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Facebook warnt vor Fake News

 Im Internet verbreitete Gerüchte über die angeblich vertuschte Vergewaltigung eines 13-jährigen Mädchens aus einer deutsch-russischen Familie trieben im vergangenen Jahr viele Menschen auf die Straße. Später kam heraus, dass das Mädchen abgehauen war und sich bei einem Freund versteckt hatte. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Im Internet verbreitete Gerüchte über die angeblich vertuschte Vergewaltigung eines 13-jährigen Mädchens aus einer deutsch-russischen Familie trieben im vergangenen Jahr viele Menschen auf die Straße. Später kam heraus, dass das Mädchen abgehauen war und sich bei einem Freund versteckt hatte. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa FOTO: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Menlo Park. Nachdem die Ausbreitung gefälschter Nachrichten bei Facebook im US-Wahlkampf für massive Kritik sorgte, will das weltgrößte Online-Netzwerk aktiver dagegen vorgehen. Der nächste Schritt ist eine Informationskampagne für Nutzer. Andrej Sokolow

Facebook will seinen Nutzern Tipps geben, wie sie gefälschte Nachrichten besser erkennen können. Mitglieder des Online-Netzwerks in 14 Ländern bekommen drei Tage lang eine Einblendung mit zehn Empfehlungen angezeigt, kündigte Facebook an. Man habe sich bewusst für eine begrenzte Dauer entschieden, sagte Facebook-Manager Adam Mosseri. "Wenn man es zu lange zeigt, kann es einen gegenteiligen Effekt haben." Zu den Ratschlägen gehört etwa, genauer auf die Web-Adresse oder den Namen der angeblichen Quelle zu achten.

Absichtliche Falschmeldungen im Internet, sogenannte Fake News, haben in den vergangenen Monaten vermehrt die Öffentlichkeit beschäftigt. Laut einer Umfrage des Digitalverbandes Bitkom haben 40 Prozent der Internetnutzer in Deutschland einen leichten und 31 Prozent sogar einen starken Anstieg von Falschmeldungen und Fake News wahrgenommen. Ein Fünftel sieht keine Veränderung.

Die am häufigsten genannten Anlässe der Falschmeldungen waren mit jeweils 72 Prozent der Wahlkampf in den USA sowie das Thema Flüchtlinge. Neben anderen politischen Themen haben die Nutzer aber auch Falschnachrichten zu Kriminalität (55 Prozent), Vermischtem (32 Prozent), Wirtschaft (29 Prozent) oder Gesundheit (21 Prozent) wahrgenommen. Acht Prozent derjenigen, denen Falschmeldungen aufgefallen sind, haben selbst schon einmal Falschmeldungen bewusst oder unbewusst im Internet geteilt.



Mosseri, der als Produktmanager für den Newsfeed zuständig ist, sagte, dass Facebook als wichtigste Maßnahme im Kampf gegen die Fake News das Austrocknen der Werbeerlöse der verantwortlichen Autoren sieht. "Wir haben festgestellt, dass die meisten gefälschten Nachrichten finanziell und nicht ideologisch motiviert sind." Die falschen News lockten insbesondere im US-Wahlkampf Klicks an und waren damit ein lukratives Geschäft. Facebook versucht inzwischen, ihre Verbreitung zu bremsen.

Die bisherigen Maßnahmen hätten bereits Wirkung gezeigt, sagte Mosseri. Unter anderem würden Informationen, die mit dem Hinweis versehen sind, dass sie in Zweifel gezogen werden, seltener weiterverbreitet. "Wir sehen, dass Nutzer weniger gefälschten Nachrichten ausgesetzt zu sein scheinen." Dies könne aber auch daran liegen, dass der Wahlkampf in den USA vorbei sei. Deshalb dürfe Facebook nicht unterschätzen, wie viel noch zu tun sei. "Wir haben noch vor der Präsidentenwahl in den USA angefangen, gegen gefälschte Nachrichten anzukämpfen", so der Facebook-Manager.

Erst diese Woche hat die Bundesregierung ein Gesetzesvorhaben beschlossen, das hohe Geldbußen für soziale Medien vorsieht, sollten sie kriminelle Inhalte auf ihren Seiten nicht rechtzeitig löschen. Mosseri sieht die Gefahr, dass die Aussicht auf härtere Strafen in gesetzlichen Regelungen gegen gefälschte News oder Hassrede Betreiber von Online-Netzwerken dazu verleiten könnte, in Grenzfällen lieber Inhalte vorsorglich zu löschen, statt Kontroversen einzugehen. "Ich denke, das ist ein echtes Risiko", sagte er. Es gebe ein Spannungsfeld zwischen Sicherheit für die Nutzer und der Meinungsfreiheit. "Je härter die Gesetze und unsere internen Richtlinien sind, desto größer wird zugleich auch die Gefahr, dass wir die Möglichkeiten der Menschen einschränken, sich auszudrücken."

Facebook definiert gefälschte Nachrichten als solche, die darauf angelegt sind, für echt gehalten zu werden, aber nachweislich nicht korrekt sind. In Europa habe Facebook keinen Anstieg von Fake News vor den Wahlen in den Niederlanden und Frankreich sowie mit Blick auf die Bundestagswahl festgestellt, sagte Mosseri.