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Saarbrücken
Halberg Guss widerspricht Aussagen der IG Metall

Saarbrücken. Trotz Widerspruchs der IG Metall beharrt das Management der Neuen Halberg Guss (NHG) darauf, dass die Gewerkschaft mit den Blockaden des Werks bei den Streiks Grenzen überschritten habe. Von Joachim Wollschläger

In einem Brief an die Mitarbeiter hatten die Geschäftsführer der Gewerkschaft vorgeworfen, die Produktion blockiert und arbeitswillige Mitarbeiter ebenso wie Lieferanten unter Druck gesetzt zu haben.

Hans Peter Kurtz, Erster Bevollmächtigter der IG Metall in Saarbrücken, hatte darauf geantwortet, bei allen Blockaden in Brebach sei es weder zu Nötigung noch zu Bedrohungen gekommen. „Die Polizei war bei allen Aktionen mit dabei und hätte eingegriffen. Unsere Streikposten sind immer der Anweisung der Polizei gefolgt, die Blockade zu beenden“, schrieb Kurtz.

Das stimme so nicht, betont nun wiederum das NHG-Management. Wegen mehrerer Vorkommnisse, über die Werkleiter Patrick Anthony berichtet habe, hätte das Gericht sogar eine Einstweilige Verfügung gegen die Gewerkschaft ausgesprochen und bei Blockaden, Nötigungen und Bedrohungen „zutrittswilliger Personen“ ein Ordnungsgeld in Höhe von bis zu 250 000 Euro angedroht.



Anthony hatte unter anderem von Sabotagen an der Gleisanlage berichtet, durch die es zu Verletzten hätte kommen können. Auch habe es Bedrohungen und „körperlichen Widerstand der Streikenden“ gegeben, wenn Mitarbeiter die Produktion betreten wollten.

Derweil meldet sich Linken-Chef Oskar Lafontaine erneut zu Wort, der die Verstaatlichung der Neuen Hal­berg Guss gefordert hatte. Die Aussage des Staatsrechtlers Christoph Gröpl, der diese Forderung als „Popanz“ bezeichnet und eine Enteignung nicht zulässig genannt hatte, bezeichnete Lafontaine als „neben der Sache liegend.“ Die Frage sei, ob der Staat tatenlos zusehen dürfe, wenn 1500 Beschäftigte durch die mutwillige Zerstörung ihrer Arbeitsplätze enteignet würden.