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Eine Ära geht zu Ende
„Mr. Globus-Baumarkt“ geht in Rente

  Erich Huwer arbeitete sich vom Lehrling in einem Eisenwarenladen zum Baumarkt-Boss hoch.
Erich Huwer arbeitete sich vom Lehrling in einem Eisenwarenladen zum Baumarkt-Boss hoch. FOTO: Oliver Dietze
Völklingen/Zweibrücken. Erich Huwer hat die Baumarkt-Kette entscheidend geprägt – die Erfolgsstory begann 1986 in Zweibrücken. Jetzt tritt der 69-Jährige den Ruhestand an. Von Lothar Warscheid

Erich Huwer blickt auf ein aufregendes Arbeitsleben zurück: Es führte ihn von einer kleinen Eisenwarenhandlung an die Spitze eines Milliarden-Unternehmens. Nun, mit dem Ausklang des Jahres 2019, geht er offiziell in Rente.

Das Verkaufen liegt ihm im Blut, seit er nach der Volksschule in Schiffweiler den Beruf des Eisenwarenhändlers erlernte. Es war das kleine Handelsunternehmen Spaniol. Neben dem Eisenwarenhandel betrieben sein Lehrherr, der Schlosser Fritz, und dessen Sohn, der „Schrauben Paul“, noch eine Schlosserei und einen Baustoffhandel. „Ich habe dort alles machen müssen“, erinnerte sich Huwer an diese Zeit – „auch Schlitze klopfen zum Verlegen von Wasserleitungen“.

Dieser harte Praxistest hat ihm nicht geschadet, als er 1982 nach einer Zwischenstation im St. Wendeler Baumarkt Angel beim Handelskonzern Globus anheuerte, der bis dahin mit dem Geschäft rund ums heimische Werkeln noch nicht viel am Hut hatte. Es gab zwar schon seit 1969 Baumarkt-Abteilungen in einigen SB-Warenhäusern – unter anderem in Saarbrücken. Doch so richtig zufrieden war man mit deren Entwicklung nicht. So wurde 1982 in Gensingen bei Bad Kreuznach neben dem SB-Warenhaus der erste räumlich getrennte Baumarkt eröffnet – mit der bescheidenen Fläche von 3200 Quadratmetern.



Huwer wusste, dass es dabei nicht bleiben durfte. „Wer in diesem Geschäft etwas erreichen will, muss klotzen, nicht kleckern“, ist bis heute seine Devise. Er entwickelte ein Konzept, wie er sich eine Baumarkt-Kette unter dem Globus-Dach vorstellte. Anfang Mai 1985 hatte Globus-Chef Thomas Bruch einen siebenseitigen Brief von Erich Huwer in der Post, wo er seine Vorstellungen niedergeschrieben hatte. Bis 1990 sollten diesem Konzept zufolge „mindestens 20 Märkte entstehen“. Zudem forderte er, dass das Sortiment so ausgerichtet sein müsse, „dass es die Kunden zufriedenstellt“. Außerdem sollten die Marktleiter viel Freiheit erhalten, um sofort auf den Wettbewerb reagieren zu können.

„Ich hoffe, dass meine Gedanken nicht so falsch sind“, schloss Huwer seinen Brief. Diese Ansicht vertraten offenbar auch die Globus-Eigentümer, und so ließen sie den umtriebigen Manager machen. Schon 1986 eröffnete Globus in Zweibrücken den ersten alleinstehenden Baumarkt, der mit 10 000 Quadratmeter Verkaufsfläche zu diesem Zeitpunkt das größte „Heimwerker-Paradies“ Deutschlands war. 1987 wurde mit der Gründung der Globus Baumarkt Holding auch die rechtliche Abnabelung von der Mutter vollzogen und Huwer erhielt die nötige Beinfreiheit, um seine Vorstellungen zu verwirklichen. 1988 ging die noch junge Holding in Regensburg mit dem ersten eigenen Markt an den Start.

Zwei Jahre später war Wendezeit, und der quirlige Saarländer wusste, „dass das unsere Chance ist“. Schon 1990 öffnete der erste Ost-Markt in Ilmenau seine Pforten. Danach ging es Schlag auf Schlag. Ein Markt nach dem anderen wurde hochgezogen. 2007 ging Huwer auf Einkaufstour und übernahm die Hela-Profizentren. Zwischendurch wurde noch die Elektronikmarkt-Kette Alphatecc den Globus Fachmärkten zugeteilt.

2014 ergab sich eine weitere Chance zur Expansion, nachdem die saarländische Baumarkt-Kette Praktiker mitsamt ihrer Tochter Max Bahr in die Insolvenz gerutscht war. 65 Märkte standen zum Verkauf, bei elf von ihnen griff Huwer zu. Noch heute sinniert er darüber, ob nicht die Übernahme aller Standorte besser gewesen wäre – „doch das ist Schnee von gestern“.

Auch ohne den großen Schluck aus der Praktiker-Pulle sind die Globus-Baumärkte bundesweit die Nummer sechs. 91 „Heimwerker-Paradiese“ sind es inzwischen, die einen Umsatz von knapp 1,9 Milliarden Euro erwirtschaften und 9100 Mitarbeiter beschäftigen – davon über 2000 an der Saar.

Auch der Nachfolger von Huwer heißt Huwer. Es ist Sohn Timo, der schon länger als Geschäftsführer bei den Globus-Fachmärkten arbeitet. Er wird das Werk seines Vaters fortführen. Daher dürfte bei künftigen Familientreffen für ausreichend Gesprächsstoff gesorgt sein.