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Fusion mit der Konkurrenz
Investmentgesellschaft EQT kauft Deutsche Glasfaser

 David Zimmer, Inexio-Chef
David Zimmer, Inexio-Chef FOTO: Ruppenthal
Borken. Das Saarlouiser Glasfaser- und Telekommunikationsunternehmen Inexio verschmilzt mit einem seiner größten Konkurrenten. Die schwedische Investmentgesellschaft EQT, die seit Dezember 90 Prozent der Anteile von Inexio hält, kauft gemeinsam mit dem kanadischen Pensionsfonds Omers die Deutsche Glasfaser mit Sitz im münsterländischen Borken. Von David Seel

Das teilte EQT am Montag mit. Damit würde, hinter Vodafone und Telekom, der drittgrößte Glasfaseranbieter Deutschlands entstehen. Das Netz der Deutschen Glasfaser erreicht laut EQT derzeit 600 000 private Haushalte und 5000 Unternehmen, bei Inexio sind es 300 000 Haushalte und 6000 Unternehmen. EQT soll 51 Prozent und Omers 49 Prozent an der neuen Gruppe halten. Zur Kaufsumme machten die beteiligten Unternehmen keine Angaben. Der Kauf soll im zweiten Quartal dieses Jahres unter Dach und Fach gebracht werden, noch muss allerdings das Kartellamt zustimmen.

Laut einem EQT-Sprecher sollen beide Marken unter dem gemeinsamen Dach erhalten bleiben. „Sie teilen sich das Gebiet ja jetzt schon auf, die Deutsche Glasfaser ist in Norddeutschland aktiv, Inexio hat seine Kunden im Süden und Südwesten.“ Die Führungsebenen beider Firmen sollen dagegen verschmelzen. „Vom Management werden aber auf beiden Seiten alle an Bord bleiben“, betonte Inexio-Chef David Zimmer. Vermutlich werde die Leitung von einer Doppelspitze mit jeweils einem Vertreter von Inexio und Glasfaser Deutschland übernommen, sagte Zimmer. Ob er ihr angehören werde, sei noch unklar. „Es geht hier auch nicht um Titel, sondern darum, das Unternehmen voranzubringen.“

EQT verspricht sich von der „engen Zusammenarbeit“ von Inexio und Deutscher Glasfaser einen „zusätzlichen Wachstumsschub“ und „die Realisierung von Synergiepotenzialen“. So besäßen die beiden Firmen künftig beispielsweise eine bessere Verhandlungsposition gegenüber Tiefbau-Firmen, sagte der EQT-Sprecher. Ein Abbau von Stellen sei dagegen ausgeschlossen. Im Gegenteil: „Beide Unternehmen sind auf Wachstum getrimmt und wollen ihre Belegschaft weiter ausbauen“, erklärte der Sprecher. Auf ihrer Webseite hat die Deutsche Glasfaser momentan knapp 100 Stellen ausgeschrieben, Inexio hatte bereits vor einigen Tagen angekündigt, mehr als 150 neue Mitarbeiter einstellen zu wollen (wir berichteten). Aktuell beschäftigt Inexio 381 Menschen, mittelfristig sollen es 1500 werden. Bei der Deutschen Glasfaser zählt EQT zufolge derzeit 700 Mitarbeiter.



Inexio-Chef Zimmer zeigte sich hocherfreut über die geplante Übernahme. Eine solche Gelegenheit eröffne sich „einmal pro Generation“, sagte er. Rund um den Globus seien Investoren an der Deutschen Glasfaser interessiert gewesen. Dadurch, dass EQT den Zuschlag erhalten habe, stünden beide Firmen nun nicht mehr im Wettbewerb zueinander. „Wir können uns jetzt darauf konzentrieren, der Telekom Konkurrenz zu machen“, so Zimmer. Die Firmengruppe wolle langfristig über 4000 Mitarbeiter beschäftigen. „Das wäre allein nur schwer zu realisieren gewesen.“ Diese Überlegungen seien von Anfang an wichtige Gründe für den Einstieg von EQT bei Inexio gewesen. „Den Gedanken hatten wir damals schon. Im Grunde ist das nur die Fortentwicklung unserer ursprünglichen Strategie“, erklärte Zimmer. Auch Uwe Nickl, Chef der Deutschen Glasfaser äußerte sich zufrieden. „Die Sektor-Erfahrung und Finanzkraft unserer neuen Eigentümer ermöglichen es der Deutschen Glasfaser, den nächsten Wachstumsschritt zu machen und den Glasfaserausbau in ganz Deutschland voranzutreiben“, sagte Nickl. „Darüber hinaus freuen wir uns auf die Zusammenarbeit mit Inexio, deren Fähigkeiten und Expertise sich gut mit unseren ergänzen.“

In den kommenden fünf Jahren will die neue Firmengruppe zusammen mehr als sieben Milliarden Euro in den Ausbau von Internet-Infrastruktur im ländlichen Raum investieren. EQT machte bisher noch keine Angaben darüber, wo genau dieses Geld hinfließen soll. Inexio hatte bereits im Vorfeld Investitionen von fünf Milliarden Euro bis zum Jahr 2030 angekündigt.