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Expertin bewertet HNA-Pläne am Hunsrück-Flughafen Hahn positiv

 Eine große Einkaufstüte steht im Passagierterminal des Flughafens Hahn, dessen Verkauf nun gesetzlich geregelt werden muss. Foto: Thomas Frey/dpa
Eine große Einkaufstüte steht im Passagierterminal des Flughafens Hahn, dessen Verkauf nun gesetzlich geregelt werden muss. Foto: Thomas Frey/dpa FOTO: Thomas Frey/dpa
Hahn. Ein neues Gesetz soll den Verkauf des flügellahmen Flughafens Hahn besiegeln. Luftfahrtexpertin Yvonne Ziegler beurteilt die Pläne des chinesischen Käufers positiv. Er will 75 Millionen Euro im Hunsrück investieren. Jens Albes

Erstmals befasst sich der rheinland-pfälzische Landtag heute mit dem Gesetz zum Verkauf des hoch defizitären Flughafens Hahn an das chinesisch-deutsche Konsortium HNA/ADC. HNA-Berater Christoph Goetzmann sagte der Deutschen Presse-Agentur gestern, langfristig wolle die chinesische HNA-Gruppe 75 Millionen Euro an dem Hunsrück-Airport, ihrem ersten Flughafen in Europa, investieren. 50 Millionen Euro davon sollten schon in den kommenden Jahren fließen. Damit solle auch das Terminal saniert werden. Zuvor hatte die "Rhein-Zeitung" berichtet.

Die Privatisierung des bislang staatlichen Flughafens Hahn könnte dem Hunsrück neuen Auftrieb geben, sagt Luftfahrtexpertin Yvonne Ziegler von der Frankfurt University of Applied Sciences der dpa. Möglicherweise entstünden bei einem Ausbau des Frachtgeschäfts sogar zusätzliche Jobs am Hahn. Für den Abschluss des Deals mit HNA fehlt noch die Zustimmung des Mainzer Landtags.

Der Käufer HNA ist laut Ziegler mit vielen Airlines, mehr als 1250 Flugzeugen und 92 Millionen Passagieren im Jahr 2016 ein sehr großer Player der internationalen Luftfahrt. Eine der HNA-Fluggesellschaften, die Hainan Airlines, habe beim deutschen Flugsicherheits-Ranking "Jet Airliner Crash Data Evaluation Centre" (JACDEC) den dritten Platz der sichersten Airlines der Welt ergattert. Die meisten chinesischen Investoren verfolgten eine langfristige Strategie.



Die HNA-Gruppe will die rheinland-pfälzischen Mehrheitsanteile am Hahn (82,5 Prozent) übernehmen, die kleine pfälzische ADC GmbH die hessischen Anteile (17,5). Bei der ADC steht allerdings im Gegensatz zur HNA noch die Unterschrift beim Notar aus. HNA hat für den Hahn je drei zusätzliche Passagier- und Frachtflüge pro Woche ankündigt.

"Für eine Gruppe mit einer solchen Vielfalt an Airlines dürfte es relativ einfach sein, dies zu erfüllen", sagte Ziegler. Die jetzige Passagierzahl im Hunsrück von jährlich etwa 2,5 Millionen würde sich nach der Übernahme von HNA nicht wesentlich erhöhen. "Allerdings würden chinesische Touristen und Geschäftsleute vermutlich eine höhere Kaufbereitschaft mitbringen als der klassische Ryanair-Passagier." Der irische Billigflieger Ryanair ist Platzhirsch am Flughafen Hahn.

Beim dortigen Frachtgeschäft - 2016 waren es 73 000 Tonnen - sähe die Steigerung mit HNA nach Einschätzung der Luftfahrtexpertin stattlicher aus. Hier könnten drei zusätzliche Flüge pro Woche zu einem Plus von fast einem Viertel führen. Dann müsste die 315-köpfige Belegschaft am Hahn vermutlich noch aufgestockt werden.

Ryanair kreist sich im Hunsrück selbst ein mit eigenen Flügen auch von Luxemburg, Köln/Bonn und in Kürze von Frankfurt/Main. Zur neuen Strategie der Iren, bei vergünstigten Kosten auch von solch großen Flughäfen abzuheben, sagte Ziegler mit Blick auf den Hahn: "Ryanair wird dann sehr genau entscheiden, welche Strecken von welchem Flughafen angeboten werden."