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Grenzübergreifende Banken
Saar-LB stärkt Frankreich-Geschäft

 In Paris hat die Saar-LB Immobilienprojekte finanziert. Der Pôle Franco-Allemand soll weitere Geschäfte ermöglichen.
In Paris hat die Saar-LB Immobilienprojekte finanziert. Der Pôle Franco-Allemand soll weitere Geschäfte ermöglichen. FOTO: Getty Images/iStockphoto / francois-roux
Saarbrücken. Die saarländische Landesbank startet mit Pôle Franco-Allemand eine Plattform für grenzüberschreitende Investitionen. Von Joachim Wollschläger

Die Latte hängt hoch: Um 50 bis 100 Millionen Euro will die Saar-LB jährlich ihr Neugeschäft mit Frankreich steigern. Das sagte Bank-Chef Thomas Bretzger gestern. Das Instrument, das diese Steigerung ermöglichen soll, lieferte der Saar-LB-Vorstandsvorsitzende gleich mit: den Pôle Franco-Allemand. Dieser deutsch-französische Marktplatz ist eine Plattform mehrerer Partner, die Investoren in Deutschland oder Frankreich den Einstieg im jeweils anderen Land ermöglichen soll. Neben der Saar-LB, die in dem Projekt die Führung übernimmt, gehören zu den beteiligten Partnern unter anderem das Deutsch-Französische Institut, die Deutsch-Französische Industrie- und Handelskammer, die Deutsche Leasing oder das Beratungsunternehmen Coffra. Zentraler Ansprechpartner ist Michael Heß, der bei der Saar-LB viele Jahre als Firmenkundenbetreuer auch das Frankreich-Geschäft verantwortet hat.

Ziel sei es, Unternehmen einen Komplettservice zu bieten, wenn sie sich im Nachbarland engagieren wollen, sagt Saar-LB-Vorstand Frank Eloy. So habe die Bank gerade einem niedersächsischen Unternehmen über die Plattform ermöglicht, eine Firma im Elsass zu kaufen, inklusive Bewertung, Begutachtung, Beratung rund ums Arbeitsrecht und Finanzierung. „All das hat die Plattform quasi aus einer Hand heraus liefern können“, sagt Eloy, der im Vorstand das Frankreich-Geschäft verantwortet.

Zentrales Marketinginstrument des Pôle Franco-Allemand ist eine Internetseite, die gestern offiziell ans Netz gegangen ist. Diese soll künftig über entsprechende Werbung prominent auftauchen, wenn potenzielle Investoren im Internet nach Investitionsbegleitung suchen. Gleichzeitig sollen aber auch die Partner für die Plattform werben. Diese bietet nicht nur Kontaktmöglichkeiten zu den jeweiligen Spezialisten, sondern informiert auch über rechtliche Neuerungen und Besonderheiten im Nachbarland.



Der Pôle Franco-Allemand ist der jüngste Schritt in einer Frankreich-Strategie, die die Saar-LB seit fast 20 Jahren verfolgt – zuerst mit einer Repräsentanz in Metz, später mit Standorten in Straßburg und Paris. Das Frankreich-Geschäft macht bereits jetzt knapp die Hälfte des Geschäfts der Bank aus. Im vergangenen Jahr stammte eine Milliarde Euro des Neugeschäfts aus Frankreich. Deutschland macht 1,3 Milliarden aus, knapp 200 Millionen kamen von der Landesbausparkasse LBS.

Schon jetzt gilt die Saar-LB innerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe  als Ansprechpartner und Spezialist für den französischen Markt. Die Vermittlung über das sogenannte S-Country-Desk funktioniere allerdings noch nicht optimal, sagt Eloy. Deshalb hofft die Saar-LB auf mehr Direktkontakte über die neu aufgesetzte Plattform. Auch die Investitionen in Frankreich sollen ausgeweitet werden. Während das Geschäft im Nachbarland aktuell vor allem Investitionen in Immobilien und Erneuerbare Energien umfasst, sollen es jetzt grenzüberschreitende Projekte aus unterschiedlichsten Geschäftsfeldern sein.

Aktuell geht der neue Marktplatz mit 13 Partnern an den Start. Diese Zahl könne sich noch steigern, sagte Eloy gestern. Vor allem fehlt noch ein Partner-Kreditinstitut im Nachbarland. Zwei Institute kämen für die Kooperation infrage, sagt Eloy: die Banque Populaire oder die Caisse D’Epargne. In jedem Fall müsse es, ebenso wie bei der Sparkassen-Gruppe, eine Bank mit einer landesweiten Filial-Abdeckung sein.