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Kassenbonpflicht
Handel will umweltfreundliche Kassenzettel

Hamburg. Im Streit um die Bonpflicht bei Einkäufen wollen Deutschlands große Handelsketten negative Folgen der Papierflut durch umweltfreundlicheres Kassenzettel-Papier eindämmen. dpa

Deutschlands größter Lebensmittelhändler Edeka kündigte am Montag an, er werde ab Januar 2020 nach und nach „besonders umweltfreundliches Thermopapier“ für seine Kassenbons einführen. Es komme ohne chemische Farbenwickler aus. Der Kontakt mit Lebensmitteln — etwa in der Einkaufstasche — sei deshalb völlig unbedenklich, und es könne auch einfach im Altpapier entsorgt werden.

Andere Händler bemühen sich seit einiger Zeit ebenfalls um umweltfreundlichere Bons. Zum 1. Januar 2020 tritt die Belegpflicht in Kraft. Mit dem 2016 verabschiedeten Kassengesetz soll Steuerbetrug etwa durch manipulierte Ladenkassen bekämpft werden. Die einfache Entsorgung der Kassenzettel gewinne besondere Bedeutung, betonte Edeka. Bislang setzte der Händler bereits Papier ohne umstrittene phenolhaltige Weichmacher ein, das aus nachhaltiger Waldwirtschaft stammte.

Konkurrent Rewe setzt nach eigenen Angaben schon seit 2012 nur noch phenolfreies Papier ein. Die Kassenzettel gehörten dennoch nicht in die Papier-, sondern in die Restmülltonne, betonte ein Unternehmenssprecher. Die bisher auf dem Markt erhältlichen, besser recyclingfähigen Alternativen hätten im Praxistest noch Probleme mit Druckern und der Lesbarkeit nach längerer Zeit gezeigt.



Die Drogeriemarktkette Rossmann kündigte an, ab Januar 2020 auf jegliche phenolhaltige Stoffe bei Kassenbons zu verzichten. Das beinhalte „sowohl den Verzicht auf Kleinstmengen, die im Rahmen der gesetzlichen Toleranz erlaubt wären, als auch phenolhaltige Ersatzstoffe“. Das Unternehmen teste auch umweltfreundliche Alternativen, was im Laufe des Jahre zu einer erneuten Umstellung führen könne, sagte eine Sprecherin. Aldi Nord setzt nach eigenen Angaben seit Jahren auf phenolfreies Papier aus nachhaltiger Forstwirtschaft, das über das Altpapier entsorgt werden kann. Auch der Lebensmittelkontakt sei unbedenklich. Kritik zur neuen Bonpflicht kommt auch vom Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND). „Die Kassenbonpflicht produziert vor allem Müllberge aus nicht recycelbaren und gesundheitlich problematischen Kassenbons aus Thermopapier“, so BUND-Abfallexperte Rolf Buschmann. Kriminelle Energie könne man nicht mit einem Kassenzettel verhindern. „Wer betrügen will, schafft es auch trotz der neuen Bonpflicht.“