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Job-Kahlschlag bei Autozulieferer
Halberg Guss entlässt 228 Mitarbeiter

Sechs Wochen lang streikten im Sommer die Mitarbeiter von Neue Halberg Guss.
Sechs Wochen lang streikten im Sommer die Mitarbeiter von Neue Halberg Guss. FOTO: dpa / Oliver Dietze
Saarbrücken. Die Unsicherheit über den Verkauf der Gießerei Neue Halberg Guss zehrt weiter an den Nerven. Auf der anderen Seite rollt eine Entlassungswelle. Von Volker Meyer zu Tittingdorf

Der angedrohte Arbeitsplatz-Kahlschlag bei Neue Halberg Guss (NHG) in Saarbrücken beginnt, obwohl die Verkaufsverhandlungen angeblich kurz vor dem Abschluss stehen. „228 Kündigungen werden diese Woche rausgeschickt“, sagte Betriebsratschef Bernd Geier gestern. Er geht davon aus, dass auch die nach seiner Schätzung derzeit 150 bis 180 Leiharbeiter ihren Job verlieren werden. Insgesamt streiche die Gießerei also um die 400 Arbeitsplätze. Derzeit zählen nach Unternehmensangaben noch rund 1220 Mitarbeiter zur Stammbelegschaft.

Gestern hat der Betriebsrat die einzelnen Betroffenen sowie die gesamte Belegschaft informiert. „Die Stimmung ist auf einem Tiefpunkt“, sagt Geier. Die Geschäftsführung habe den Schritt mit dem Rückgang an Aufträgen begründet, sagte Geier. Das Management habe auch bekräftigt, seinen Plan zum Stellenabbau umsetzen zu wollen, „als ob es keine Verhandlungen über einen Verkauf gäbe“, sagte Geier. Weitere Entlassungen stehen im Raum. Insgesamt hatte die Geschäftsführung den Abbau von rund 480 Stellen angedroht. Auch wird nach wie vor die Schließung des Werks in Leipzig zum 1. März 2019 vorangetrieben.

Die Geschäftsführung bestätigte die Kündigungen auf Anfrage allerdings nicht. Sie ließ gestern lediglich mitteilen: „Die Verhandlungen über einen Sozialplan laufen nach wie vor, und sie werden auch heute noch fortgesetzt. Insofern bleiben wir bei unserer Linie, nicht während laufender Verhandlungen Zwischenstände zu verlautbaren.“



Betriebsratschef Geier versicherte dagegen, dass er eine Liste mit 228 Namen für Kündigungen erhalten habe und zur Stellungnahme aufgefordert wurde. Die Arbeitnehmervertretung habe gegen sämtliche Kündigungen Widerspruch eingelegt, sagte Geier. Und die Gewerkschaft habe ihren Mitgliedern zur Klage vor dem Arbeitsgericht geraten, sagte Patrick Selzer, zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Saarbrücken. „Außer Schaden anzurichten kriegen die nichts hin“, bekräftigte er seinen Generalvorwurf gegen die Geschäftsführung und den Eigentümer Prevent, der zur Firmengruppe der bosnischen Unternehmerfamilie Hastor gehört.

Schon bei der Übernahme der Neue Halberg Guss durch die Prevent-Gruppe im Januar befürchteten Betriebsrat und IG Metall, dass die Gießerei zu einem neuen Fall im Streit zwischen Prevent und Volkswagen werden würde und dafür die Mitarbeiter die Zeche zahlen müssten. Tatsächlich setzte die Geschäftsführung im April den wichtigsten NHG-Kunden VW mit Lieferstopps und Preiserhöhungen unter Druck. Sie waren Auslöser für den massiven Widerstand der Belegschaft gegen die Geschäftsführung und Prevent. Die Sorge war, dass durch das aggressive Geschäftsgebaren die Zukunft der NHG aufs Spiel gesetzt wird. In der Tat hat das Unternehmen in großem Umfang Aufträge verloren.

Mit einem sechswöchigen Streik reagierten die Mitarbeiter und die IG Metall auf drastische Stellenabbaupläne, forderten in einem Sozialplan eine soziale Abfederung des angekündigten Job-Kahlschlags und drängten zugleich auf den Rückzug von Prevent. Nach wie vor heißt es, dass ein Verkauf der Gießerei an das Finanzberatungsunternehmen One Square Advisors unmittelbar bevorsteht. Gerüchten zufolge soll man sich über den Kaufpreis einig sein. „Wir können nur hoffen, dass es zum Verkauf kommt“, sagte Selzer gestern. „Wir sitzen auf glühenden Kohlen und warten, dass etwas passiert.“