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Konkurrenz aus Friedrichsthal für Welt-Firmen
Ein Schwenker namens Wotan

 Der 50. Wotan aus der Produktion in Friedrichsthal ist aktuell auf einer Baustelle in Lörrach im Schwarzwald im Einsatz.
Der 50. Wotan aus der Produktion in Friedrichsthal ist aktuell auf einer Baustelle in Lörrach im Schwarzwald im Einsatz. FOTO: BBL
Friedrichsthal. Die Firma BBL Cranes aus Friedrichsthal hat ihren 50. Wotan-Kran im Einsatz. Von Nina Drokur

Auf dem alten Post­areal in Lörrach, einer Kreisstadt im Südwesten Baden-Württembergs, wird seit Ende Mai ein neues Wohn- und Geschäftszentrum gebaut. Gebaut wird mit einem Kran, der im Saarland entwickelt und gebaut wird. Es ist der 50. Kran der Wotan-Serie, die erst vor wenigen Jahren auf den Markt gekommen ist.

Als Ralf Britz vor rund zehn Jahren die Idee hatte, mit seiner Firma BBL Cranes einen Kran zu entwickeln, hatten ihn seine Kollegen für verrückt erklärt, erzählt er heute. Zuvor war seine Firma BBL vor allem auf den Verleih von Baumaschinen und Kranen spezialisiert. Und Kranhersteller gab es nur wenige weltweit: Vier Unternehmen bauten solche großen Turmkrane. Doch Britz stieß schon mit dem Prototyp des ersten Wotan 2013 auf der Baumaschinenmesse Bauma in München auf großes Interesse. Und das spornte den heute 53-Jährigen an. Rund eine Million Euro hat er in die Entwicklung des Krans investiert. Das Besondere am Wotan: Er ist leichter zu montieren, leichter zu transportieren und verbraucht zudem weniger Energie als andere Krane, wie Britz sagt. Ein zentrales Prinzip dabei: Der Kran hat einen kleineren Motor, der über die kurzen Zeiten, die er läuft, trotzdem Höchstlasten verkraftet.

Die einzelnen Module des Krans werden auf speziellen Fahrzeugen so verladen, dass sie bei der Montage nur einmal in die Hand genommen werden müssen, beim neueren Wotan-Modell ist der sogenannte Gegenausleger schon gleich als Lkw-Anhänger konstruiert.



Drei Monate dauert es, bis ein Wotan gebaut ist. Gebaut wird vor allem in Friedrichsthal und bei einer Tochterfirma in Wiesbach. Trotz der kurzen Montagezeit braucht die Firma rund ein Jahr Vorlaufzeit – wegen der Lieferzeit der einzelnen Teile, die von Zulieferern ebenfalls aus Deutschland stammen. Weswegen das Unternehmen sich auf die Fahnen schreibt, dass die Krane komplett „Made in Germany“ sind.

Das saarländische Wirtschaftsministerium hat die Entwicklung des Krans in den vergangenen Jahren unterstützt und gefördert. Seither sind Nachfrage und Interesse der Branche bis heute stets gewachsen. Auf der Bauma 2019 vor wenigen Wochen „hätte ich unendlich Krane verkaufen können“, sagt Britz. Doch das Unternehmen ist für den Weltmarkt zu klein. BBL Cranes bedient vor allem Deutschland und Europa. Auf jeden Fall soll die Produktion noch ausgeweitet werden: 25 Stück sollen dieses Jahr vom Band laufen, kündigt Britz an.

MK 140, 280 Litronic – die meisten Kräne anderer Hersteller wie Wolff oder Liebherr haben laut Britz eher technische Namen. Mit dem Wotan wollte er sich abheben. „Unser Kran kann so viel mehr“, sagt Britz. „Er sollte einen göttlichen Namen bekommen“. Das Konzept geht auf: „Was macht denn der Wotan?“, fragen Kunden. Es scheint ihm gut zu gehen. Drei verschiedene Modelle sind mittlerweile auf dem Markt. Zum Einsatz kommen sie an bekannten Baustellen: Stuttgart 21 zum Beispiel. Das erfüllt den Entwickler Britz mit Stolz. Der höchste steht mit 260 Meter Höhe an einem Hochhaus in Frankfurt.

120 Mitarbeiter beschäftigt das Friedrichsthaler Unternehmen mittlerweile. Nachwuchsmangel gibt es laut Britz nicht, was der Chef vor allem auf das gute Betriebsklima zurückführt. Die Firma engagiere sich im Dorfleben, viele seiner Mitarbeiter seien bei der freiwilligen Feuerwehr aktiv. Laut Britz hat die gesamte BBL-Gruppe – der Baumaschinenverleih läuft unverändert weiter – einen Jahresumsatz von 30 Millionen Euro, etwas mehr als die Hälfte entfällt auf die Kranvermietung. Und auch beim Gewinn zeigt sich der Erfolg: Vier Millionen Euro stehen bei der Gruppe eigenen Angaben zufolge unter dem Strich.