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Viel weniger Bank-Zweigstellen
Für ein dichtes Sparkassen-Netz

Uwe Zimmermann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds.
Uwe Zimmermann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds. FOTO: Bernhardt Link - Farbtonwerk / Deutscher Städte- und Gemeindetag
Berlin. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund fordert ein Konzept, um Sparkassen-Leistungen vor Ort zu erhalten.

Das Filialsterben schreitet unvermindert voran. Immer mehr Banken machen ihre Zweigstellen dicht. Nach Angaben der staatlichen Förderbank KfW waren allein 2200 Filialen in den Jahren 2014 und 2015 betroffen. Auch die Sparkassen schließen Niederlassungen, obwohl sie dem Gemeinwohl verpflichtet sind. Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer und Dezernent für Finanzen und Sparkassen beim Städte- und Gemeindebund, Uwe Zimmermann, erklärt im Gespräch mit unserer Redaktion die Hintergründe.

Herr Zimmermann, was steckt hinter dem Filialsterben?

ZIMMERMANN Den Sparkassen und Banken macht die anhaltende Niedrigzinsphase zunehmend zu schaffen. Hinzu kommen die Kosten der teils unverhältnismäßigen Bankenregulierung, deren Umsetzung sie enorm belastet. Daher sind sie gezwungen, Einsparpotenziale zu finden. Gerade die mit ihrem Geschäftsmodell in den Regionen verankerten Sparkassen und Volksbanken trifft das sehr – obwohl sie die Finanzkrise nicht verursacht, sondern dieser getrotzt haben. Einige suchen Einsparwege in Filialschließungen.



Welche Folgen hat die Entwicklung für die Menschen gerade in ländlichen Regionen?

ZIMMERMANN Filialschließungen bedeuten eine Verschlechterung der Versorgungssituation vor Ort. Wir brauchen ein dichtes Sparkassen-Filialnetz. Das bleibt wichtig, trotz und gerade angesichts des verständlichen Anpassungsdrucks. Allerdings wird auch das Online-Banking mehr genutzt, und die Filialen werden weniger aufgesucht.

Aber verstoßen die Schließungen nicht gegen die besondere Gemeinwohlverpflichtung der Sparkassen?

ZIMMERMANN Die Gemeinwohlverpflichtung muss ein Pfeiler der Sparkassen bleiben. Nicht nur nach den Sparkassengesetzen, sondern auch für ihr Geschäftsmodell. Ortskenntnis, Kundennähe, Vertrauen – davon leben Sparkassen. Für den Erhalt werden wir Kommunen weiter eintreten und regionale Sparkassen und Banken durch Kooperationen dabei auch unterstützen. Kommune und Sparkasse können gemeinsam innovative Wege finden, Bankendienstleistungen vor Ort zu sichern. Das geschieht bereits.

Könnte die Entwicklung möglicherweise auch die EU auf den Plan rufen?

ZIMMERMANN Die EU war bei dem Thema bisher wenig hilfreich. Im Gegenteil, ihre Bankenregulierung ist oft für die regionalen Banken und Sparkassen unverhältnismäßig und überzogen. Die EU sollte mehr Augenmerk auf große und Banken mit risikoreichem Geschäftsmodell richten. Und den Wert der Sparkassen erkennen, diesen nicht durch überzogene Vorgaben das Leben noch schwerer machen.

Muss der Kunde am Ende vielleicht auch höhere Gebühren in Kauf nehmen, damit Filialen erhalten bleiben?

ZIMMERMANN Das ist durchaus möglich. Banken müssen schließlich profitabel arbeiten und auf die Marktbedingungen bei den Entgelten reagieren. Das gilt auch für Sparkassen.

Die Fragen stellte Hagen Strauss