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Saarpfalz-Park wird 20 Jahre alt
Kasernen-Brache wird zum Job-Magnet

Doris Gaa, Geschäftsführerin des Saarpfalz-Parks in Bexbach, ist seit der Gründung des Mittelstands- und Gründerzentrums mit dabei. Vor 20 Jahren fiel der Startschuss zur Umwandlung des früheren Kasernengeländes.
Doris Gaa, Geschäftsführerin des Saarpfalz-Parks in Bexbach, ist seit der Gründung des Mittelstands- und Gründerzentrums mit dabei. Vor 20 Jahren fiel der Startschuss zur Umwandlung des früheren Kasernengeländes. FOTO: Oliver Dietze
Bexbach. Heute wird der Saarpfalz-Park 20 Jahre. In dem Gründer- und Mittelstandszentrum arbeiten inzwischen rund 1100 Menschen. Von Thomas Sponticcia

Sie hat an das Projekt von Anfang an geglaubt: Doris Gaa ist seit 20 Jahren als Chefin der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Saarpfalz und Geschäftsführerin des Saarpfalz-Parks Bexbach in vorderster Reihe an der Weiterentwicklung dieses Aushängeschildes für die Wirtschaftskraft der Region beteiligt. Heute feiert der Saarpfalz-Park offiziell sein zwanzigjähriges Bestehen.

Er entsteht aus einer Not heraus und wird gleichzeitig zu einem Stück Pionierarbeit. 1996 gibt das Bundesverteidigungsministerium die Schließung der Saarpfalz-Kaserne bekannt. Ein riesiger Schock für die Region. 800 Soldaten und 100 Zivilkräfte mit einer Kaufkraft von insgesamt 15 Millionen Euro gehen der Stadt Bexbach vom einen auf den anderen Moment verloren. Für die Kaserne und das rund 450 000 Quadratmeter große Areal gibt es keine Verwendung mehr.

Doch die Kommunalpolitik und Wirtschaftsförderer lösen sich schnell aus der Schockstarre. ,,Jeder hatte Interesse an einer erfolgreichen Neuentwicklung des großen Areals zu einem Motor für regionale Wirtschafstkraft. Wir wollten Unternehmen zu einer Ansiedlung bewegen. Auch die Politik hat parteiübergreifend einstimmig mitgewirkt. Das  Wirtschaftsministerium und die Europäische Union haben uns immer finanziell unterstützt“, erinnert sich Gaa an die Anfänge. ,,Wir hatten gemeinsam ein gutes Konzept und eine Vision, was hier entstehen soll.“ Doch zunächst müssen hohe Hürden überwunden werden. Die Kaufpreis-Vorstellungen des Bundes sind utopisch hoch. Trotzdem dauern die Verhandlungen nur acht Monate, bis man sich auf drei Millionen Mark einigt. Am 2. Oktober 1998 unterzeichnet die Saarpfalz-Park Bexbach GmbH einen Kaufvertrag mit der Bundesrepublik. Das Abenteuer kann beginnen. Alle Bau- und Investitionsentscheidungen im Aufsichtsrat fallen bis heute einstimmig. Die Geschlossenheit aller Beteiligten ist ein Trumpf im Kampf um Ansiedlungen.



Der heutige Bexbacher Bürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzende der Saarpfalz-Park Bexbach GmbH, Thomas Leis (SPD), hat in der Gründungsphase des Parks noch den Hut eines Mitglieds im Konversions-Team und in der Wirtschaftsförderung auf. Auch er sagt mittlerweile: ,,Der heutige Stand des Saarpfalz-Parks hat unsere damaligen Hoffnungen und Wünsche weit übertroffen. Ich bin sehr stolz auf das, was wir hier geschaffen haben.“ Mit 100 Unternehmen und über 1100 Mitarbeitern sind die Folgen der Kasernen-Schließung längst überwunden. Dazu hat auch die selbstbewusste Werbung über kommunale Grenzen hinaus beigetragen. ,,Wir waren am Anfang schon auch ein bisschen frech. Selbst in der Landeshauptstadt haben wir damals mit großflächigen Plakaten auf uns aufmerksam gemacht“, erinnert sich Gaa.

Heute ist der Park fast ausgebucht. 200 000 von 220 000 Quadratmetern bebaubare Fläche für Gewerbe sind bereits vermarktet. Maßgeblich zum Erfolg habe der Entschluss beigetragen, gezielt junge Existenzgründer anzusiedeln und mit dem Gründer- und Mittelstandszentrum entsprechende Räumlichkeiten sowie eine optimale Infrastruktur zur Miete zu bieten. Heute sind insgesamt rund 8000 Quadratmeter vermietbare Hallen-, Büro- und Laborflächen für Unternehmen aller Branchen verfügbar, verbunden mit engen Beziehungen von Gründern mit ihren Marktideen zu bereits etablierten Unternehmern.

Einen weiteren Erfolgsfaktor sieht Gaa in der bedarfsgerechten Vermarktung der Flächen. ,,70 bis 80 Prozent der von Unternehmen benötigen Flächen sind kleiner als 5000 Quadratmeter, meist zwischen 2000 und 2500 Quadratmeter, wie wir aus unserer Wirtschaftsförderungsarbeit wissen. Diese Flächengrößen konnten wir im Saarpfalz-Park anbieten. Das kommt gerade kleinen und mittleren Unternehmen entgegen.“

Hinzu kommt eine gezielte Betreuung von Existenzgründern und ansässigen Betrieben in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderung sowie den Kammern und anderen Partnern. Seminare informieren über neue Trends wie die Elektromobilität oder die optimale Nutzung sozialer Medien zur Verbesserung der eigenen Unternehmenskommunikation.

Das Gründer- und Mittelstandszentrum ist mittlerweile zu 90 Prozent ausgelastet und das Gründerzentrum speziell für Handwerksbetriebe zu 95 Prozent. Auch als Arbeitgeber ist der Saarpfalz-Park eine attraktive Adresse. Gegenwärtig sucht rund ein Viertel der Betriebe Mitarbeiter. Um die Weiterentwicklung des Parks kümmern sich als Gesellschafter die Saarpfalz-Park Bexbach GmbH, die Stadt Bexbach, der Saarpfalz-Kreis, die Kreissparkasse Saarpfalz, die Volks- und Raiffeisenbank Saarpfalz sowie die Landesentwicklungsgesellschaft Saar. Doris Gaa ist davon überzeugt, dass der Saarpfalz-Park in den nächsten Jahren noch stärker zur positiven Image-Bildung der Region als ein Zentrum für moderne Unternehmen und neueste Technologien beitragen wird. ,,Unser positives Image bekommen wir über zufriedene Kunden. Sie empfehlen uns weiter.“