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Stellenabbau
Eberspächer streicht weitere 200 Stellen

 In Neunkirchen produziert Eberspächer Abgasanlagen für Autos.
In Neunkirchen produziert Eberspächer Abgasanlagen für Autos. FOTO: Eberspächer
Neunkirchen. Der Stellenabbau im Neunkircher Werk des Autozulieferers fällt weniger drastisch aus, als den ersten Plänen zufolge zu befürchten war. Von Volker Meyer zu Tittingdorf

Der Autozulieferer Eberspächer streicht in seinem defizitären Neunkircher Werk nun doch nicht so viele Arbeitsplätze, wie im vergangenen Sommer zu befürchten war. „Rund 200 Stellen werden bis Jahresende 2020 abgebaut“, sagt Geschäftsführer Thomas Waldhier, der bei dem in Esslingen beheimateten Unternehmen die Hauptsparte Abgastechnik verantwortet.

Das ist deutlich weniger als die 465 Arbeitsplätze, die nach Plänen vom Juni 2018 wegzufallen drohten. Damals hatte Waldhier angekündigt, dass „jede zweite der 930 Stellen im Werk auf dem Prüfstand steht“. Seit vielen Jahren schlägt sich der Hersteller von Abgasanlagen mit hohen Kosten und Verlusten in seinem Neunkircher Werk herum. Vor einigen Jahren waren schon einmal im Zuge eines Sanierungsprogramms 400 Arbeitsplätze weggefallen. Allerdings war es nur gelungen, die Verluste einzudämmen.

Der künftige Arbeitsplatzabbau geht einher mit der Verlagerung lohnintensiver Montagelinien an Niedriglohn-Standorte, etwa nach Rumänien. Im Gegenzug soll die Fertigung komplexer Produkte in Neunkirchen gestärkt werden. Darüber hinaus verzichten die Mitarbeiter bis 2024 auf Teile ihres Gehalts. Darauf haben sich Geschäftsführung, Betriebsrat und Gewerkschaft IG Metall in schwierigen Gesprächen verständigt, wie beide Seiten betonen.



Die Verhandlungen „haben manchmal auf der Kippe gestanden“, sagt Jörg Caspar, erster Bevollmächtigter der IG Metall Neunkirchen. Die zunächst im Raum stehenden Einschnitte waren für ihn nicht akzeptabel. „Das wäre ein Sterben auf Raten gewesen“, sagt Caspar. Die Einigung wertet er trotz aller Härten für die Betroffenen positiv. Jetzt sieht Caspar eine Zukunftsperspektive. Die Gewerkschaftsmitglieder unter den Beschäftigten hätten am Sonntag die Einigung mit 94 Prozent der Stimmen angenommen, sagt er. Auch Waldhier spricht von einem „in Summe guten Kompromiss“. Mit den drastischen Einschnitten will Eberspächer die Kosten senken und die Wende in die Gewinnzone erreichen. „Wenn die Maßnahmen ihre volle Wirkungen entfalten, dann werden wir an diesem Standort schwarze Zahlen schreiben“, formuliert Waldhier das Ziel. 2021 soll dann unter dem Strich ein Gewinn stehen.

Letztlich sind es sogar 280 Stellen, die jetzt wegfallen. Rund 80 Mitarbeiter seien bereits in den vergangenen Monaten ausgeschieden, größtenteils durch ein Freiwilligenprogramm, daneben auch durch eigene Kündigung oder Wechsel in den Ruhestand, wie Waldhier erläutert. Das Produktionswerk werde künftig rund 650 Mitarbeiter haben. Dazu kommen noch die etwa 370 Beschäftigten im Prototypenbau und in den für das Gesamtunternehmen tätigen Sparten wie Materialforschung, Vertrieb, Einkauf oder IT-Steuerung. Sie bleiben vom Stellenabbau verschont. Insgesamt hat der Standort dann künftig rund 1000 Beschäftigte.

Der Zahl der Arbeitsplätze soll laut Waldhier schrittweise sinken – parallel zur Verlagerung von Produktionslinien. Bis Ende 2020 soll das Presswerk mit seinen älterem Maschinenpark geschlossen werden. Die Teile sollen wie bei Wettbewerbern von Lieferanten bezogen werden. Die Rohrbiegerei und anderen Montagelinien mit relativ viel Handarbeit sollen bis März 2020 dicht gemacht und ins Ausland verlagert werden. Die damit verbundenen Kündigungen will das Unternehmen sozial abfedern, unter anderem durch eine Transfergesellschaft, die weitere Qualifizierung bietet, und durch Angebote zum Wechsel an andere Eberspächer-Standorte.

Die verbleibenden Mitarbeiter nehmen für den Erhalt ihrer Stellen Einbußen beim Gehalt in Kauf: weniger Urlaubs- und Weihnachtsgeld, den Verzicht auf andere tarifliche Einmalzahlungen, Tariferhöhungen werden jeweils um ein Jahr verschoben. Auch die Mitarbeiter, die nicht im Produktionswerk tätig sind, verzichten auf Teile ihres Gehalts.

Das Werk konzentriert sich künftig auf komplexe Produkte. Dafür sollen neue Aufträge nach Neunkirchen kommen, verbunden mit millionenschweren Investitionen, verspricht Waldhier. Neu am Standort „werden zum Beispiel Abgasklappen sein“, mit denen die Geräusche des Autos verringert werden können. Die Fertigung beinhaltet Laserschweißen, was „nicht ganz so einfach zu beherrschen ist. Dafür ist der Standort gut geeignet“, sagt Waldhier. Daneben soll der Prototypenbau erweitert werden. Durch eine günstigere Kostenstruktur verbessern sich nach seiner Auffassung die Chancen, neue Aufträge nach Neunkirchen zu holen.