| 22:35 Uhr

Auch Verbraucher wird es wohl treffen
Dürre Zeiten für Landwirte

Die Ernte in diesem Jahr ist vielerorts eine staubige Angelegenheit. Allein in Norddeutschland belaufen sich die Schäden durch den Extremsommer offenbar auf rund zwei Milliarden Euro. 
Die Ernte in diesem Jahr ist vielerorts eine staubige Angelegenheit. Allein in Norddeutschland belaufen sich die Schäden durch den Extremsommer offenbar auf rund zwei Milliarden Euro.  FOTO: dpa / Jens Büttner
Hannover/Bonn. Auch Verbraucher werden die Folgen des Extremsommers zu spüren bekommen, glauben Experten.

Die wegen des ungewöhnlich trockenen Sommers schlechte Ernte in Nordeuropa werden die Verbraucher voraussichtlich auch beim Lebensmittelkauf spüren. Allerdings sind die Auswirkungen unterschiedlich. Bei Milchprodukten wie Trinkmilch, Käse oder Butter sei es zum Beispiel denkbar, dass es auch über den Sommer hinaus zu einer Drosselung der Milchproduktion komme, sagte Andreas Gorn von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) in Bonn der Deutschen Presse-Agentur. „Wenn Milch knapp bleibt, werden die Preise wahrscheinlich auch steigen.“ Sicher sei das aber noch nicht.

Bei Gemüse hängen die Preisauswirkungen sehr vom Produkt ab, wie AMI-Experte Hans-Christoph Behr sagte. Und beim Getreide sind die Weltmarktpreise zwar gestiegen. Aber da der Rohstoffpreis weniger als fünf Prozent am Preis für Brot und andere Backwaren ausmache, könne das keine Begründung für steigende Preise sein, sagte Herbert Funk von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

Bauernpräsident Joachim Rukwied sagte: „Mit der Trockenheit begründete Preiserhöhungen bei verarbeiteten Produkten, wären derzeit nicht seriös.“ Das derzeitige Preisniveau für Weizen entspreche dem der 1980er Jahre.



Im Moment sind hitzebedingt die Milchmengen zurückgegangen. Wenn sich die Witterung nicht noch einmal drehe, könne Milch knapp bleiben. Dann spreche einiges dafür, dass bei den Verhandlungen im Herbst zwischen Molkereien und Lebensmitteleinzelhandel der Preis für Milch steige, sagte Gorn. Bei Butter, Pulverprodukten und Käse seien die Preise schon gestiegen. Der Verbraucher werde die Auswirkungen möglicherweise spüren, zeigte sich der Experte vorsichtig.

Die Weltmarktpreise für Getreide sind gestiegen. Deutsche Mühlen, die ihr Getreide zu 95 Prozent in Deutschland beziehen, werden darüber hinaus wahrscheinlich auch einen Preisaufschlag für die knappe Ware bezahlen, sagte Peter Haarbeck, Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Mühlen. Dennoch lasse sich daraus nicht direkt auf den Verkaufspreis für Mehl schließen, den Endverbraucher und Bäcker zahlen müssten. Es gebe auch lang laufende Lieferverträge zwischen den Handelspartnern, die auch zu Zeiten hoher Weltmarktnotierungen stabile Preise garantierten. Und Kammerexperte Funk sieht den Weltmarktpreis derzeit relativ stabil: „Es müssten noch weitere Ausfälle hinzukommen, damit der Preis noch weiter steigt.“

Auch Gemüseanbauer spüren die Trockenheit. „Bei Salaten besteht schon ein etwas höheres Preisniveau“, sagte AMI-Experte Behr. Eisbergsalat etwa liege derzeit bei rund 1,02 Euro pro Stück – vor einem Jahr habe der Preis etwa 60 bis 70 Cent betragen. Auch Möhren und Zwiebeln seien leicht im Preis gestiegen. Andererseits gebe es Gewächshauskulturen wie Tomaten, die lange Zeit sogar günstiger waren als im Vorjahr. Auch Zucchini sei tendenziell günstiger geworden, weil dieses Gemüse eine wärmeliebende Art sei.

Angesichts der wochenlangen Trockenheit haben acht Bundesländer nach einem Zeitungsbericht Dürre-Schäden in Höhe von fast drei Milliarden Euro an die Bundesregierung gemeldet. Allein in Norddeutschland beliefen sich die gemeldeten Schäden auf womöglich 1,933 Milliarden Euro, berichtete die „Neue Osnabrücker Zeitung“ (NOZ).

Über mögliche Bundeshilfen für Bauern soll an übermorgen entschieden werden. Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) will dann den Erntebericht ins Kabinett bringen und bewerten, ob die Schäden aufgrund der langanhaltenden Trockenheit in diesem Sommer „nationales Ausmaß“ erreicht haben. Rukwied sagte der „NOZ“ und der „Passauer Neuen Presse“, die Schäden seien enorm, etliche Betriebe seien beeits in Existenznot: „Deshalb fordern wir Bundesländer und Bund auf, die Nothilfesituation zu erklären und ein Hilfsprogramm für die betroffenen Landwirte auf den Weg zu bringen.“

Auch die stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Gitta Connemann, plädierte für ein Bund-Länder-Hilfsprogramm. „Es zeichnet sich ab: Die Dürreschäden in der Landwirtschaft haben nationales Ausmaß. Die extreme Trockenheit fordert deutschlandweit ihren Tribut“, sagte die CDU-Agrarpolitikerin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Ihrer Meinung nach sei darüber hinaus eine steuerfreie Klimarücklage erforderlich.