| 23:21 Uhr

Streit um Zölle
Erst Stahl, jetzt Handel: Trump verschärft Konflikt

Washington/Berlin. (dpa) Mit angedrohten Strafzöllen auf europäische Autos hat Donald Trump den Handelskonflikt mit der EU angeheizt und einen der wichtigsten deutschen Industriezweige aufgeschreckt. Branchenvertreter warnten vor den Folgen eines Handelskriegs und wiesen auf die Bedeutung der deutschen Autokonzerne für die US-Wirtschaft hin. Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) rief Trump zur Mäßigung auf. Doch der US-Präsident zeigt sich unbeirrt – und will noch diese Woche seinen international scharf kritisierten Plan für Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte umsetzen.

US-Handelsminister Wilbur Ross verteidigte das Vorgehen. Die USA hätten nach dem Zweiten Weltkrieg alle Arten von einseitigen Konzessionen gemacht, um den Wiederaufbau zu fördern, sagte Ross am Sonntag dem Sender ABC und erwähnte Deutschland sowie Japan namentlich. Das habe damals auch Sinn gemacht, aber nicht mehr heute. Beide Länder seien mittlerweile starke und große Wirtschaftsmächte. „Eine Menge Geschichte muss rückgängig gemacht werden.“ US-Medien nannten Trumps neue Attacke wegen der Bedeutung der deutschen Autoindustrie eine „direkte Drohung“ gegen Deutschland.

Nach Berechnungen des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer wären vor allem die VW-Töchter Audi und Porsche von Strafzöllen betroffen, die anders als die VW-Kernmarke, BMW oder Daimler keine eigenen Werke in den USA unterhalten. Für VW rechnet Dudenhöffer im Fall von Strafzöllen mit Gewinneinbußen von rund fünf Prozent, falls die Exporte aus den USA nicht – wie üblich – gegengerechnet würden. Bei Daimler und BMW errechnete der Leiter des CAR-Instituts an der Uni Duisburg-Essen in dem Fall ein Minus von „weniger als zehn Prozent“.

(dpa)