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Familienministerin
Giffey: Eine Frau pro Vorstand wird in Groß-Unternehmen Pflicht

 Bundesfamilienministerin Giffey (SPD) findet, „reine „Männerclubs“ seien nicht mehr zeitgemäß; freiwillige Bekenntnisse der Unternehmen reichten nicht aus.  Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
Bundesfamilienministerin Giffey (SPD) findet, „reine „Männerclubs“ seien nicht mehr zeitgemäß; freiwillige Bekenntnisse der Unternehmen reichten nicht aus. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa FOTO: dpa / Bernd von Jutrczenka
Berlin. Das Institut der deutschen Wirtschaft warnt die Bundesfamilienministerin vor „Eingriff in die Herzkammer unternehmerischer Freiheit“.

(afp) Große deutsche Unternehmen sollen künftig gesetzlich verpflichtet sein, mindestens eine Frau in ihren Vorstand zu berufen.

Bundesfrauenministerin Franziska Giffey (SPD) sagte dem SWR am Montag, diese Quote werde noch dieses Jahr kommen. Eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums sagte dazu in Berlin, es liege kein konkreter Vorschlag vor.

Giffey sagte dem SWR, „reine „Männerclubs“ seien nicht mehr zeitgemäß; freiwillige Bekenntnisse reichten nicht aus. Die Quotenregelung solle für Börsenunternehmen mit mehr als 2000 Mitarbeitern und mindestens vier Vorstandsmitgliedern gelten.



Immer noch würden 70 Prozent dieser großen Unternehmen in Deutschland die Zielgröße Null vorgeben; dort sei keine Frau im Vorstand gewollt, kritisierte Giffey. „Das geht so nicht“, sagte die Ministerin.

Das Gesetz liege bereits dem Bundeskanzleramt vor. „Wir wollen das in diesem Jahr hinbekommen“, sagte Giffey. Sie räumte ein, dass es dafür noch „viel Unterstützung“ brauche. Aber es solle „zeitnah“ passieren. „Da müssen wir uns einfach auf den Weg machen.“

Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) warnte vor einem „Eingriff in die Herzkammer der unternehmerischen Freiheit“. Mit der Frage, wer die Geschicke eines Unternehmens leitet, entscheide sich auch, wie es sich für die Zukunft strategisch und operativ aufstelle. Ein Vorstand leite das Unternehmen unter eigener Verantwortung, zitierte das IW das Aktiengesetz. Der Aufsichtsrat eines Unternehmens bestelle nur solche Kandidatinnen oder Kandidaten, von denen er sich verspreche, dass sie die Leitungsverantwortung zum Wohle des Unternehmens wahrnehmen.

Dabei schauten die Aufseher „sowohl auf die Kompetenzen, Potenziale und Erfahrungen der Bewerberinnen und Bewerber als auch auf deren Pläne und Vorstellungen“. Das IW warnte vor Fällen, in denen es keine geeignete Kandidatin gebe: „Muss der Vorstandsposten dann unbesetzt bleiben?“

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack dagegen erklärte, eine verbindliche Quote sei nötig - und Sanktionen, wo Regeln nicht eingehalten werden. „Wenn 90 Prozent der Vorstandsposten von Männern besetzt sind, dann läuft in deutschen Unternehmen eindeutig etwas schief.“

Auch die Grünen-Abgeordneten Ulle Schauws und Claudia Müller begrüßten den Vorstoß Giffeys. Die Grünen stünden als Mitstreiterinnen bereits.

Schauws und Müller bemängelten aber, dass die Regelung nur eine „mickrige Zahl von höchstens 100 Unternehmen in Deutschland“ einbeziehe. Dieses Ziel sei „unambitioniert“.

Der Frauenanteil in den Vorständen großer Unternehmen ist im vergangenen Jahr zwar etwas stärker gestiegen als zuvor, wie aus dem Ende Januar veröffentlichten Managerinnen-Barometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervorgeht.

Eine Geschlechterparität bleibt demnach aber erst einmal in weiter Ferne: In den 200 umsatzstärksten Unternehmen in Deutschland hatten Frauen laut den DIW-Forschern 2019 insgesamt 94 von 907 Vorstandsposten inne – das entspricht einem Anteil von etwas mehr als zehn Prozent.

(AFP)