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Griff nach den Asteroiden

Luxemburg. Ausgerechnet das kleine Luxemburg will das All erobern. Unser Nachbarland hat es als erstes in Europa auf die Bodenschätze abgesehen, die auf Asteroiden schlummern sollen. Hélène Maillasson

Ausgerechnet eines der kleinsten EU-Länder will den USA Konkurrenz machen. Ein paar Monate erst, nachdem die Amerikaner den Start ihres "Space Act"-Programms bekannt gegeben haben, stellte Luxemburgs Vize-Premierminister Etienne Schneider eine Reihe von Maßnahmen vor, die aus dem Großherzogtum ein Drehkreuz der Weltraumaktivitäten machen soll. Dafür sollen Investoren und Forschungsunternehmen aus der ganzen Welt in unser Nachbarland gelockt werden. Ihr Ziel: Seltene Mineralien wie Gold oder Platin auf Asteroiden aufzuspüren und zu extrahieren. Diese oder auch die seltenen Erden, die zum Beispiel in der Elektronik verwendet und auf der Erde knapp werden, könnten auf den unbewohnten Himmelskörpern gewonnen werden. "Unser Ziel besteht darin, Zugang zu einer Fülle bislang unerforschter Bodenschätze auf unbelebten Felsen, die durch den Weltraum reisen, zu schaffen, ohne dabei natürliche Lebensräume zu zerstören", teilte Schneider mit.

Wie die Erfolgschancen des Projektes stehen, lässt sich allerdings schwer voraussehen, denn die genaue Zusammensetzung vieler Asteroiden gibt noch manche Rätsel auf. Eins steht fest: Mit der Sonde Philae haben Forscher bewiesen, dass der aktuelle Stand der Technik es ermöglicht, auf einem Kometen zu landen. Auch Jean-Jacques Dordain kann sich vorstellen, dass der Weltraum-Bergbau zustande kommt. Der ehemalige Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) berät heute in diesen Fragen die luxemburgische Regierung. "Obwohl das Projekt futuristisch klingen mag, so beruht es auf einer soliden Basis, das heißt auf hohen technischen Fähigkeiten, die bereits in Europa und weltweit bestehen", meint Dordain.

Geht der Plan mittel- oder langfristig auf, winkt dem Nachbarland mit gerade mal 560 000 Einwohnern ein Riesengeschäft. Die Initiative "Space Resources" legt einen Rahmen fest, "der die Rechte auf Ressourcen, wie etwa seltene Mineralien von Asteroiden , absichert, die von privaten Unternehmen im Weltraum abgebaut werden", heißt es in der Bekanntmachung des Wirtschaftsministeriums. Damit die Sache auch für den Staat lohnend wird und nicht nur für die Unternehmen, die Bodenschätze richtig fördern sollten, erwägt das Ministerium sogar eine "direkte Kapitalbeteiligung an den in diesem Bereich aktiven Unternehmen". Wieviel Geld für das ganze Programm zur Verfügung gestellt wird, wird noch nicht verraten. Definitiv festgelegt wird das Budget für Space Resources erst im Dezember.

Es wäre nicht das erste waghalsige Experiment des Großherzogtums im Weltraum. Als 1985 beispielsweise die luxemburgische Firma SES gegründet wurde, hätten nur die wenigsten auf einen Erfolg gesetzt. Heute betreibt die Firma mehr als 50 Satelliten, die nach eigenen Angaben 99 Prozent der Weltbevölkerung erreichen.