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Stilllegung für AKW im Elsass beantragt
Im Sommer ist in Fessenheim Schluss

 Das Kernkraftwerk im elsässischen Fessenheim an der deutschen Grenze ist das älteste AKW, das in Frankreich noch betrieben wird.
Das Kernkraftwerk im elsässischen Fessenheim an der deutschen Grenze ist das älteste AKW, das in Frankreich noch betrieben wird. FOTO: dpa / Patrick Seeger
Fessenheim. Betreiber EdF hat die Stilllegung für das Atomkraftwerk im Elsass beantragt. Dafür soll der Konzern eine hohe Entschädigung bekommen. Von Hélène Maillasson

Schließt es, schließt es nicht? Dieses Jahr, nächstes Jahr, irgendwann oder doch gar nicht? Im Pokerspiel um das elsässische Atomkraftwerk (AKW) Fessenheim, das seit Jahren die französische Bevölkerung entzweit und zuletzt auch die Gerichte beschäftigte, ist das letzte Wort gesprochen worden. Der Betreiber EdF hat nun den Antrag für die Stilllegung beider Reaktoren bei der französischen Atomaufsicht eingereicht. Mit diesem Schritt ist die Schließung rechtlich bindend. Demnach soll Block 1 am 22. Februar nächsten Jahres endgültig vom Netz gehen. Am 30. Juni soll dann Block 2 folgen.

Lange war um die Schließung des grenznahen Kernkraftwerks spekuliert worden. Bereits 2016 hatte der damalige Präsident Hollande angekündigt, die Anlage bis Ende seines Mandates dicht machen zu wollen. Daraus wurde aber nichts. Und so war das elsässische AKW wieder Thema im nächsten Wahlkampf im Élysée-Palast. Vor einem Jahr hatte dann Präsident Macron festgelegt, die Schließung Fessenheims 2020 durchziehen zu wollen – allerdings ohne konkreten Termin zu nennen. Hinter den Kulissen wurde dann zwischen dem Staat und dem Betreiber EdF um die Höhe der Entschädigungszahlung verhandelt, die EdF für die vorzeitige Abschaltung seines Meilers bekommen sollte. Nun scheinen sich beide Partien geeinigt zu haben. In den vier Jahren nach der Schließung soll der französische Staat rund 400 Millionen Euro an EdF zahlen. Damit sollen unter anderem die Kosten der Zerschlagung der Anlage sowie Umschulung für das Personal gedeckt werden. Rund 700 Mitarbeiter von EdF sowie fast 200 Beschäftigte von Zulieferunternehmen arbeiten im Kernkraftwerk.

Aus Sorge um diese Arbeitsplätze hatten sich Lokalpolitiker jahrelang gegen die Schließung gewehrt. Außerdem brachte das Werk seit der Inbetriebnahme 1977 jedes Jahr hohe Steuereinnahmen für die umliegenden Gemeinden. Doch insgesamt wurde sogar im atomfreundlichen Frankreich die Nutzung des elsässischen AKW immer umstrittener. Die Anlage am Rhein ist das älteste Kernkraftwerk des Landes und seit über 40 Jahren in Betrieb. In den vergangenen Jahren war es dort immer wieder zu Pannen gekommen, zuletzt bei den Dampfgeneratoren. Außerdem zweifeln Kritiker und Umweltorganisationen an dem Standort. Sie sehen in der Lage im Rheingraben ein erhöhtes Erdbebenrisiko.



Auch aus Deutschland hatten Politiker seit Jahren die Stilllegung der grenznahen Anlage verlangt – ohne Erfolg. Umso erfreuter reagieren sie nun auf die Ankündigung durch EdF. „Mit dieser Terminankündigung hat die französische Regierung deutlich gemacht, dass es ihr mit der Abschaltung des Kernkraftwerks ernst ist“, sagte Freiburgs Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer. Auch von den Grünen gab es ein Aufatmen. „Die Stilllegung der mittlerweile gut 40 Jahre alten Reaktorblöcke wurde immer wieder hinausgeschoben. Dabei ist das Atomkraftwerk technisch veraltet und die Gefahr einer nuklearen Katastrophe für die Region auf beiden Seiten des Rheins ständig gegeben“, teilte die Grünen-Landtagsabgeordnete Bärbl Mielich mit. Die Nachricht der endgültigen Schließung sei daher eine Erleichterung.