etwa zwei Millionen Euro.

2017 hatte der chinesische Mischkonzern HNA den Großteil der Anteile von 82,5 Prozent vom Land Rheinland-Pfalz übernommen, den Rest hält noch Hessen. HNA hat massiv Firmen und Immobilien zugekauft und damit einen Schuldenberg angehäuft, der sich zunehmend als Problem entpuppt. So attestierte die Ratingagentur S&P dem intransparent wirkenden Konzern eine sich „verschlechternde Liquidität“ und äußerte Zweifel, ob HNA allen seinen Verpflichtungen nachkommen könne. Die Konzernführung versucht, mit Verkäufen Geld in die Kasse zu bekommen. Die Stimmung am ehemaligen US-Fliegerhorst Hahn ist angespannt. „Mehrere Mitarbeiter mit größerer Verantwortung haben das Unternehmen verlassen“, sagte ein Branchenkenner, der anonym bleiben wollte.

Goetzmann sagte, dass der Ende März auslaufende Vertrag mit einer externen Sicherheitsfirma nicht verlängert werde. „Dabei geht es um die Eigensicherung des Flughafens und nicht um die Passagier- und Gepäckkontrolle.“ Die Sicherung der Zugänge zum Airport solle künftig in Eigenleistung geschehen. Darüber hatte kürzlich die Mainzer „Allgemeine Zeitung“ berichtet. In Flughafenkreisen hieß es, Mitarbeiter der externen Sicherheitsfirma könnten für die gleiche Aufgabe vom Hahn übernommen werden. Derzeit sollen in jener Firma fast 100 Männer und Frauen arbeiten.

Der rheinland-pfälzische CDU-Landtagsfraktionsvize Alexander Licht betonte, die rot-gelb-grüne Landesregierung sei mit dem holprigen Hahn-Verkauf nicht aus ihrer Verantwortung entlassen. Sie müsse bei HNA auf die Umsetzung von Zusagen pochen. Eine Kleine Anfrage an die Regierung überschrieben Licht und zwei Fraktionskollegen mit dem Titel „Ausbleibende Investitionen am Flughafen Hahn.“ Licht kündigte auch an, die neuen Streckenstreichungen im Innenausschuss des Landtags zum Thema zu machen. Der Landesvorsitzende der Jungen Union, Johannes Steiniger, warnte: „Wenn jetzt nichts geschieht, dann wird der Flughafen Hahn ausbluten.“

Licht sagte der dpa, die Landesregierung habe geschludert, weil sie ihren Mehrheitsanteil an eine Enkeltochter von HNA veräußert habe, ohne dafür von dem Konzern eine Patronatserklärung, also eine Art Garantie für Hilfe im Ernstfall, zu verlangen. An dem Flughafen könnten weitere Millionenverluste auflaufen. Zusammen mit dem Investitionsstau von 50 bis 80 Millionen Euro seien in wenigen Jahren womöglich bis zu 120 Millionen Euro zu stemmen.

Goetzmann sagte, Lichts Kenntnisse des Luftverkehrs hielten sich in Grenzen. „Wir haben von der CDU nichts anderes als parlamentarischen Widerstand gegen den Flughafen wahrgenommen. Von der CDU hat hier noch niemand mit uns gesprochen.“ Die aktuelle Hahn-Geschäftsführung habe bereits erhebliche Summen in Betrieb, Reparatur und Ertüchtigung des Airports gesteckt, so Goetzmann.

(dpa)