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Zulieferstreit
Halberg Guss soll Kosten senken

Qualitätsmängel in der Produktion und zu viel Ausschuss – die Eigner der Gießerei Neue Halberg Guss kritisierten am Dienstag die Wirtschaftlichkeit des Autozulieferers.
Qualitätsmängel in der Produktion und zu viel Ausschuss – die Eigner der Gießerei Neue Halberg Guss kritisierten am Dienstag die Wirtschaftlichkeit des Autozulieferers. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Der Eigentümer Prevent kündigt gegenüber den Betriebsräten ein Effizienzprogramm in der Gießerei an. Von Joachim Wollschläger

Zu geringe Effizienz, zu viel Ausschuss, intransparente Abläufe – die Geschäftsführung der Neuen Halberg Guss (NHG) mit Werken in Saarbrücken und Leipzig ist mit der Produktion nicht zufrieden. „Wir müssen den ganzen Prozess optimieren, Konstanz in die Prozesse bringen und Durchlaufzeiten verringern“, sagte NHG-Geschäftsführer Barbaros Arslan am Dienstag im Vorfeld eines Treffens mit den Betriebsräten beider Werke in einem Saarbrücker Hotel. „Wenn man sich die Zahlen ansieht, sind Maßnahmen überfällig“, sagte Christian Brenner, der bei dem bosnischen Konzern Hastor, zu dem die NHG-Mutter Prevent gehört, für Finanzen zuständig ist.

Unter dem Motto „Bündnis für Arbeit“ hatte der Konzern die Betriebsräte der beiden Gießereistandorte sowie Gewerkschaftsvertreter nach Saarbrücken geladen. Die Mitarbeiter-Vertreter – elf kamen aus Leipzig, 17 aus Saarbrücken – sind wenig optimistisch, dass es dabei um ein Geben und Nehmen geht: „Ich gehe nicht davon aus, dass Prevent uns etwas anbieten wird“, sagte Thomas Jürs, Betriebsratsvorsitzender des Leipziger Werks. „Wir erwarten, dass es hier um Sanierungsbeiträge der Mitarbeiter geht, um das Werk profitabler zu machen.“

Dass es bei dem Treffen kaum um eine gemeinsame Suche nach Zukunftslösungen gehen werde, davon ist auch Patrick Selzer überzeugt. Es sei schon ungewöhnlich, dass die Einladung zum Treffen von einer Rechtsanwaltskanzlei ausgegangen sei. „Das ist mindestens ein seltsames Gebaren“, sagte der 2. Bevollmächtigte der IG Metall in Saarbrücken.



Auch die Anwesenheit des Hastor-Abgesandten Brenner macht den Betriebsräten wenig Mut. „Das ist der, der Alno in die Insolvenz getrieben hat“, raunt einer der Betriebsräte, als Brenner das Hotel betritt. Tatsächlich kümmerte sich Brenner für den Hastor-Clan um die Sanierung des Küchenherstellers. Nach Informationen des „Südkuriers“ war es unter anderem eine der Autoindustrie nachempfundene Just-in-Time-Strategie des Managements rund um Brenner, die die Schieflage von Alno nicht verbesserte, sondern noch verschärfte. Weil der Teile-Nachschub stockte, verließen zunehmend unfertige Küchen die Produktion. 2017 musste Alno in die Insolvenz.

Überhaupt ist das Vertrauen der Betriebsräte in den Sanierungswillen ihres Eigners Prevent und der Konzernmutter Hastor gering. Hintergrund sind die Auseinandersetzungen zwischen Prevent und VW, bei denen sich die Mitarbeiter von Halberg Guss als Spielball fühlen. „Letztlich geht es doch nur darum, so viel wie möglich aus den Werken herauszuholen“, sagte ein Betriebsrat. Ob die Fabriken dann auf der Strecke blieben, sei den Eignern egal. Auch Jürs fürchtet genau eine solche Strategie. Im Wirtschaftsausschuss habe das Management bereits mitgeteilt, dass die Immobilien verkauft und zurückgemietet werden sollen. „Das ist für mich ein Zeichen dafür, dass sie Geld aus den Werken ziehen wollen“, sagte Jürs.

Auch den Machtkampf mit VW sehen die Betriebsräte ebenso wie die Gewerkschaft IG Metall in diesem Licht. Seit Wochen tobt ein Streit zwischen der NHG-Mutter und dem Autohersteller. Prevent stellt immer wieder die Belieferung VWs mit Motorblöcken ein – auch gestern seien keine Lkw für die VW-Werke beliefert worden, hieß es. Als Grund für die Lieferstopps hatte Alexander Gerstung, Managing Director bei der Neuen Halberg Guss, gebrochene Preis- und Abnahmezusagen genannt. Prevent hatte darauf die Preise für Motorblöcke teilweise um den Faktor zehn erhöht und Lieferungen nur bei vollständiger Bezahlung zugesagt. Gewerkschaft und Mitarbeiter vermuten einen Machtkampf, an dessen Ende das Aus für die        1500 Arbeitsplätze in Saarbrücken und die rund 600  Jobs in Leipzig stehen könnte. „Bei ES Guss in Schönheide war es genauso“, sagt Jürs. Auch bei der Gießerei aus dem Erzgebirge hatte es Prevent mit einem Lieferboykott auf einen Machtkampf mit VW ankommen lassen. Der Autohersteller kündigte im März die Verträge. Nun seien dort nur noch 60 Prozent der Mitarbeiter übrig, sagte Jürs.

Gerstung plant bereits mit einer Zukunft ohne den bisherigen Hauptkunden Volkswagen. „Ich kann mich nicht auf VW verlassen“, sagte er vor wenigen Tagen gegenüber unserer Zeitung. Er plant vor allem mit alternativen Kunden, wie dem Motorenbauer Deutz. Auch gestrige Aussagen von Sanierer Brenner lassen erkennen, dass Prevent für die Neue Halberg Guss eine Zukunft außerhalb der extrem von Konkurrenz geplagten Autoindustrie sieht: „Wenn sich alle Zulieferer gegenseitig unterbieten, dann ist das ein Wettbewerb, der den Betrieben nicht zugute kommt“, sagte er. „Ein ruinöser Preiskampf der Gießereien hilft am Ende nur den Autokonzernen.“