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Gericht: Piloten dürfen bei Lufthansa streiken

 Viele Lufthansa-Maschinen dürften heute am Boden bleiben. Das Unternehmen strich gestern aufgrund des Pilotenstreiks 876 Flüge. Foto: Marcel Kusch/dpa
Viele Lufthansa-Maschinen dürften heute am Boden bleiben. Das Unternehmen strich gestern aufgrund des Pilotenstreiks 876 Flüge. Foto: Marcel Kusch/dpa FOTO: Marcel Kusch/dpa
Frankfurt/Main. Seit zweieinhalb Jahren schwelt der Tarifstreit zwischen Lufthansa und der Pilotengewerkschaft Cockpit. Heute und morgen wollen die Piloten zum 14. Mal einen Großteil der Lufthansa-Flüge lahmlegen – doch die Airline will sich gerichtlich wehren – und scheiterte zunächst. Agentur

Der für heute geplante Pilotenstreik bei der Lufthansa kann wohl stattfinden. Das Arbeitsgericht Frankfurt wies gestern in erster Instanz einen Antrag der Fluggesellschaft auf eine einstweilige Verfügung gegen den Streik ab. Das Gericht scheute einen Eingriff in die Tarifautonomie: "Wir dürfen Tarifpolitik unsererseits nicht einer Bewertung unterziehen. An Tarifpolitik dürfen wir als staatliches Gericht nicht heran", erklärte der Vorsitzende Richter Martin Becker schon während der Verhandlung. Lufthansa-Anwalt Thomas Ubber hatte vor weiteren Streiks gewarnt, sollte das Gericht den aktuellen Arbeitskampf zulassen.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hat in dem laufenden Tarifkonflikt bereits 13 mal gestreikt. Die bislang letzte Runde wurde im September 2015 abgebrochen, nachdem das Landesarbeitsgericht Hessen einzelne Streikziele als rechtswidrig eingeschätzt hatte. Seitdem hatte die VC ihre Verhandlungstaktik geändert und sich auf einzelne offene Tarifthemen konzentriert. Der Anlass des aktuellen Streiks sind einzig Forderungen zum Gehalt der rund 5400 betroffenen Piloten.

Lufthansa-Angaben zufolge würden dem dann 14. Pilotenstreik heute fast jeder zweite Flug der Marke Lufthansa zum Opfer fallen. Von den 876 streikbedingt gestrichenen Flügen seien 51 Interkontinentalverbindungen. Es seien rund 100 000 Passagiere betroffen, teilte die Airline gestern mit. Insgesamt kommt die Marke Lufthansa auf rund 1800 Flüge pro Tag. "2124 von rund 3000 geplanten Flügen der Lufthansa Group finden statt", heißt es in der Mitteilung. Darin sind allerdings auch Flüge von Konzerngesellschaften enthalten, die nicht bestreikt werden, wie zum Beispiel Brussels, Swiss oder AUA.



Die Piloten der Airline hatten den Streik am Montag angekündigt. Erstmals war in der laufenden Tarifauseinandersetzung im April 2014 gestreikt worden. Dieses Mal geht es ausschließlich um die Tarifgehälter von rund 5400 Piloten der Lufthansa, der Lufthansa Cargo und der Tochtergesellschaft Germanwings . Die Piloten verlangen Tariferhöhungen von zusammen 22 Prozent über einen Zeitraum von fünf Jahren bis April 2017. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit hatte am vorigen Mittwoch erneut den Vorschlag des Unternehmens abgelehnt, in eine Schlichtung zu den offenen Gehaltsverhandlungen einzusteigen. Auch andere Tarifthemen wie die Übergangsrenten sind nach wie vor ungelöst. Der vorherige Tarifvertrag ist Ende April 2012 ausgelaufen, wirkt aber mit unveränderten Tarifgehältern fort.

"Lufthansa entschuldigt sich bei allen ihren Kunden, die von diesem Streik betroffen sind", heißt es in der Mitteilung weiter. Ein Sonderflugplan für den Streikzeitraum sei am Mittag auf der Internetseite LH.com aktiviert worden. "Lufthansa arbeitet mit allen Kräften daran, Kunden bestmöglich zu informieren und sie, wenn möglich, auf andere Airlines oder Verkehrsmittel umzubuchen."

Das Arbeitsgericht Frankfurt ließ gestern Rechtsmittel gegen seine Entscheidung zu. Die Lufthansa kämpfte deshalb bis zum späten Abend darum, den Streik der Piloten doch noch juristisch zu verhindern. Ohne Erfolg. Die Fluggesellschaft scheiterte am späten Abend auch in zweiter Instanz mit ihrem Eil-Antrag auf eine einstweilige Verfügung gegen den Streik. Gleichzeitig kündigte die Pilotengewerkschaft an, ihren für heute geplanten Streik bei der Lufthansa auf den morgigen Donnerstag auszudehnen.