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Feuer und Flamme für fünf Prozent

Auch in Hamburg gingen die Arbeiter – hier von Airbus – auf die Straße. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa
Auch in Hamburg gingen die Arbeiter – hier von Airbus – auf die Straße. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa FOTO: Daniel Bockwoldt/dpa
Frankfurt/Main. Unmittelbar nach Ende der Friedenspflicht hat die Gewerkschaft IG Metall ihre Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie gestartet. Schon am ersten Tag nahmen mehr als 100 000 Arbeiter teil. Agentur

Nach den vorerst erfolglosen Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie hat die IG Metall auch im Tarifgebiet Mitte mit ersten Warnstreiks begonnen. Bei den zeitlich befristeten Ausständen unter anderem in Werken der Autohersteller Ford, Opel und Mercedes-Benz beteiligten sich nach Gewerkschaftsangaben seit Mitternacht mehr als 16 000 Beschäftigte, um der Forderung nach fünf Prozent mehr Geld Nachdruck zu verleihen.

In der Nacht zum Freitag legten die Beschäftigten des Ford-Werks in Saarlouis mit als Erste die Arbeit nieder. IG-Metall-Chef Jörg Hofmann nannte auf der Kundgebung vor etwa 3000 Streikenden das Tarifangebot der Arbeitgeber "Magerkost" für die Beschäftigten in Zeiten guter Profite. Bis Pfingsten müsse ein Abschluss her, verlangte IG-Metall- Bezirkschef Jörg Köhlinger vor Warnstreikenden in Andernach und Mainz-Gustavsburg: "Das, was uns die Arbeitgeberverbände als "alternatives" Angebot hingelegt haben, ist eine Schande für die Branche." Im Kasseler Mercedes-Benz-Achsenwerk und im Rüstungsunternehmen KMW ließen ebenfalls bereits um Mitternacht die Beschäftigten ihre Arbeit liegen und versammelten sich vor dem Werkstor. Die Aktionen wurden in der Tagschicht verstärkt, wie Oliver Dietzel von der IG Metall Nordhessen berichtete. Insgesamt hatte die IG Metall am Freitag zu Warnstreiks in Dutzenden Betrieben in Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland aufgerufen. Die Aktionen sollen auch in der kommenden Woche fortgesetzt werden. Die IG Metall hat dazu eine Liste mit etwa 40 Betrieben veröffentlicht, die am Montag bestreikt werden. Die Arbeitgeber hatten am Donnerstag in der dritten Verhandlungsrunde den etwa 420 000 Beschäftigten im Bezirk Mitte Einkommensverbesserungen ab April in zwei Stufen geboten, die sich bei einer Laufzeit von 24 Monaten auf insgesamt 2,1 Prozent summieren. Außerdem soll es eine Einmalzahlung von 0,3 Prozent des Jahresgehalts geben. Die IG Metall habe sich mit dem verbesserten Angebot nicht ernsthaft auseinandergesetzt, kritisierte Hessenmetall-Hauptgeschäftsführer Volker Fasbender: "Ganz egal, was wir anbieten, die IG Metall reagiert - wie jedes Jahr - mit Warnstreiks ." Er forderte die Gewerkschaft auf, eigene konstruktive Lösungsvorschläge auf den Tisch zu legen. "Angesichts eines geringen Produktivitätswachstums und einer Inflation nahe Null ist der Spielraum für Lohnerhöhungen auf einem historisch niedrigen Niveau." Das sollte die IG Metall allmählich erkennen, mahnte Fasbender.