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Verkäufer kündigen Rücktritt an
Neue Unruhe um Halberg Guss

München/Saarbrücken. Im Zuge des Verkaufs der Neuen Hal­berg Guss in Saarbrücken und Leipzig gibt es neue Unruhe. Gestern haben die bisherigen Eigner der Saarbrücker Gießerei den Verkauf an die Münchner Investment-Firma One Square Advisors für ungültig erklärt. Von Joachim Wollschläger

Grund für die Unwirksamkeit des Verkaufs sei ein sogenanntes Arrestverfahren von Seiten des NHG-Kunden Volkswagen. VW hat sich demnach in einem Eilverfahren am Landgericht Braunschweig Zugriff auf knapp 50 Millionen Euro aus dem NHG-Verkauf gesichert. Damit seien „wesentliche Bedingungen für den Verkauf der Neue Halberg Guss nicht mehr erfüllt“, sagt ein Sprecher. Die NHG werde nun von ihrem vertraglichen Rücktrittsrecht Gebrauch machen.

VW hatte im Sommer am Landgericht Saarbrücken gegen die Neue Halberg Guss geklagt und Ansprüche auf Rückzahlung von knapp 42 Millionen Euro geltend gemacht. Der Grund dafür: VW sei gezwungen gewesen, zwischen April und Juni „Wucherpreise“ für Gussteile zu zahlen. Die Neue Halberg Guss habe Lieferungen gestoppt, um Forderungen durchzusetzen, die „um bis zu 700 Prozent über den bisherigen Preisen und um bis zu 1000 Prozent über den Marktpreisen gelegen hätten“, teilte ein Gerichtssprecher damals mit. VW erhob nicht nur den Anspruch auf diese Millionensumme, sondern wollte über einen sogenannten Arrest den Durchgriff auf das Vermögen der NHG sichern, da zu befürchten sei, dass der Eigentümer Prevent Werte aus der Gießerei abziehe. Während VW nach Aussagen des NHG-Sprechers den Antrag am Landgericht zurückgezogen hatte, hat das Unternehmen diesen offensichtlich in Braunschweig in einem Eilverfahren durchgesetzt.

Halberg Guss war nach monatelangem Ringen an die Münchner Investoren verkauft worden. Gestern fand die Transaktion offiziell statt, das Unternehmen soll künftig unter den Namen Avir Guss Holding weitergeführt werden. Ein Avir-Sprecher sieht den Verkauf nun auch durch den Arrest nicht gefährdet. Dieser beeinträchtige den Abschluss nicht, sagte der Sprecher: „Die Bedingung war, dass wir den Kaufpreis bezahlen, das haben wir getan. Die zweite Bedingung war, dass eine Auflassungsvormerkung für die Grundstücke im Grundbuch eingetragen wird, auch das haben wir getan“, sagte er. Auch den Vorwurf von NHG, man habe vertrauliche Vertragsdetails an Volkswagen weitergegeben, weist Avir zurück: „Wir haben uns natürlich an jegliche Vertraulichkeit gehalten. Wir hätten gar kein ökonomisches Interesse daran gehabt, dass Details der Transaktion bekannt werden und damit die Transaktion gefährdet ist“, sagte der Sprecher.