| 20:54 Uhr

Krise der Gießerei
Produktion in Gusswerken steht vorläufig still

 Die Mitarbeiter der Gusswerke Saarbrücken können vorerst keine Teile mehr gießen. Wie es weitergeht, ist derzeit unklar.
Die Mitarbeiter der Gusswerke Saarbrücken können vorerst keine Teile mehr gießen. Wie es weitergeht, ist derzeit unklar. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Die insolventen Gusswerke Saarbrücken können vorerst keine Teile mehr fertigen. Am Mittwochmittag habe der Ausstieg aus der Produktion begonnen, sagte Betriebsratschef Bernd Geier. Von Volker Meyer zu Tittingdorf

Das Material, das fürs Gießen von Motorblöcken und anderen Teilen gebraucht werde, sei ausgegangen – ob Schrott, Kunstharze, keramische Überzugsmassen oder Sande. Offenbar fehlt Geld, um die Lieferanten zu bezahlen. „Wir müssen wieder an die Arbeit kommen“, forderte Geier schnelles Handeln des Managements. Genau das versprach Geschäftsführer Michael Capitain am Nachmittag im Landtag nach einer Sondersitzung des Wirtschaftsausschusses, in der er und die Insolvenzverwaltung den Parlamentariern Rede und Antwort stehen mussten.

„Die Produktion ist heruntergefahren worden, weil wir gerade noch dabei sind, die Liquidität zu sichern“, sagte Capitain. Das werde sich aber nicht lange hinziehen. „Wir reden von einem temporären Zustand“, also einem zeitlich begrenzten, vorübergehenden Problem. Wann aber die Fertigung wieder anlaufen kann, sagte er nicht. Klar ist aber, dass es nach dem Stillstand des Werks einige Tage dauert, bis es wieder losgehen kann. Denn einige Lieferanten stellen ihr Material erst auf Bestellung her. Der St. Ingberter Insolvenzanwalt Franz Abel begleitet und überwacht als Sachwalter die Eigenverwaltung in dem Insolvenzverfahren. Bei dieser Form der Insolvenz bleibt die frühere Geschäftsführung im Amt. Die Zeit ist deshalb knapp, weil das Insolvenzausfallgeld nur für drei Monate gezahlt wird. Da der August-Lohn nicht überwiesen wurde, ist gewissermaßen schon ein Monat verstrichen.

Wie es langfristig weitergeht, ist völlig offen. „Wir versuchen, eine Zukunftsperspektive zu erarbeiten, die tragfähig ist. Die Zeit dafür ist sehr knapp“, sagte Abel. Am Dienstag hatten einige Zulieferer Material abgeholt, auch Dienstleister hätten ihre Werkzeuge zusammengepackt, hieß es aus der Belegschaft. Der Produktionsstopp hatte sich am Abend schon abgezeichnet. Capitain gab sich zuversichtlich, eine langfristige Lösung auf die Beine stellen zu können. Die Gewerkschaft IG Metall hat daran große Zweifel. „Es ist nicht viel Vertrauen da, dass er ein Programm für die Zukunft beibringen kann“, sagte Thorsten Dellmann, zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Saarbrücken. Er kann sich offenbar kaum vorstellen, dass Capitain in wenigen Wochen gelingt, was er zuvor in vielen Monaten nicht geschafft hat. Wirtschaftsstaatssekretär Jürgen Barke (SPD) geht davon aus, dass die Gusswerke neben den treuen Kunden Deutz und General Motors weitere „Partner brauchen, die uns helfen, die Beschäftigung am Standort zu sichern“.



Von der Insolvenz sind etwa 1100 Mitarbeiter betroffen sowie rund 200 Beschäftigte, die im Juli Aufhebungsverträge unterzeichnet hatten und auf ihre Abfindungen warten.