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Welthandel
Gedämpfte Erwartungen an Handelsgespräche

Berlin. EU-Kommissionspräsident Juncker reist in die USA. Die G20-Finanzminister machen sich für ein Handelsabkommen stark. dpa

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat vor zu großen Erwartungen an die Washington-Reise von EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker gewarnt. Die EU-Vertreter und US-Präsident Donald Trump müssten Gelegenheit haben, „sich offen und frei auszusprechen“, sagte der CDU-Politiker im Deutschlandfunk. Danach müsse man sehen, wie die Ergebnisse zu bewerten sind. „Ich möchte keine überzogenen Erwartungen wecken und damit das Gespräch überfrachten“, betonte Altmaier. Das Treffen müsse in einem vertraulichen und diskreten Umfeld stattfinden. Wichtig sei Altmaier zufolge auch, dass die EU auch künftig in Handelsfragen geschlossen bleibe, um ihre Interessen weltweit durchsetzen zu können.

Juncker und EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström suchen an diesem Mittwoch bei einem Gespräch mit Trump nach Lösungen im Handelskonflikt mit den USA. Auf die Einführung von US-Sonderzöllen auf Stahl- und Aluminiumimporte hatte die EU mit Vergeltungszöllen auf US-Produkte wie Whiskey, Jeans und Motorräder geantwortet. Nun lässt Trump auch Sonderzölle auf den Import von europäischen Autos prüfen. Sie würden vor allem die deutsche Wirtschaft deutlich stärker treffen als die auf Stahl und Aluminium.

Auf mögliche Zölle auf Autoimporte hat die EU bereits Vergeltungsmaßnahmen in der Schublade. Die Europäer könnten in diesem Fall ihrerseits mit zusätzlichen Zöllen unter anderem auf Soja, Mandeln, Erdnüsse, Wein, Parfüm, Holzpellets oder Telefone aus den USA antworten, berichtet die „Bild am Sonntag“. Die Liste möglicher Produkte ist demnach 50 Seiten lang. Insgesamt gehe es um Importe im Umfang von 300 Milliarden Dollar (255 Milliarden Euro).



Bei einem Treffen der Finanzminister aus den 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländern (G20) hat sich unterdessen US-Finanzminister Steve Mnuchin offen für ein Handelsabkommen mit der Europäischen Union gezeigt. „Unser Ziel ist ein freier, offener und ausgeglichener Handel“, sagte er. Auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) warb bei dem Treffen für einen freien und fairen Welthandel und betonte den beiderseitigen Nutzen. „Die Wohlstandsgewinne sind für alle größer, wenn wir kooperieren“, sagte er.

Tatsächlich zeigt eine Analyse des Internationalen Währungsfonds (IWF), dass ausgerechnet die US-Wirtschaft wegen drohender Strafzölle in zahlreichen Ländern der größte Verlierer im Handelsstreit sein könnte. Letztendlich würde aber die ganze Welt unter einem Zoll-Wettrüsten leiden. Im schlechtesten Fall könnte die weltweite Wirtschaftsleistung im Jahr 2020 um 0,5 Prozent oder 430 Milliarden US-Dollar niedriger liegen als bislang erwartet, schätzt der IWF. Obwohl letztlich alle Länder unter den negativen Effekten zu leiden hätten, wäre gerade die US-Wirtschaft besonders hart betroffen, weil zahlreiche ihrer Produkte mit Vergeltungszölle belegt werden könnten, schrieben die IWF-Experten in ihrer Analyse.