| 23:01 Uhr

Bürgerinitiative ist sich sicher
Hat Flughafen Hahn Fracht-Airline verloren?

Von Januar bis September schnellte das Frachtaufkommen am Hunsrück-Flughafen Hahn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 65,8 Prozent auf 131 023 Tonnen.
Von Januar bis September schnellte das Frachtaufkommen am Hunsrück-Flughafen Hahn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 65,8 Prozent auf 131 023 Tonnen. FOTO: dpa / Thomas Frey
Hahn/Frankfurt/Main. Der Hunsrück-Airport kommt nicht aus den Schlagzeilen. Fracht-Airlines wandern schon mal zu anderen Flughäfen ab. Und der Passagierflieger Ryanair? Eine Expertin vermutet eine gewisse Treue zum Hunsrück. Welche Rolle spielt der Flughafen Frankfurt/Main?

Der defizitäre Regionalflughafen Hahn hat nach Angaben einer Bürgerinitiative die russische Frachtfluggesellschaft Air Bridge Cargo verloren. Ihre drei wöchentlichen Flüge in den Hunsrück seien komplett gestrichen worden, teilte die Bürgerinitiative gegen den Nachtflughafen Hahn mit. Seit Juli wickele Air Bridge Cargo vielmehr Frachtflüge über den belgischen Flughafen Lüttich und den Airport Leipzig/Halle ab. Mit dem Flughafen Lüttich habe die russische Airline im Oktober einen langfristigen Vertrag über Frachtflugverkehr abschlossen, „so dass eine Rückkehr zum Hahn unwahrscheinlich sein dürfte“.

Die Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH teilte mit: „Wir kommentieren nicht den Geschäftsverlauf einzelner Marktteilnehmer.“ Sie verwies auf steigende Zahlen beim Frachtumschlag im Hunsrück. Im Luftfrachtgeschäft gibt es oft raschere Verlagerungen zwischen Flughäfen als im Passagierbereich.

Die Frankfurter Luftfahrtspezialistin Yvonne Ziegler sagte unterdessen mit Blick auf die Spekulationen um die Zukunft der Passagierfluggesellschaft Ryanair am Airport Hahn, sie glaube momentan eher nicht an deren kompletten Rückzug aus dem Hunsrück. „Ryanair wartet auch Flugzeuge am Flughafen Hahn und der Flughafen hat sehr viel Infrastruktur für den Kunden Ryanair aufgebaut“, erklärte Ziegler. Daher würden sich die Iren einen Verzicht auf den Hahn sicherlich strategisch genau überlegen. „Sie würden mögliche Standortalternativen in Deutschland für sich reduzieren.“



Die Wirtschaftswissenschaftlerin fuhr fort: „Generell wird Ryanair immer an möglichst günstige Standorte gehen.“ Derzeit profitiere Europas größte Billig-Airline etwa am Flughafen Frankfurt/Main von finanziellen Anreizen (Marketing Incentives). „Diese sind aber zeitlich befristet“, sagte Ziegler. Danach werde sich zeigen, „ob es langfristig für Ryanair attraktiver ist, an größeren Airports zu operieren“. Ryanair habe allerdings auch von günstigeren Kerosinpreisen als Vorteil des Standorts Frankfurt/Main gesprochen.

Die Iren selbst hatten kürzlich mitgeteilt, Spekulationen über einen Rückzug vom Hahn nicht zu kommentieren. Derzeit werde der Sommerflugplan 2019 für den Hahn fertiggestellt. Der Flughafen wies einen kompletten Rückzug von Ryanair als Unsinn zurück.

Das Fracht- und das Passagiergeschäft am Hunsrück-Flughafen Hahn entwickeln sich derweil weiter gegensätzlich. Von Januar bis September schnellte die Fracht im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 65,8 Prozent auf 131 023 Tonnen, wie aus der jüngsten Statistik der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) hervorgeht. Zugleich sank die Zahl der Passagiere um 13,3 Prozent auf 1 669 439 Fluggäste.

(dpa)