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Neues Sicherheitssystem
Notbremssystem interessiert Flughafen-Experten

ensheim. 35 Vertreter aus mehreren Staaten informierten sich in Ensheim über das Projekt. Die Bauarbeiten liegen im Zeitplan. Von Dimitri Taube

Flug-Experten aus aller Welt waren jetzt am Flughafen in Ensheim zu Gast, um bei einer Deutschland-Premiere dabei zu sein. Sie waren gekommen, um die Baustelle am Ende der Landebahn zu inspizieren und sich dabei über das neue Notbremssystem des Airports zu informieren, das derzeit in die Landebahn verbaut wird. Dabei handelt es sich um das sogenannte „Engineered Materials Arresting System“, kurz EMAS. Der Flughafen in Ensheim ist der erste Verkehrsflughafen in der Bundesrepublik, der das System erhält. Es soll verhindern, dass Flugzeuge über die rund zwei Kilometer lange Bahn hinausschießen.

Die Bauarbeiten haben am 11. März begonnen. Bis Samstag, 30. März, soll das Emas-Bremsbett fertig sein. Die Kosten liegen bei rund 4,3 Millionen Euro. „Wir sind sehr zufrieden mit dem Baufortschritt – wir sind sogar etwas schneller als geplant“, sagte Philipp Althaus, der Hauptverantwortliche des Projekts. Wenn es bis Ende des Monats kaum oder gar nicht regnet, könnten die Arbeiten nach seiner Einschätzung auch schon vor dem 30. März abgeschlossen werden.

Althaus ist Geschäftsführer des Schweizer Unternehmens Kibag mit Sitz in Zürich. Kibag ist neben der Firma Runway Safe aus dem schwedischen Göteborg am Bau beteiligt. Während der Installation des Systems ruht in Ensheim der Betrieb. 84 Flüge fallen in dieser Zeit aus. Starts und Landungen soll es – selbst wenn die Bauarbeiter schneller fertig werden – erst wieder ab Sonntag, 31. März, geben. Dann ist für den Vormittag der erste Flug vorgesehen. Das Ziel ist: Palma de Mallorca.



Brasilien, England, Frankreich, Honduras, Italien, Japan, Kolumbien, Schweden, Spanien und Taiwan – aus diesen zehn Staaten reisten gestern die 35 Vertreter an. Für die internationalen Gäste ist der Flughafen im Saarland aufgrund des Systems Emas ein Vorbild. „Für sie ist es sehr wichtig zu sehen, wie das System aussieht und was auf sie zukommt, wenn sie sich dafür entscheiden“, sagte Philipp Althaus.

Der Ausflug ins Saarland hat für die ausländischen Vertreter auch deshalb eine große Bedeutung, weil es weltweit nur selten die Möglichkeit gibt, solche Baustellen wie die aktuelle in Ensheim auf diese Weise zu besichtigen. Das heißt: Mit der Möglichkeit, auch selbst auf die Fahrbahn zu gehen, Bauarbeitern über die Schulter zu gucken, Informationen aus erster Hand zu bekommen und sogar das Baumaterial anzufassen.

„Das Interesse an diesem System wird immer größer“, bestätigt auch Niklas Siversjö von Runway Safe. Es sei nämlich nicht nur für die Sicherheit wichtig, sondern auch für das Image der Flughäfen.

Die Emas-Notfallzone ist 85 Meter lang, 45 Meter breit und wirkt ähnlich wie ein Kiesbett. Nach Angaben des Flughafens sorgt das System dafür, dass Flugzeuge mit einer Geschwindigkeit von bis zu 55 Knoten (102 km/h) kontrolliert abbremsen können. Dafür wird auf die bestehende Sicherheitszone ein spezielles Material – Schaumglas – aufgebracht. Es besteht aus recyceltem Glas und ist so weich, dass die Flugzeuge darin einsinken, zugleich aber so fest, dass Rettungsfahrzeuge noch an die Flieger herankommen.

Sollte es einmal zu einem Ernstfall kommen, kann nach Angaben von Althaus innerhalb von drei Tagen eine Schnellreparatur erfolgen, so dass der Flugbetrieb wieder aufgenommen werden kann; und innerhalb von 45 Tagen wäre das Bremsbett komplett wiederhergestellt.

Seit Ende der 90er Jahre kommt das System in den USA zum Einsatz. In Europa gibt es das Emas bislang in Madrid und Zürich.