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Discounter liefern sich Preiskampf

Düsseldorf. Im deutschen Lebensmittelhandel ist eine Preisschlacht ausgebrochen. Marktführer Aldi überrascht die Wettbewerber mit immer neuen Preissenkungsrunden. Die Konkurrenten ärgern sich. Die Kunden freut es. Von dpa-Mitarbeiter Erich Reimann

Im deutschen Lebensmittelhandel purzeln erstmals seit Jahren wieder auf breiter Front die Preise. Seit Januar hat Discount-Marktführer Aldi Schlag auf Schlag die Preise für Eier, Instant-Kaffee, Frühstücks-Cerealien, Wein, Fisch, Butter und jetzt auch Fleisch gesenkt. Die Konkurrenz musste nachziehen und ärgert sich.

Für Marktforscher Wolfgang Adlwarth von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ist die Aldi-Preisoffensive strategisch gut nachzuvollziehen: "Das Unternehmen will sein Image als Preisführer schärfen." Für den Marktführer sei dies heute notwendiger denn je, ist der Branchenkenner überzeugt. Denn seit Aldi mehr Markenartikel wie Coca-Cola oder Nivea im Angebot hat, muss sich der Händler stärker als früher dem direkten Preisvergleich mit der Konkurrenz stellen. Und Konkurrenten wie Rewe oder Lidl hatten sich in den vergangenen Monaten geradezu einen Spaß daraus gemacht, mit Sonderangeboten für Coca-Cola den Preis des Marktführers zu unterbieten.

Möglich werden die aktuellen Preissenkungsrunden allerdings nur, weil der Anstieg der Rohstoffpreise, der in den vergangenen Jahren die Preisentwicklung im Lebensmittelhandel prägte, weitgehend gestoppt ist. "Aldi nutzt das, um den Wettbewerbern zu zeigen, wer hier den Ton angibt", sagt Matthias Queck vom Marktinformationsdienst Planet Retail.

Bei den Konkurrenten sorgt die aggressive Preispolitik zunehmend für Unmut. "Das ist Wertvernichtung", klagte erst kürzlich Rewe-Chef Alain Caparros. Allein die von Aldi angestoßenen Preissenkungen bei Eiern hätten das Unternehmen beim Rohertrag mehrere Millionen Euro gekostet. Doch eine Alternative sieht der Manager nicht. "Wir sind in einer Preisspirale, in der wir mitschwimmen müssen."

Für die Verbraucher könnte dies weitere Einsparungen bringen. "Solange die Discounter mit Umsatz und Kundenzuwachs nicht zufrieden sind, werden sie weiter an der Preisschraube drehen", sagt Caparros.

Tatsächlich sind die nächsten Preissenkungen schon abzusehen. Nach den Rotstift-Aktionen bei Butter rechnen die Milchbauern auch mit sinkenden Milch- und Joghurtpreisen. "Die Abwärtsspirale dreht sich weiter", sagte der Sprecher des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter, Hans Foldenauer.

Auch Konkurrent Lidl reagiert inzwischen gereizt. In einem für die Branche ungewöhnlichen Schritt kritisierte das Unternehmen die jüngsten Preissenkungen des Rivalen bei Rind-, Hähnchen- und Putenfleisch. Und begründete dies mit der Sorge um den Tierschutz, der bei diesem Preisniveau nicht gesichert sei.

Eigentlich hatten Lidl und Rewe zum Wochenanfang selbst Zeichen setzten wollen: Lidl mit der Neuauflage seiner erfolgreichen Stikeez-Sammelfiguren, Rewe mit der Einführung von Payback-Punkten. Doch Aldi hat ihnen die Show gestohlen.