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Hauptversammlung
Ein Schälchen für die Aktionäre von V&B?

Der Vorstandschef von Villeroy & Boch, Frank Göring, präsentierte den Aktionären gestern bei der Hauptversammlung gute Zahlen.
Der Vorstandschef von Villeroy & Boch, Frank Göring, präsentierte den Aktionären gestern bei der Hauptversammlung gute Zahlen. FOTO: Ruppenthal
Merzig. Gute Geschäftszahlen, ein höherer Aktienkurs — das erfreut die V&B-Anteilseigner. Wünsche nach Extras werden aber nicht erfüllt. Von Thomas Sponticcia

Schon sein 1849 geborener Urgroßvater hat bei Villeroy und Boch in Mettlach gearbeitet. Manfred  Rauch (69) aus Mettlach-Weiten betreibt nicht nur Ahnenforschung, sondern kommt seit zwei Jahren auch als Aktionär zur Hauptversammlung. „Ich denke, V&B gehört zu den besten Unternehmen, die in Europa und sogar weltweit unterwegs sind.“ Bei Reisen „bin ich immer wieder stolz, wenn ich den Namen V&B sehe“, sagt Rauch. Paul-Gerhard Jahn (74) aus Naurath in der Eifel sieht das ähnlich. Sein Vater hat in der Finanzbuchhaltung von V&B gearbeitet. Jahn kommt zur Hauptversammlung, um die Geschäftsentwicklung vom Vorstand persönlich zu hören.

Vorstandschef Frank Göring präsentiert sich und die Zahlen in bester Laune, was auch die Aktionärsvertreter anerkennen. Rechtsanwalt  Wolfgang Schärfe bescheinigt  als Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz „eine positive Entwicklung des Geschäftsjahres, die sich auch im Aktienkurs widerspiegelt“. Die geplante Zahlung einer Dividende von 57 Cent pro Vorzugsaktie begrüßt Schärfe, sieht aber noch „Luft nach oben“.

Florian Honselmann als Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger startet diesmal den Vorstoß, der immer wieder auf V&B-Hauptversammlungen laut wird. Er fragt nach  Plänen, die Vorzugsaktien in stimmberechtigte Stammaktien umzuwandeln und so Mitbestimmung für die Aktionäre jenseits der V&B-Familie zu erreichen. Honselmann hält Vorzugsaktien für „ein Auslaufmodell“. Er muss zur Kenntnis nehmen, dass es keine Überlegungen in diese Richtung gibt.



Vorstand Göring berichtet von einer Steigerung des Konzernumsatzes von 820 auf 836 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2017. Dazu habe der Bereich Bad und Wellness mit einer Steigerung von 524 Millionen auf 558 Millionen Euro wesentlich beigetragen. In der Tischkultur sank jedoch der Umsatz von 295 Millionen auf 278 Millionen Euro. Jüngere Kunden spreche man über das Smartphone an und verjünge Produkte. „Wildrose Klassik“ und „Alt Luxemburg“ wurden mit neuem Design versehen. Umweltbewusstsein zeige man mit der neuen Tasse „Coffee to go“. Auch das Produkt „Tea Passion“ beschäftigt Göring. Eine Studie besage, jeder Teeliebhaber trinke jährlich 28 Liter Tee. „Ich nicht, aber meine Frau“, sagt Göring.

Nur teilweise beruhigt wird ein Aktionär nach Hause fahren, der nach Rest-Lagerbeständen des Produktes „Acapulco“ fragt. Vorstand Nicolas Luc Villeroy muss das leider verneinen. Man bilde möglichst keine Lagerbestände, sondern verkaufe lieber. Auf E-Bay könne der Aktionär möglicherweise noch fündig werden.

Bis zur nächsten Hauptversammlung offen bleiben muss auch die Anregung des Aktionärs Manfred Klein aus Saarbrücken. Da die Aktionäre zum Teil weite Anreisen in Kauf nehmen, sei es wünschenswert, ihnen auch etwas mit nach Hause zu geben. Ein Schälchen wäre doch ganz nett für den Anfang – oder auch die Tasse „Coffee to go“. Göring kontert, Coffee to go wolle man erst einmal erfolgreich verkaufen. Das habe dann ja auch Auswirkungen auf die monetäre Entwicklung der Dividende. Das versteht wiederum  auch der Aktionär. Also doch eher ein Schälchen?